Julian Nagelsmanns öffentliche Kritik an Leroy Sané sorgt für Wirbel. Jetzt bekommt der Bundestrainer Gegenwind von Sanés erstem Profitrainer Jens Keller.
Nagelsmann-Umgang mit SanéEx-Trainer hat große Bedenken
Nicht nur bei Matthias Sammer sorgten die öffentlichen Aussagen von Julian Nagelsmann über Leroy Sané für Verwunderung. Auch Sanés erster Profitrainer, Jens Keller, hält den vom Bundestrainer gewählten Weg für wenig hilfreich und kritisiert die Vorgehensweise.
„Ich vermute, dass Julian Nagelsmann ihn kitzeln wollte, aber ich hätte es anders gemacht“, sagte Jens Keller bei „Sky Sport“ zu den Aussagen des Bundestrainers. Er fügte hinzu: „Es ist nicht meine Art, über die Öffentlichkeit zu kommunizieren und den Druck so zu erhöhen. Leroy ist zwar ein lockerer Typ, aber trotzdem sehr sensibel.“
Keller über Umgang mit Sané: „Unter vier Augen die Meinung sagen“
Nagelsmann hatte über den Flügelspieler unter anderem gesagt: „Wenn wir auf der Position sechs, sieben Spieler und Spielerinnen zur Auswahl hätten, dann hätte er es deutlich schwerer.“ Der Bundestrainer legte nach: „Er weiß, dass es nicht unendlich viele Chancen gibt, sich auf Nationalmannschaftsebene, zumindest unter meiner Führung, zu beweisen. Das habe ich ihm auch offen gesagt.“
Keller, der Sané schon in der U17 auf Schalke trainierte und ihm 2014 zum Profidebüt verhalf, ist skeptisch, „ob öffentliche Äußerungen hilfreich für seine Leistungen sind.“ Sané habe „früher zwar auch ab und zu eine Ansage gebraucht, aber nicht in der Öffentlichkeit“, so Keller. „Man kann ihm unter vier Augen die Meinung sagen, und er nimmt das auch an.“
Auch der frühere Nationalspieler Matthias Sammer kritisierte Nagelsmann für seine Sané-Ansage. „Meine Erfahrungen sind, Individualisten brauchen Liebe, brauchen so viel Liebe, dass es knallt. Das ist einfach so“, sagte Sammer. Man müsse als Trainer „nicht in der Öffentlichkeit die Beziehungsebene infrage zu stellen.“
Keller findet, dass Sané in der Öffentlichkeit oft zu schlecht wegkomme. Dabei seien seine Fähigkeiten selten in Deutschland. „Es gebe kaum jemanden in Deutschland der so einen guten linken Fuß hat, der so einen Speed hat, der in die Tiefe geht und die Bälle fordert“, so der 54-Jährige.
Trotz dieser Fähigkeiten hatte Nagelsmann den Profi, der im Sommer zu Galatasaray gewechselt war, Ende August nicht für die Nationalmannschaft nominiert. Sané spiele „in einer Liga, die einen Tick unter der Bundesliga ist. Ich finde, dass er da mehr auffallen muss“, begründete der Bundestrainer damals.
„Unterm Strich spielt er bei einem türkischen Topklub und in der Champions League. Ich weiß nicht, was daran so schlimm ist“, meint Keller. Er ist überzeugt: „Für mich wäre Leroy immer dabei, weil er immer noch etwas Besonderes bringt.“
Sané hat nun in den kommenden Spielen in Luxemburg (Freitag, 20.45 Uhr) und gegen die Slowakei (Montag, 20.45 Uhr) die nächste Gelegenheit, den Bundestrainer von sich zu überzeugen. (red)

