Fritzy Kromp ist die Analytikerin in der ansonsten männlich-emotionalen ZDF-Fußball-Expertenrunde. An der Seite von Christoph Kramer und Per Mertesacker begleitet die 41-jährige Trainerin der Frauenmannschaft von Werder Bremen die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Fußball-Expertin Friederike Kromp„Kommunikation und Psychologie sind definitiv das Schwierigste am Trainerjob“

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Friederike „Fritzy“ Kromp gilt als eine der am besten ausgebildeten Fußballtrainerinnen Deutschlands. Ab Donnerstag, 11. Juni, bildet die 41-Jährige mit Christoph Kramer und Per Mertesacker wieder das ebenso launige wie bewährte Fußball-Expertentrio im ZDF. (Bild: ZDF und NOI CREW)
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Friederike „Fritzy“ Kromp ist eine der am besten ausgebildeten Trainerinnen des deutschen Fußballs. Eine schwere Fußverletzung mit 18 Jahren beendete die aktive Karriere der Würzburgerin - doch sie blieb ihrer Leidenschaft treu: studierte Sportwissenschaften, erwarb Trainer-Lizenzen und startete eine beeindruckende Laufbahn als Trainerin. Beim DFB arbeitete sie sich von der Co-Trainerin zur Cheftrainerin der U17-Frauen hoch und gewann insgesamt vier Europameistertitel mit dem Nachwuchs. Im Sommer 2025 übernahm sie den SV Werder Bremen in der Frauen-Bundesliga und führte das Team auf Anhieb zur besten Platzierung der Vereinsgeschichte. Parallel dazu etablierte sich die 41-Jährige als ZDF-Expertin. Bei der WM 2026 analysiert sie ab der Eröffnung der Fußball-WM 2026 am Donnerstag, 11. Juni, ab 17.15 Uhr, die Spiele an der Seite von Per Mertesacker und Christoph Kramer. Mit ihrer direkten Art und ihrer Doppelrolle als aktive Bundesliga-Trainerin bringt „Fritzy“ Kromp eine einzigartige Perspektive ins Studio.
teleschau: Was ist der größte Unterschiede zwischen einem normalen Fußballfan und einer Expertin wie Ihnen, wenn man ein Spiel schaut?
Friederike Kromp: Ich würde sagen, es gibt drei unterschiedliche Perspektiven auf ein Spiel: die des interessierten Laien und Fans, die der - ehemaligen - Spielern und die der Trainerin. Auch die Perspektive eines Trainers unterscheidet sich von jener eines Spielers. Als Trainerin beschäftigt man sich permanent mit dem klassischen Dreiklang: Technik, Taktik, Mannschaftsführung. Der Hauptunterschied zum Laien ist, dass man als Trainerin oder Trainer Fußball nur noch analytisch schauen kann.
teleschau: Das klingt ja fast ein bisschen traurig. Also: einfach mal Fußball im Hintergrund laufen lassen und ein bisschen Spaß haben - das können Sie gar nicht?
Friederike Kromp: Nein (lacht), es ist tatsächlich schwer geworden. Ich schaue immer maximal interessiert. Und auch meist recht angestrengt, wenn ich ehrlich bin. Wenn ich entspannen will, mache ich lieber etwas anderes als Fußball. Was jetzt nicht heißt, dass ich unter dem Fußballschauen leide. Im Gegenteil, das ist ein wunderbarer Beruf, und ich liebe natürlich Fußball.
„Der Laie schaut und beurteilt oft Einzelaktionen“

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Frau mit analytischem Blick: Friederike (Fritzy) Kromp begleitet ab Donnerstag, 11. Juni, als Expertin die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada. (Bild: ZDF und Felix Schmitt)
teleschau: Machen Sie es doch mal konkret: Auf welche Dinge achtet die Expertin, wenn der Ball rollt?
