„Geld verschiebt jede Grenze“ Unfassbar! Katar spielt bei WM-Quali in Europa mit

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FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der Auslosung der Quali-Gruppen zur WM 2022.

Köln – Die Kommerzialisierung im Fußball sorgt für immer schlimmere Auswüchse. WM-Gastgeber Katar darf im kommenden Jahr außer Konkurrenz an der europäischen Qualifikation zur WM 2022 teilnehmen. Was kurios klingt, ist seit Dienstagabend beschlossene Sache.

Die Nationalmannschaft aus dem reichen Golfstaat darf sich in Gruppe A gegen Portugal, Serbien, Irland, Luxemburg und Aserbaidschan warmspielen. Seine Heimspiele wird Katar in Europa austragen - um den Gegnern den Reisestress zu ersparen, hieß es. Die Aufnahme der katarischen Elf, die automatisch für das Winter-Turnier qualifiziert ist, solle das Team bei der Vorbereitung auf das Turnier (21. November bis 18. Dezember 2022) „unterstützen“, schrieb die UEFA.

Die kuriose Entscheidung der UEFA ruft verständlicherweise viele Kritiker auf den Plan. „Katar darf also in Europa bei der WM-Quali mitspielen und ist als Gastgeber eh qualifiziert. UEFA und FIFA machen fast alles für Geld und der DFB schwimmt leider mit. Das Image-Problem ist nicht mit DFB-Fanclub-Adventskalendern zu lösen“, schimpfte Ulf-Andre Thur bei Twitter.

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Das Magazin FUMS witzelte: „Gastgeber Katar spielt bei der Europa-Quali zur WM 2022 mit. Die Erdinger Fan-Auswahl, Kaufland und die U9 der Sportfreunde Schneeberg wurden nicht berücksichtigt.“

Andreas Rettig entsetzt von UEFA-Entscheidung

„Man sieht, dass sich in der heutigen Zeit mit Kapitaleinsatz jede Grenze verschieben lässt. Mich überrascht überhaupt nichts mehr“, sagte Andreas Rettig (57), ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), - und fügte spöttisch mit Blick auf den zum Red-Bull-Konzern gehörenden Bundesligisten RB Leipzig an: „Ich freue mich heute bereits auf die Teilnahme von RasenBall bei der nächsten Copa Libertadores. Das wird bestimmt ganz schön prickelnd.“

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Andreas Rettig (56) war DFL-Geschäftsführer und Manager in Freiburg, Köln, Augsburg und St. Pauli.

Der frühere Manager des 1. FC Köln sieht generell die „gesellschaftliche Akzeptanz“ des Profifußballs in Gefahr: „Seit vielen Jahren stellen wir eine emotionale Entfremdung fest. Durch Corona, die Aktivitäten, Verteilerbeschlüsse, Unstimmigkeiten beim DFB, Korruption bei der FIFA und vieles mehr. Der Fußball steht richtig im Feuer, was das Thema Glaubwürdigkeit angeht.“

Doch die UEFA ist außerhalb Asiens längst nicht der einzige Verband, der die Katarer mitspielen lässt. Bei der Copa America trat die Mannschaft des spanischen Trainers Felix Sanchez bereits 2019 an, im kommenden Jahr soll sie wieder dabei sein. Und auch beim Gold Cup 2021 ist der Asienmeister unter den Teilnehmern. (msw/sid)

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