Kältekammer, Isolation, Trennung Nationalspieler sprechen offen über Corona-Sorgen

Waldschmidt

Luca Waldschmidt beim Training im Kreise der Nationalmannschaft in Leipzig.

Leipzig – Viele Spiele, strenge Corona-Regeln. Während der Amateur- und Breitensport derzeit komplett ruht, geht der Spielbetrieb der Fußball-Top-Stars ununterbrochen weiter.

Allerdings sorgt die Terminhatz, die jüngst auch Bundestrainer Joachim Löw (60) mit scharfen Worten kritisierte, für einige Probleme. Die wachsende Anzahl von Verletzungen sowie immer neue auf Corona positiv getestete Profis zeigen, wie fragil das ganze Gebilde ist. EXPRESS sprach mit drei Nationalspielern über die Herausforderungen in dieser Zeit.

Leipzigs Benjamin Henrichs (23) muss beim ersten Heimspiel am Mittwoch gegen Tschechien passen. Die Patellasehne schmerzt, eine erste Reaktion nach der hohen Belastung. „Es ist schon extrem viel, was momentan auf einen zukommt“, sagt er.

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„Was man nicht unterschätzen darf sind die Reisen. Für ein Champions-League-Spiel ist man drei Tage weg, dann für ein Bundesligaspiel wieder zwei Tage. Das heißt, man ist in der Woche vielleicht zwei Tage zu Hause. Dann kommt die Belastung von den Spielen dazu. Das ist alles nicht ganz einfach. Am Tag nach einem Spiel ist man kaputt, am Tag danach meistens noch erschöpfter, dann ist schon wieder Abschlusstraining fürs nächste Spiel.“

Henrichs-Ankunft

Benjamin Henrichs bei der Ankunft am Teamhotel in Leipzig.

Benjamin Henrichs schwört auf die Kältekammer

Henrichs hat für sich die beste Lösung im Spiele-Marathon entdeckt. „Ich gehe in die Kältekammer in Leipzig. Darin sind es minus 110 Grad, danach fühle ich mich immer weitestgehend frisch. Das hilft bei der Regeneration.“

Luca Waldschmidt erhält keinen Familien-Besuch

Luca Waldschmidt (24) ist in diesem Sommer vom SC Freiburg zu Benfica Lissabon gewechselt. Mitten in der Pandemie ging es für ihn in Portugals Metropole. „Lissabon ist leider schon länger Risikogebiet“, sagt der Stürmer. „Meine Eltern wollten mal vorbeikommen, um mich zu besuchen, aber das ging dann leider nicht. Die Zahlen steigen, die Regeln werden verschärft. Es wäre natürlich schön, wenn mal Freunde oder Familie vorbeikommen könnten. Aber das geht halt gerade nicht.“

Für Waldschmidt ist eine Anreise wie zum aktuellen Länderspiel-Dreierpack gleich doppelt riskant. „Ich bin mit einem Linienflug von Lissabon nach Berlin geflogen, von dort dann mit dem Auto weiter nach Leipzig“, erzählt er. „Ich trage die ganze Zeit eine Maske, bemühe mich überall den Abstand einzuhalten, so dass möglichst wenig Risiko besteht.“

Luca Waldschmidt mochte den Endrunden-Modus in der Champions League

Mit Benfica fliegt Waldschmidt zudem in der Europa League durch die Gegend. „Ich fand‘ den Modus bei der Champions League gut mit der Endrunde in Lissabon. Aber so etwas ist derzeit ja noch nicht angedacht“, sagt er. „Die Reisen machen es natürlich nicht einfacher, zumal wir quasi jede Woche eine englische Woche haben. Aber da sind wir zumindest mit der Mannschaft alleine im Flugzeuge und minimieren so das Risiko, uns anzustecken.“

Nadiem Amiri war selbst in Quarantäne

Wie schnell man aus dem Spiel-Zirkus rausgezogen wird, erlebte Leverkusens Nadiem Amiri (24): „Ich war fünf Tage in Quarantäne, weil ich mit einem guten Freund essen war und der dann positiv getestet wurde. Ich war aber zum Glück die ganze Zeit negativ.“ Dennoch hat nicht nur dieser Vorfall den Bayer-Profi vorsichtiger gemacht. „Ich bewege mich nur in meinem Umfeld, bin vorsichtig und vermeide Kontakt zu vielen anderen Leuten. Eigentlich pendele ich nur zwischen Training, Stadion und Zuhause.“

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