Friederike Kromp: Der Laie schaut und beurteilt oft Einzelaktionen. Experten schauen immer ganzheitlich auf ein Spiel. Da will man dann schnell wissen: Was ist das für eine Grundordnung? Welche Herangehensweise hat diese Grundordnung? Welche Art von Pressing spielen sie? Und natürlich achte ich als Trainerin auch stark darauf, was die Trainer in welcher Situation verändern.
teleschau: Sie sitzen im ZDF-Expertenteam mit Per Mertesacker und Chris Kramer nicht in den USA, Kanada oder Mexiko, sondern im Studio in Deutschland. Ist es ein Problem, wenn man nicht das ganze Spielfeld sieht, sondern nur den Kameraausschnitt?
Friederike Kromp: Ja, das ist suboptimal. Es ist mittlerweile üblich, dass wir Experten die Spiele im sogenannten „Kino“ des ZDF auf deutschem Boden sehen. Das ist eigentlich nur ein Raum mit verschiedenen Bildschirmen. Es ist deshalb schwierig, weil der analytische Blick immer den Blick aufs gesamte Spielfeld verlangt. Zum Glück gibt es mittlerweile eine Kameraperspektive aus der Vogelperspektive, den „tactic view“. Da kann man am meisten erkennen. In normalen Kameraausschnitten sieht man meistens nur vier oder fünf Spieler. Um ein Spiel richtig zu lesen, müsstest du aber immer 20 Spieler oder 22 Spieler sehen. Ein Spiel vom Studio statt aus dem Stadion heraus zu beurteilen, bleibt immer ein bisschen oberflächlicher.
teleschau: Viele kritisieren diese WM für das XXL-Teilnehmerfeld von 48 Mannschaften. Werden wir viele schlechte, weil einseitige Spiele sehen?
Friederike Kromp: Ein so großes Teilnehmerfeld bedeutet automatisch, dass wir öfter mal ein Spiel sehen, das einseitiger und nicht ganz so hochklassisch ist. Das war bei der letzten WM schon so - und jetzt sind es noch mehr Teams. Von der letzten EM wurden wir ein bisschen verwöhnt, denn bei 24 Mannschaften gibt es diesen Effekt kaum.
„Es waren auf jeden Fall überflüssige Baustellen“

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ZDF-Expertin Fritzy Kromp ist kein Genussmensch des Fußballs: „Ich schaue immer maximal interessiert. Und auch meist recht angestrengt, wenn ich ehrlich bin.“ (Bild: ZDF und Svea Pietschmann)
teleschau: Sie waren selbst als Trainerin im Jugend-Bereich bei internationalen Turnieren dabei. Ist Fußball in Sachen Taktik komplett globalisiert, oder wurden Sie von exotischen Gegnern schon mal überrascht?
Friederike Kromp: Ich war öfter mal überrascht davon, was andere Trainer spielen ließen. Manchmal passiert es dir gerade bei den Exoten oder sogenannten kleinen Gegnern, dass man denkt: Ist das jetzt Chaos, oder steht da eine bestimmte Taktik dahinter? Für unser europäisches Verständnis ist dann in manchen Spielen überhaupt keine Linie drin. Und trotzdem möchte ich nicht so arrogant sein und behaupten: Es gibt keine Linie. Auch diese Trainer und Mannschaften werden sich etwas überlegt und vorgenommen haben. Es ist auf jeden Fall interessant, auf Länder zu treffen, von denen man in Sachen Fußball bislang vielleicht noch wenig hörte - weil die oft spannend sind. So etwas erlebst du eigentlich nur bei einer Weltmeisterschaft und dafür ist das erweiterte Teilnehmerfeld dann wieder gut.
teleschau: Was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft bei der WM?
Friederike Kromp: Ich finde es das diesmal recht schwierig zu beurteilen. Die Mannschaft hat schon ein paar Themen, sowohl spielerisch als auch in Sachen Nebengeräusche um das Team herum. Die Diskussionen um Manuel Neuer oder auch Denis Undav waren sicher nicht hilfreich, wenn es darum geht, Ruhe in die Nationalmannschaft hineinzubekommen. Man hat im Vorfeld mehr über solche Randthemen gesprochen als übers Spielerische. Ich bin gespannt, ob man das alles abschütteln kann - im Turnier. Es waren auf jeden Fall überflüssige Baustellen.
teleschau: Ist Ruhe immer das, was man anstrebt, weil es die beste Leistung auf den Rasen bringt?

