„Das tut mir in der Seele weh“ Funkel kritisiert Uerdingen – und bietet seine Hilfe an

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Friedhelm Funkel (hier bei einem Auftritt im ZDF-Sportstudio im Februar 2020) sorgt sich um den KFC Uerdingen.

Krefeld – Für die Fans des KFC Uerdingen reiht sich derzeit eine Negativmeldung an die andere: das drohende Aus des Drittligisten, dann die Insolvenzanmeldung und schließlich die Stadionsperre in Düsseldorf. Die Anhänger reagierten mit einer umfangreichen Protestaktion vor der Grotenburg. Ihr Unmut richtet sich gegen den bisherigen Investor Mikhail Ponomarev (46) und den zweiten Vorsitzenden Nikolas Weinhart (38).

  • KFC Uerdingen droht das endgültige Aus
  • Fan-Protest gegen Ex-Investor Mikhail Ponomarev
  • Vereins-Ikone Friedhelm Funkel im großen Interview

Trainerlegende Friedhelm Funkel (67) erlebte mit Uerdingen erfolgreiche Jahre. Die Klub-Ikone holte als Spieler 1985 den DFB-Pokal, stieg als Trainer zweimal in die Bundesliga (1992 und ’94) auf. Funkel lebt nur zwei Kilometer vom Grotenburg-Stadion entfernt. EXPRESS sprach am Dienstag (26. Januar) mit ihm über den Niedergang des früheren Kult-Klubs.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung beim KFC?

Dass, was dort passiert, tut mir in der Seele weh. Das ist nur noch traurig. Ich habe 20 Jahre meines Lebens in dem Verein verbracht, zunächst als Spieler, dann als Trainer. Leider war die Entwicklung absehbar. Wenn du als Verein von einer Person abhängig bist, die nachweislich in anderen Vereinen wie der DEG oder dem KEV unglücklich agiert und Chaos hinterlassen hat, dann war dieses Ende nur eine Frage der Zeit.

Sie sprechen über Investor Mikhail Ponomarev.

Unter ihm hatte der Verein in den vergangenen Jahren kein gutes Geschäftsgebaren. Permanent hing man mit den Zahlungen hinterher, es fanden immer wieder Gerichtsprozesse statt. Dass die Betreiber des Düsseldorfer Stadions den KFC nun aussperren, ist nur die logische Konsequenz.

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Die Fans des KFC Uerdingen protestierten am Wochenende mit zahlreichen Plakaten an der Grotenburg gegen die Entwicklungen in ihrem Verein.

Lässt nicht auch die Stadt Krefeld den Verein im Stich?

Generell liegt der Krefelder Sport am Boden, das gilt ja auch für die Eishockey-Mannschaft. Der KFC hat seit drei Jahren keine Heimat mehr. Von Seiten der Stadt sehe ich auch kein gutes Miteinander. Beim Umbau der Grotenburg erkenne ich keinen Fortschritt, da wird nur sehr langsam gearbeitet. Ich könnte mir vorstellen, dass man die Saison in Wattenscheid zu Ende spielt.

Friedhelm Funkel: „Uerdingen braucht ein Wunder – aber an Wunder glaube ich nicht“

Und was passiert dann?

Dann bräuchte es schon ein Wunder, wenn es in Uerdingen weiter Drittliga-Fußball geben soll. Und an Wunder glaube ich nicht. Es ist schon  paradox: Jahrelang ist der Verein den falschen Weg gegangen, hat alte, satte und überteuerte Spieler geholt. Nun hat man eine junge, talentierte Mannschaft und einen guten Trainer, wird aber wohl keine Lizenz mehr bekommen, weil das Geld fehlt. Ich sehe nur die Chance zum Neuaufbau in der Oberliga.

Hat man seitens des Vereins Sie eigentlich schon mal um Rat gefragt?

Nein, ich war auch schon lange nicht mehr bei den Spielen, weil das ganze Konstrukt nichts mehr mit dem Verein zu tun hat, in dem ich aktiv war. Es bräuchte eine Ansammlung von Krefelder Geschäftsleuten, die den Verein komplett neu aufbauen – ohne einen Investor. Dann könnte ich mir vorstellen, da mitzuarbeiten. Aber vorerst befürchte ich, dass der KFC in der Versenkung verschwinden wird.

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