Abstiegs-Eskalation Schalke-Training abgesagt, drei Profis wollen nicht mehr spielen

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Der leere Schalker Trainingsplatz am Donnerstag (22. April). Auch die für Freitag geplante Einheit wurde kurzfristig abgesagt.

Gelsenkirchen – Schockstarre auf Schalke. Am Freitag (23. April) sollte die erste Trainingseinheit nach dem feststehenden Abstieg und den folgenden Jagd-Szenen von Fans auf Spieler rund um die Veltins-Arena stattfinden. Nach einer längeren Krisensitzung sagte der Klub die Einheit kurzfristig ab.

  • Schalke 04: Schockstarre nach Fan-Angriffen
  • Training am Freitag kurzfristig abgesagt
  • Schalke-Spieler dürfen über Einsatz entscheiden

Weil Fans einzelne Spieler wütend ums Stadion jagten und mehrere Teammitglieder körperlich attackierten, trifft der Verein eine drastische Entscheidung.

Schalke 04 schützt sich vor den eigenen Fans. Um Vorfälle wie Dienstagnacht in den kommenden Wochen zu vermeiden, bat der Verein angeblich um Polizeischutz für die Spieler. Die Trainingseinheiten ab Montag sollen unter deutlich verschärften Sicherheitsbedingungen stattfinden. Das für Freitag geplante Training fand nicht statt.

Wie die „Bild“ berichtet haben drei Spieler schon entschieden, nicht mehr für Schalke spielen zu wollen. Dem Bericht zufolge sind das Mark Uth (29), Suat Serdar (24) und Amine Harit (24). Eine endgültige Entscheidung stehe aber noch aus.

Schalke 04 sichert Training vor Angriffen durch Chaoten ab

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge stecken den Spielern die Folgen der Ereignisse vom Dienstag weiter in den Knochen. Gemeinsam einigte man sich am Freitag nach längerer Beratung darauf, bis zur Erstellung eines verschärften Sicherheitskonzepts nicht mehr zu trainieren.

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Polizeiwagen am Dienstag (21. April) vor der Veltins-Arena, wo es zu Jagdszenen auf die Spieler von Schalke 04 gekommen war.

Erst am Montag soll die Mannschaft die Arbeit wieder aufnehmen, der Verein habe „bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Sicherheit von Spielern und Betreuern zu gewährleisten“.

Weil bei vielen Akteuren die Erlebnisse noch immer tief sitzen, stellte Sportvorstand Peter Knäbel (54) außerdem jedem Akteur frei, über weitere Einsätze bis Saisonende selbst zu entscheiden. Mark Uth war unter lauten Beschimpfungen auf dem Stadiongelände verfolgt worden, sein Auto wurde demoliert. Amine Harit folgten die Täter bis nach Hause.

Die Klub-Verantwortlichen versichern daher: Nur wer in den verbleibenden vier Spielen noch einmal für Schalke spielen will, wird auch von Trainer Dimitrios Grammozis (42) berücksichtigt. Schalke teilte am Freitag außerdem mit, dass gegen die Chaoten, die dem Team aufgelauert hatten, Strafanzeige gestellt wird.

Schalke 04 arbeitet Vorkommnisse nach Abstieg mit allen Spielern auf

Der „Bild“ sagte Knäbel: „Wir führen mit jedem Spieler Einzelgespräche. Fragen, was hängen geblieben ist, und bieten Hilfe an. Wenn einer die restlichen vier Partien nicht mehr für Schalke auflaufen will, kann ich mit dieser Position leben.“

Laut Polizei Gelsenkirchen habe Schalke bislang noch keinen offiziellen Antrag auf Personenschutz gestellt, die Beamten behalten die Lager aber ohnehin im Auge: „Wir erstellen so oder so eine Gefährdungsanalyse. Und je nachdem, zu welchem Ergebnis wir kommen, würden wir auch selbstständig tätig werden.“

Schalke 04 nach Bundesliga-Abstieg mit zwei spielfreien Wochenenden

Spieler, Trainerteam und Verantwortliche haben ähnliche Szenen im Kopf wie sie auch Schalke-Legende und Teammanager Gerald Asamoah (42) schildert: „Mir geht‘s immer noch nicht gut. Ich habe zwei Bilder im Kopf. Wie ein Mitarbeiter auf dem Boden liegt und getreten wird. Und die Angst in den Augen von Mike Büskens.“

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Der von Fans beschädigte Wagen von Mark Uth am Donnerstag (22. April) vor der Schalker Arena.

Immerhin bleibt Königsblau zunächst viel Zeit zur Aufarbeitung. Das für Samstag (24. April) angesetzte Bundesliga-Heimspiel gegen Hertha BSC wurde wegen Corona-Fällen bei den Berlinern auf den 12. Mai verlegt.

Rund um das erste Mai-Wochenende ruht die Bundesliga, sodass der nächste Schalker Auftritt erst für Samstag, den 8. Mai in Hoffenheim angesetzt ist. Den mental angeschlagenen Profis bleiben so immerhin noch 15 Tage, um langsam zurück zur Normalität zu finden.

Fan-Angriffe bei Schalke 04 erschweren Zukunftsplanung für 2. Bundesliga

Doch auch die Aussichten für die neue Saison sind auf Schalke ungewiss: Einen großen Umbruch im Sommer hätte es ohnehin gegeben. Die Verträge mehrerer Spieler, etwa Alessandro Schöpf (27) und Shkodran Mustafi (29), laufen aus oder sind nicht für die 2. Bundesliga gültig. Andere wie Sead Kolasinac (27) oder Stürmer Goncalo Paciencia (26) sind nur ausgeliehen.

Ob Spieler, die insgeheim als Stützen für das Projekt sofortiger Wiederaufstieg in Liga zwei eingeplant waren, aber überhaupt noch einmal für den Verein auflaufen wollen, steht aktuell in den Sternen.

Auch mögliche Neuzugänge dürften sich bei den erschreckenden Szenen zweimal überlegen, ob sie sich für gewaltigen Druck rund um das ambitionierte Schalker Zweitliga-Projekt entscheiden oder lieber nach ruhigeren Alternativen Ausschau halten. (bc)

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