DFB-Kommentar Neun Monate vor der EM: Jogis Jungs laufen die Fans davon

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Nicht mehr gefragt? Keiner scheint sich derzeit wirklich für Joachim Löw (Mitte) und seine Spieler zu interessieren. Hier gibt er Anweisungen an Timo Werner (l.), Toni Kroos (2.v.r.) und Julian Brandt.

Basel – Die Länderspiel-Woche endete ernüchternd – auf ganz vielen Ebenen. Zweimal nur 1:1, wenig fußballerische Highlights. Die Einschaltquoten, die Reaktionen und die Debatten zeigen, dass die Lust auf Joachim Löws Auswahl auf ein absolutes Minimum gesunken ist. Neun Monate vor EM-Start herrscht mal wieder Alarmstimmung. Ein Kommentar zu den Gründen.

Die Corona-Pause hat der DFB-Elf nicht geholfen. In leeren Stadien wirken Fußballspiele trostlos. Wenn dazu noch eine Mannschaft auf dem Platz steht, die behäbig und emotionslos den Ball hin und her schiebt, fällt das Fehlen des Publikums noch stärker auf. Dass jedes Kommando des Bundestrainers deutlich im TV zu hören war, unterstreicht, wie brav diese Truppe ist.

Joachim Löw macht sich weiter angreifbar

Die Nationalmannschaft ist abhängig von Typen, die bei diesem Länderspiel-Doppelpack fehlten. Ein schreiender Kimmich, ein muskelbepackter Goretzka, ein selbstbewusster Neuer waren nicht dabei. Bei der versammelten Auswahl stach höchsten Toni Kroos heraus. Alle anderen Spieler sind froh, Einsätze zu sammeln und tauchen ansonsten gerne im Kollektiv ab.

Alles zum Thema Joachim Löw

Joachim Löw macht sich mit seinen Entscheidungen nach wie vor von allen Seiten angreifbar. Natürlich sind diese Spiele auch dazu da, um taktische Dinge zu testen. Aber sich zweimal anzuschauen, dass die Dreierkette keine gute Option für diese Spieler ist, zweimal von den Spielern stumpfe Manndeckung zu verlangen, gibt dem Betrachter ein ungutes Gefühl. Hinzu kommt die diskutable Personalwahl. Julian Draxlers Stammplatz wirkt angesichts der aktuellen Form von Thomas Müller grotesk. Dass Löw einen Umbruch nach dem WM-Fiasko vollzieht, ist richtig. Aber dann müssen die Herausforderer auch irgendwann liefern.

Fußball-Nationalmannschaft: Der breiten Öffentlichkeit ist Arbeit auf dem Platz egal

Die Fehler in Sachen Außendarstellung beim DFB haben ja schon Tradition. Auch diesmal funktionierten die Kommunikationswege nicht. Dass es 48 Stunden braucht, ehe DFB-Direktor Oliver Bierhoff den umstrittenen Flug von Stuttgart nach Basel erläutert, kann nicht sein. Und dass der Bundestrainer in den Spiel-Pressekonferenzen Fragen zum Tatort, zum Toni Kroos-Film oder zum Beckenbauer-Geburtstag beantworten muss, zeigt auch, wie egal der Öffentlichkeit die eigentliche Arbeit auf dem Platz zu sein scheint.

Der Stellenwert der Nationalmannschaft wird auch durch den Fall Kai Havertz deutlich. Zwischen dem Europa-League-Ausscheiden mit Bayer Leverkusen und dem Treffen der DFB-Auswahl lagen 20 Tage. In diesen hätten die Transfer-Modalitäten inklusive Medizincheck entspannt abgewickelt werden können. Dass der 100-Millionen-Deal ausgerechnet in der Länderspielwoche über die Bühne geht, das Juwel deshalb nicht eingesetzt werden kann und letztlich abreist, unterstreicht die Prioritäten, die gesetzt werden.

Am 5. Oktober trifft sich die Nationalmannschaft wieder in Köln. Die Bayern-Stars werden dann dabei sein, vielleicht dürfen auch ein paar Zuschauer ins Stadion. Doch durch die Kritik am unsinnigen Spielplan mit drei Partien in sieben Tagen, hat Löw das nächste Alibi schon gezückt. „Im Oktober werden wir angreifen“, verspricht der Bundestrainer. Es wird ein harter Kampf, die Liebe der Fans zurück zu erobern.

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