Junge Garde überzeugt Löw entdeckt neue EM-Trümpfe im Sinnlos-Kick

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Luca Waldschmidt (M.) erzielte für das DFB-Team gegen Tschechien in der 13. Minute das Tor des Tages. Hier jubelt er mit seinen Teamkollegen.

Leipzig – Ein Feuerwerk war`s nicht gerade. Und ob jetzt der 1:0-Testspiel-Sieg gegen Tschechien dabei hilft, die „dunklen Wolken“ (O-Ton Bierhoff) zu vertreiben und die Nationalmannschaft wieder zum Fan-Magneten zu machen, darf bezweifelt werden.

Aus den Lautsprechern ertönte nach Abpfiff ein kurzes „Halleluja“. Es sollte wohl die Erleichterung der Azubis über den Sieg untermauern. Joachim Löw (60) machte mit seiner Mannschaft das beste aus der komplizierten Situation, mitten in dieser Termin-Hatz noch ein Freundschaftsspiel austragen zu müssen. Die Stars konnten sich ausruhen, dafür durften sich einige neue Trümpfe für die EM 2021 in Stellung bringen.

Karnevals-Töne vor dem Spiel in Leipzig

Ein Länderspiel am 11.11., dazu noch mitten im Teil-Lockdown, in einem komplett leeren Stadion in Leipzig. Es gibt kaum trostlosere Rahmenbedingungen. Aber immerhin hatte der Stadion-DJ ein Einsehen und spielte während der Aufwärmphase „Wolkeplatz“ von Miljö. Ein paar Karnevals-Töne in der sächsischen Kälte als Lichtblick.

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Luca Waldschmidt (M.) erzielte auf Vorlage von Debütant Philipp Max das 1:0 für das DFB-Team gegen Tschechien. Für den Profi von Benfica Lissabon war es der zweite Länderspieltreffer.

Der Bundestrainer hatte wie angekündigt die Partie zum großen Experimentierabend genutzt. Zehn Wechsel (nur Antonio Rüdiger blieb im Team) gegenüber dem Nations-League-3:3 gegen die Schweiz, alle drei Neulinge durften sich zeigen, taktisch war wieder die Dreier-/Fünfer-Kette die Abwehrformation. Sieben Spieler in der Startelf hatten weniger als fünf Länderspiele auf dem Buckel.

Joachim Löw bastelte eine absolute Not-Elf

Aber: Diese zusammengebastelte Truppe machte ihre Sache nicht schlecht. Und Löw behielt Recht, indem er sagte, dass auch solche Testspiele einen Sinn machen. Denn seit diesem Mittwoch habe sich drei Neulinge im Hinblick auf die EM nachhaltig empfohlen.

Gladbachs Florian Neuhaus (23) legte nach seiner starken Leistung aus dem Türkei-Test noch einen drauf, bot eine überragende Partie. Und mit Philipp Max (27) und Ridle Baku (22) feierten zwei vielversprechende Alternativen auf den Außenbahnen ihre Premiere. Wenn man die scharfen Max-Hereingaben sah, musste man sich schon fragen, warum Löw so lange an einem Nico Schulz festgehalten hat. Der Eindhoven-Profi ist so ein echter Gewinn fürs Team.

Allerdings wiederholte sich auch an diesem kalten Leipziger Abend ein altbekanntes deutsches Problem: die Chancenverwertung. Nur einmal zeigte sich die DFB-Elf eiskalt. Nach einem Neuhaus-Schuss konnte Gäste-Keeper Pavlenka nur abklatschen. Max brachte den Ball wieder scharf ins Zentrum, wo Luca Waldschmidt trocken zum 1:0 verwandelte (13.).

Julian Brandt und Nadiem Amiri vergaben dickste Chancen

Allerdings: Wie Julian Brandt in der 32. Minute eine Möglichkeit versemmelte, war einfach beschämend. Und Nadiem Amiri hätte bei seiner Doppel-Chance in der 43. Minute auf jeden Fall den Ball im Tor unterbringen müssen.

So blieb die Partie auch in der zweiten Halbzeit offen. Der Schwung im deutschen Spiel war weg, das Spiel plätscherte ereignislos dahin. Das „Lagerfeuer Nationalmannschaft“ (auch O-Ton Bierhoff) war nur noch eine kleine Flamme. Es schien, als würden die Gastgeber um den Ausgleich betteln. Lediglich der Lattenkracher von Florian Neuhaus war noch ein Hingucker. Ein Tor hätte der Gladbacher wirklich verdient gehabt.

Florian Neuhaus kritisiert Leistung nach der Pause

„Wichtig war heute der Sieg, wir haben zu null gespielt“, erklärte Neuhaus, der über die durchwachsene zweite Halbzeit der DFB-Elf allerdings selbstkritisch anmerkte: „Da haben wir es teilweise zu kompliziert gespielt und uns das Leben selbst ein bisschen schwer gemacht. Aber am Ende steht der Sieg, und darauf können wir aufbauen.“

Joachim Löw mit Sonderlob für Philipp Max

Ähnlich sah es der Bundestrainer: „Es ist so, dass wir in der Konstellation wahrscheinlich nicht mehr zusammenspielen. Trotzdem war es so, dass die Jungs sich reingehängt haben, von daher kann man zufrieden sein. In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht, aber in der zweiten hätten wir das 2:0 nachlegen müssen.“

Vor allem Neuling Philipp Max gefiel Löw: „Es freut mich sehr, dass er so gut reingekommen ist, auch, dass Waldschmidt getroffen hat. Ich denke, insgesamt kann man mit den Neuen zufrieden sein. In der ersten Halbzeit hatten wir mit Ilkay Gündogan mehr Spielqualität. Aber insgesamt war es engagiert von allen.“

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