Jogi hat einfach die Sieg-Seuche Düsseldorfer versaut Löw den Sieg in Köln

Karaman-Jubel

Der eingewechselte Kenan Karaman (r.) jubelt nach seinem späten Ausgleich. Emre Can (l.) ist bedient.

Köln – Ein Düsseldorfer versaut Joachim Löw (60) den Sieg in Köln. Es soll einfach nicht mehr sein. Der Bundestrainer schafft keinen Sieg mehr mit der Nationalmannschaft. Nach 324 Tagen sah es gegen die Türkei lange gut aus, doch in der 94. Minute schlug Fortuna-Stürmer Kenan Karaman zum 3:3-Ausgleich zu.

Dreimal geführt, dreimal kein Sieg passiert. Löw war bedient: „Der Mannschaft einen Vorwurf zu machen, wäre falsch, sie hat ja so noch nie zusammengespielt. Aber das Problem besteht ja schon seit längerer Zeit. Und ist auch schon mit anderen Spielern passiert. Deswegen ist man erst mal enttäuscht und angefressen“, kommentierte der Bundestrainer.

Joachim Löw wechselt beim 3:3 gegen die Türkei defensiv

Löw muss sich allerdings auch wieder fragen lassen, ob seine Wechsel-Orgie in der Schlussphase zur Beruhigung des Geschehens beitrug. Wie schon gegen Spanien wechselte er arg defensiv, und der Gegner schlug eiskalt zu.

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Luca Waldschmidt (24), der inzwischen Benfica Lissabon auf Torejagd geht, hatte zuvor unter großer Mithilfe des Gäste-Keepers zum vermeintlichen Sieg getroffen. Mann des Abends war bis dahin aber Gladbachs Neuling Florian Neuhaus (23). Der legte ein echt irres Länderspiel-Debüt hin. Erst brachte er sein Team mit einem schönen Linksschuss zum 2:1 in Front, dann wurde er beim zwischenzeitlichen 2:2 von Efecan Karaca (30) einfach zu Boden gerempelt.

Neuhaus-Tor

Nationalmannschafts-Neuling Florian Neuhaus jubelt nach seinem Treffer zum 2:1.

Doch es wurde nichts mit der zweiten Party des Gladbachers nach dem Derbysieg im Kölner Stadion. „Wir haben die Türken eingeladen zum Toreschießen. Das war das Problem. Wenn du 2:1 führst, dann musst du einfach souveräner spielen. Das ist natürlich enttäuschend“, sagte DFB-Kapitän Julian Draxler (27). Wieder zog sich der rote Faden der vergangenen Spiele fort. Das deutsche Team bringt Führungen einfach nicht über die Runden.

„Ich denke, dass er gute Chancen hat, bei den nächsten Länderspielen mit dabei zu sein“, urteilte RTL-Experte Lukas Podolski (35) über Debütant Neuhaus. „Er läuft mich komplett um. In dem Fall hat der Schiri nicht gepfiffen, das ist natürlich bitter“, meinte Neuhaus selbst zur Szene vor dem 2:2. Zum abermals verspielten Vorsprung sagte der Gladbach-Youngster: „Das müssen wir analysieren und schleunigst besser machen.“

Dabei sah es phasenweise ganz ordentlich aus. 100-Millionen-Mann Kai Havertz (21) blieb fast die komplette erste Halbzeit unsichtbar. Doch dann drehte er mit zwei feinen Zuspielen auf. Erst leitete er nach Brandt-Zuspiel den Ball blitzschnell auf Torschütze Draxler weiter, dann setzte er Neuhaus per Doppelpass in Szene.

Die zwischenzeitlich ganz ordentliche Vorstellung konnte nicht unbedingt erwartet werden, denn Löw hatte im ersten der drei Länderspiele binnen sieben Tagen eher die zweite, wenn nicht dritte Garde seines Kaders aufs Feld geschickt. Mit Bernd Leno, Antonio Rüdiger und Julian Draxler begannen nur drei Spieler, die auch beim vergangenen Nations-League-Spiel in der Schweiz dabei waren.

Auffallend vor allem, dass mit Benjamin Henrichs, Antonio Rüdiger, Nico Schulz, Julian Brandt und Draxler die halbe Startelf aus Spielern bestand, die in ihren Vereinsmannschaften zur Reserve gehören. Länderspiele, um Spielpraxis zu sammeln. So ist angesichts der Termindichte und der diskutablen Nominierungs-Politik des Bundestrainers inzwischen die Lage.

Auch in Sachen taktischer Formation wählte Löw mit einem 3-4-2-1 erneut eine komplizierte Grundausrichtung. Der Bundestrainer will testen und Neues ausprobieren, dann kann im Ergebnis natürlich nicht alles klappen. Die Partie im nahezu menschenleeren Rhein-Energie-Stadion plätscherte dennoch phasenweise arg vor sich hin. Die zwei (!) türkischen Fans auf der Osttribüne waren die einzigen, die für etwas Fußball-Atmosphäre sorgten. Der Rest döste vor sich hin, und Löw wurde von den TV-Kameras wieder beim Popeln erwischt.

Dreimal in Führung gegangen, dreimal den Ausgleich kassiert. Das darf selbst einer bunt zusammengewürfelten Truppe nicht passieren.

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