Kurzes Treffen am Flughafen Löw-Zukunft: Ergebnis nach Krisengipfel liegt vor

Löw-winkt-Tür

Joachim Löw winkt bei der Ankunft vor einer Woche in Leipzig. Nun verabschiedete sich der Bundestrainer nach dem krachenden 0:6.

München – Die historische 0:6-Schmach von Sevilla – sie hat zunächst keinerlei Folgen. Joachim Löw (60) tritt erwartungsgemäß nicht von seinem Posten als Bundestrainer zurück. Und im sich derzeit chaotisch präsentierenden DFB fühlt sich auch kein Verantwortlicher berufen, die Reißleine zu ziehen.

Nach dem Zusammenbruch im letzten Länderspiel des Jahres hatte sich der gedemütigte Bundestrainer mit seinen überforderten Nationalspielern noch vor dem Morgengrauen auf die Heimreise gemacht. Der Charterflieger nach Düsseldorf mit Zwischenstopp in München hatte Sevilla noch gar nicht verlassen, da prasselten auf Löw über alle Kanäle schon bohrende Fragen und klare Forderungen ein - die nach einem Rücktritt inklusive.

Nach dem Stopp in München setzten sich Löw, DFB-Präsident Fritz Keller (63), DFB-Direktor Oliver Bierhoff (52, besitzt für den Präsidialausschuss das Vorschlagsrecht für einen neuen Trainer) und Co-Trainer Marcus Sorg (54) im VIP-Terminal des Flughafens zusammen. Das Ergebnis nach dem 30-minütigen Gespräch: Löw bleibt. Kein Rauswurf, kein Rücktritt. Zusammen mit Keller machte sich der Bundestrainer anschließend im Van auf den Heimweg nach Freiburg.

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Erwartungsgemäß fällte DFB-Präsident Fritz Keller (hier beim Länderspiel in Leipzig gegen die Ukraine) noch keine Entscheidung gegen Joachim Löw.

Über die Verbandshomepage wurde nach dem Treffen ein Statement von Keller verbreitet. „Wir haben in Sevilla einen schwarzen Abend erlebt, der wehgetan hat. Den Zuschauern zuhause, mir, dem Trainer, den Spielern. Ich war nach Abpfiff in der Kabine und habe die maßlose Enttäuschung aller gespürt. Aber auch den Willen, diesen Eindruck zu korrigieren. Unsere junge Mannschaft kann an diesem herben Rückschlag wachsen, wenn dieses Spiel, in dem nicht nur Herz und Leidenschaft gefehlt haben, gründlich analysiert und die nötigen Folgerungen daraus gezogen werden. Das Potenzial hat sie“, führte der Präsident aus.

Fritz Keller: Haben bewusst den Weg des Umbruchs gewählt

Kellers weitere Aussagen sind als klare Absage Richtung der aussortierten Routiniers zu deuten: „Wir haben uns bewusst entschieden, den Umbruch mit vielen neuen und jungen Spielern mit Perspektive zu vollziehen. Dieser Weg kann, wie man gesehen hat, der steinigere sein und auch zu schmerzhaften Niederlagen führen. Aber auch wenn wir uns alle gewünscht haben, anders aus diesem schwierigen, bis dahin dennoch eigentlich erfolgreichen Länderspieljahr zu gehen, besteht unsere Herausforderung weiterhin darin, eine starke Mannschaft zu formen für die nächsten drei großen Turniere: die Europameisterschaft im kommenden Jahr, die WM 2022 und die EM im eigenen Land 2024.“

Interessanterweise fällt der Name Joachim Löw im Statement nicht. Dennoch kann sich der Bundestrainer sicher sein, dass ihm der Winzer nicht in den Rücken fallen wird.

Joachim Löw wird sich nun wieder zurück ziehen

„Wir müssen das die nächsten Tage im Trainerstab aufarbeiten. Was sind jetzt die richtigen Schlüsse, die wir ziehen müssen? Was ist der richtige Weg? Wir haben gedacht, dass wir einen Schritt weiter sind nach den letzten Spielen und diesem Jahr, das insgesamt schwierig war“, sagte Löw. Sein Krisenmanagement wird schon zur Routine.

Wie nach der WM 2018 wird sich Löw erneut zurückziehen, ohne Druck vom Verband zu bekommen. Keller und Bierhoff sprachen beim kurzen Krisen-Gespräch angeblich von einem „einmaligen Blackout“ und bestärkten den Coach darin, weiterzumachen. Löw soll die Nationalmannschaft trotz des Rückschlags ins EM-Jahr führen. Sein Vertrag läuft noch bis zur WM 2022.

„Ob ich mir Sorgen um meinen Job machen muss, müssen sie andere fragen“, hatte Löw nach seinem 189. Länderspiel als Chefcoach fast schon trotzig gesagt. Die Antwort fiel wie erwartet aus. „Das Vertrauen ist vollkommen da, absolut“, sagte Bierhoff.

Stefan Kuntz wehrt Debatten um Löw-Nachfolge ab

Ein potentieller Nachfolger aus den eigenen Reihen hatte schon am Dienstagabend versucht, die Debatten zu ersticken. „Die A-Nationalmannschaft ist wie unser liebstes Kind, und wenn das so ein bisschen schwächelt, werden alle nervös“, sagte U21-Trainer Stefan Kuntz (58). Als er über die Zukunft von Löw und mögliche Nachfolger als Sympathieträger befragt wurde, trat er dem entschieden entgegen. „Wir haben einen geilen Nationaltrainer“, sagte Kuntz. „Wir brauchen keinen Trainer, der Sympathien hat, wir brauchen einen guten Trainer. Den haben wir - 100 Prozent.“

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