Sky-Moderator Hellmann Meine Meinung zu Fußballspielen ohne Fans

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Sebastian Hellmann (M.) beim Sky-Topspiel im Gespräch mit Kölns Mark Uth (r.) und Lothar Matthäus (l.)

Köln – Sebastian Hellmann (52) moderiert beim TV-Sender Sky die Übertragungen der Bundesliga und Champions-League. 2003 und 2005 wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Sein Einsatz am 11. März beim Dortmunder Königsklassen-Spiel in Paris war das bislang letzte Live-Spiel bei Sky (hier lesen Sie mehr). Wir sprachen mit dem Kölner Fernseh-Experten.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit ohne Live-Fußball?

Ich gehe ab und zu mit meinem ARD-Kollegen Tom Bartels joggen. Zudem skype ich regelmäßig mit ihm und Florian König von RTL. Ihnen geht es ja nicht anders als mir. Wir reden dann mal über andere Dinge als Sport. In den Hochzeiten des Fußball-Geschäfts dachte ich manchmal: Es ist doch etwas viel mit den ganzen Spielen. Jetzt wünsche ich mir, dass es irgendwann mal wieder losgeht.

Fällt Ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf?

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Nein. Familiär erlebe ich ein echtes Zusammenrücken. Meine Töchter, die wegen des Studiums eigentlich schon ausgezogen waren, wohnen jetzt wieder bei uns. Wir machen Gesellschaftsspiele, schauen Filme gemeinsam. Auch die Terrasse habe ich endlich mal gereinigt. Nur meine Mutter ist einsam, weil sie keinen Besuch empfangen kann. Das macht mich sehr traurig.

Sebastian Hellmann: Coronavirus gefährdet Existenzen

Aber ins TV-Studio können Sie vorerst nicht.

Das nicht, aber ich produziere in meinem Büro ein paar Filme, die wir dann auf den Markt bringen. Die Erlöse sollen in einen Fonds gehen, mit dem Kollegen geholfen werden kann, die durch den Stillstand in wirtschaftliche Not geraten. Ich verdiene zwar aktuell auch nichts, habe aber 25 Jahre lang von dem System gelebt. Da gibt es gewiss andere Härtefälle.

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Sebastian Hellmann arbeitet seit 1999 für Sky.

Was ist Ihre Meinung: Sollte der Ball, sofern es gesundheitlich zu verantworten ist, wieder ohne Zuschauer rollen?

Ja, ich denke schon, dass es wichtig ist, dass der Sport irgendwann wieder Fahrt aufnimmt. Die Fans im Stadion und der ganze Sound drum herum sind zwar die Seele des Fußballs, aber etwas Ablenkung könnte sicher allen helfen. Und da ich denke, dass die Spiele noch sehr lange ohne Fans stattfinden werden, sollte der Betrieb – wenn die Experten es für vertretbar halten – wieder aufgenommen werden. Auch wenn es ohne Publikum sicher ein anderer Sport ist.

Was verändert diese Krise in unserem Leben?

Ich finde, dass sich die Persönlichkeit eines jeden verstärkt. Die Charaktereigenschaften multiplizieren sich quasi. Die Vorsichtigen beispielsweise werden noch vorsichtiger. Der fehlende Zeitfaktor ist es, der uns allen so zusetzt. Keiner kann sagen, wann wieder Normalität einkehren kann. Diese Ungewissheit ist schwierig. Mein Leben als Journalist war zwar vom Spielplan bestimmt, aber in meinem Beruf war ich frei. Ich konnte Fragen stellen, wie ich es wollte. Ich konnte Dinge kommentieren, wie ich es wollte. Jetzt sind wir alle fremdbestimmt.

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