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Schon als kleines Kind war sie fußballverrückt, musste ihre aktive Karriere als Spielerin jedoch nach einer schweren Fußverletzung mit gerade mal 18 Jahren beenden. Statt aufzugeben, wählte Fritzy Kromp den Weg auf die andere Seite der Linie: Nach dem Abitur erwarb sie erste Trainer-Lizenzen und studierte Sportwissenschaften. (Bild: ZDF und NOI CREW)
Friederike Kromp: Was einem Team auf jeden Fall hilft, ist Geschlossenheit. Wenn alle an einem Strang ziehen. Es steigert definitiv das Leistungsvermögen. Unruhe schadet ihm eher. Genauso hilfreich ist ein gutes Selbstbewusstsein. Hätte Bayern München das Champions League-Endspiel erreicht und gewonnen, hätte es auf jeden Fall einen positiven Impact auf die deutsche Elf gehabt. Man wäre mit deutlich breiterer Brust in die USA gereist. Auch das Verschieben der Kaderbekanntgabe im Mai sprach für mich dafür, dass man rund ums das Team ein wenig nervös ist.
„Spanien wird wieder der Maßstab für alle sein“
teleschau: Es hört sich eher danach an, als erwarten Sie ein eher schwieriges Turnier für die Deutschen. Werden wir uns wieder früh verabschieden?
Friederike Kromp: Nein, das wollte ich nicht sagen. Entscheidend ist, wie es spielerisch funktioniert und welche Dynamik die Mannschaft im Laufe des Turniers erfasst. Ich wollte nur sagen: Geschlossenheit ist ein Faktor. Da hat man in den Wochen und Monaten ein paar Fehler gemacht. Eigentlich wollen ja alle Deutschen, dass es für uns ein tolles Turnier wird. Wenn Mannschaft, DFB, Medien und Fans an einem Strang ziehen, stehen die Chancen für ein solch gutes Turnier eben am besten.
teleschau: Wie weit kommen die Deutschen denn nun?
Friederike Kromp: Ich glaube, wenn man es schafft, die Nebenkriegsschauplätze zu befrieden und sich voll auf die Aufgabe zu konzentrieren, ist schon viel möglich bei diesem Turnier.
teleschau: Liegt die komplexeste Aufgabe eines Trainers oder einer Trainerin in der Menschenführung?
Friederike Kromp: Ja, das würde ich sofort unterschreiben. Das „People Management“ ist die anspruchsvollste Aufgabe, weil wir Menschen komplexe Wesen sind. Durch die Größe der Gruppe und alle ihrer Binnenverhältnisse hat das Ganze zudem eine ordentliche Dynamik. Druck und Beobachtung durch die Öffentlichkeit kommen erschwerend hinzu. Kommunikation und Psychologie sind definitiv das Schwierigste am Trainerjob. Denn man braucht außer viel Wissen auch noch unglaublich viel Erfahrung und vor allem Gespür.
teleschau: Wagen Sie einen Tipp: Wer wird Weltmeister, und sehen Sie Geheimfavoriten, die ein Wörtchen mitsprechen werden?
Friederike Kromp: Ich glaube, Spanien wird wieder der Maßstab für alle sein. Und natürlich hat Frankreich einen irren Kader mit unfassbarer Qualität. Ich bin auch gespannt auf England unter Tuchel. Da scheint sich ein bisschen was verändert zu haben. Ich freue mich darauf, zu sehen, wie er das Team - mit natürlich ebenso unheimlich toller Qualität - einstellt. Ich glaube, dass die Engländer um den Titel mitspielen können, aber es wird natürlich schwer. Wenn man weg von Europa geht, ist natürlich immer Argentinien zu nennen. Dazu würde ich den Gastgeber USA und Mexiko nicht unterschätzen. Die Gastgeber können im Sport immer über sich hinauswachsen, wenn die Stimmung im Land sie trägt. (tsch)
