Löw erklärt T-Shirt-Signal „Human Rights“-Aktion: FIFA und Katar reagieren

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Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft posierten am Donnerstag mit diesem Aufdruck für Menschenrechte.

Duisburg – „Endlich hat es wieder Spaß gemacht, ein Länderspiel zu schauen.“ So lautete nur eine von vielen Fan-Reaktionen im Netz nach dem 3:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Island. Die Nationalmannschaft überzeugte aber nicht nur während der 90 Spielminuten. Für den größten Gesprächsstoff sorgte die T-Shirt-Aktion vor dem Anpfiff.

  • T-Shirt-Aktion der Nationalmannschaft sorgt für Debatten
  • Joachim Löw erklärt Hintergrund der „Human Rights“-Kampagne
  • FIFA reagiert auf Protest durch den DFB

Bei der Aufstellung für die Hymnen trug jeder Nationalspieler in Duisburg am Donnerstagabend (25. März) ein schwarzes T-Shirt mit einem weißen Buchstaben - zusammen lautete die Botschaft: HUMAN RIGHTS (Menschenrechte). Ein klares Signal Richtung WM-Gastgeber Katar, dass bei Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International seit Jahren wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik steht.

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Joachim Löw (61) sieht diese Botschaft als Ausrufezeichen. „Absolut“, sagte der Bundestrainer: „Das sollte ein erstes Zeichen sein, dass wir für Menschenrechte, egal wo auf der Welt, einstehen, dass das unsere Werte sind. Von daher war es ein sehr, sehr gutes und ein wichtiges Zeichen.“ Angeregt habe er diese Aktion allerdings nicht. „Ich wusste davon. Die Spieler haben das selbst am Mittag noch größtenteils selber auf die Trikots gezeichnet und geschrieben“, berichtete Löw.

Joshua Kimmich: Wollen Aufmerksamkeit auf Missstände richten

„Wir als Nationalmannschaft haben die Kraft, Dinge anzusprechen. Wenn das eine oder andere hier auf der Erde nicht passt, hat man schon die Chance, mit dem Fußball die Aufmerksamkeit auf die Missstände zu richten. Das wollen wir im Hinblick auf die WM machen“, erläuterte Joshua Kimmich (26).

Sein Teamkollege sah es ähnlich. „Es ist ziemlich eindeutig gewesen. Wir haben in der Mannschaft darüber gesprochen. Wir haben natürlich die WM vor uns. Darüber wird immer wieder diskutiert. Wir möchten der Gesellschaft klar machen, dass wir das nicht ignorieren, sondern ganz klar machen, welche Bedingungen da herrschen müssen“, sagte Leon Goretzka (26): „Wir haben eine große Reichweite - und können die wunderbar nutzen, um Zeichen zu setzen für die Werte, für die wir stehen wollen.“

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Joachim Löw begrüßte das Zeichen seiner Mannschaft für die Einhaltung von Menschenrechten ausdrücklich.

Die T-Shirt-Aktion sorgte für heftige Debatten unter den 7,42 Millionen TV-Zuschauern. Von „Doppelmoral“ bis hin zu „starkes Statement“ reichten die Kommentare. Zudem kursierten im Netz hunderte Imitationen. Am Computer hatten Fans die Buchstaben auf den T-Shirts geändert und daraus Schriftzüge wie „Quarantäne!“, „Heuchlerei!“ oder sogar „Gisdol raus“ gebastelt.

Vor allem an der Tatsache, dass der FC Bayern jüngst noch zur Klub-WM nach Katar geflogen war, dort regelmäßig sein Trainingslager abhält und sogar seine Spieler wie Kimmich dazu nötigt, einen peinlichen Werbeclip für Quatar Airways zu drehen, sorgte für die Diskussionen.

Uli Hoeneß verteidigt Aktion der Nationalspieler

Bayern Münchens Ex-Präsident Uli Hoeneß (69) sagte in seiner Rolle als RTL-Experte: „Wir wollen ja die mündigen Spieler haben und es ist ja völlig berechtigt, so etwas zu machen. Wenn sie darauf hinweisen, dass es dort Probleme gibt, kann es auch dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen besser werden“.

FIFA reagiert auf politische Botschaften von Deutschland und Norwegen

Sanktionen des Weltverbands FIFA muss der DFB übrigens nicht befürchten. „Die FIFA glaubt an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, den positiven Wandel voranzutreiben“, teilte der Weltverband am Freitag mit. Es werde - wie auch bei einem Protest von Norwegens Nationalspielern am Vortag - kein disziplinarisches Verfahren eingeleitet. Die Äußerung von Botschaften zum Beispiel politischer Natur war im Weltfußball in den vergangenen Jahren immer wieder ein Streitthema gewesen.

Katar führt Mindestlohn für Arbeiter auf WM-Baustellen ein

Fast passend zu den aktuellen Protesten hat Katar nun einen finanziellen Mindeststandard für die ausländischen Arbeiter auf den WM-Baustellen geschaffen. Seit dem 20. März gilt ein Mindestlohngesetz, wonach die Gastarbeiter mit wenigstens 303 Euro im Monat entlohnt werden müssen. Den Arbeitern steht außerdem ein Mietzuschuss von 115 Euro zu. Die Mindestlohneinführung in Katar kommt über 400.000 Arbeitskräften und deren Familien zugute.

Am Mittwoch hatten auch die Norweger vor ihrem Spiel gegen Gibraltar T-Shirts mit der Aufschrift „Respect - On and off the pitch“ (Respekt - auf und neben dem Platz) getragen. Später hatten die Spieler bei der Nationalhymne ähnliche Shirts mit dem Schriftzug „Human rights - On and off the pitch“ (Menschenrechte - auf und neben dem Platz) an.

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