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Eklat um Nationalspieler: DFB-Star Gündogan erklärt das Treffen mit Erdogan

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Lächelnd überreicht Mesut Özil dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sein Arsenal-Trikot.

Foto:

Anadolu Agency/Getty Images

London -

Dieser Auftritt könnte noch Folgen haben.

Eine Woche vor dem Start ins WM-Trainingslager  haben die deutschen Nationalspieler Mesut Özil (29) und Ilkay Gündogan (27) den umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan (64) im Londoner Hotel „Four Seasons“ getroffen.

Lesen Sie hier: Sind das die ersten Hinweise auf Jogi Löws WM-Kader?

Erdogans Partei AKP veröffentlichte Fotos des Treffens, an dem auch der deutsch-türkische Profi Cenk Tosun (26) vom FC Everton teilnahm. Ein Treffen und eine Geste mit politischer Brisanz.

Gündogan: „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten“

Vor allem die Tatsache, dass der wie Özil in Gelsenkirchen geborene Gündogan auf sein Trikot mit der Nummer acht handschriftlich die Widmung „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“ geschrieben hat, stößt vielen sauer auf, auch wenn dieser eine doppelte Staatsbürgerschaft hat.

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Gündogan hatte eine persönliche Botschaft für Erdogan.

Foto:

Anadolu Agency/Getty Images

Schließlich ließ Erdogan in jüngerer Vergangenheit in der Türkei etliche Oppositionelle, Journalisten und Aktivisten, zum Teil ohne Angabe von Gründen, inhaftieren. 

Am 24. Juni lässt der Präsident vorgezogene Neuwahlen abhalten, in Deutschland ist ihm Wahlkampf untersagt. Doch nun lassen sich zwei prominente DFB-Stars für seine Interessen instrumentalisieren. 

Erdogan auf Stimmenfang

Ziel des Präsidenten ist es, seine Macht im Land zu zementieren. Dabei sollen ihm auch die Stimmen der in Deutschland lebenden Türken helfen.

Mesut Özil hatte Erdogan schon einmal während seiner Zeit als Profi bei Real Madrid getroffen. In einem Interview sagte er einst: „Ich habe sowohl Merkel als auch Erdogan schon treffen dürfen. Aber ich bin kein Politiker, sondern Sportler. Daher will ich mich dazu nicht einmischen.“

Gündogan wollte immer für Deutschland spielen

Gündogan hielt sich in der Vergangenheit mit politischen Äußerungen zurück. Er betonte nur, dass es für ihn nie eine Frage gewesen sei, für welches Land er sich fußballerisch entscheiden würde: „Es gab Anfragen aus der Türkei, aber es war immer mein Traum, für Deutschland zu spielen.“

Und dann schreibt der Ex-Dortmunder ausgerechnet von „meinem Präsidenten“...

So erklärt Gündogan sein Treffen mit Erdogan

Als die Spieler am Montag merkten, welche Lawine sie mit ihrem Treffen losgetreten hatten, ruderten sie zumindest etwas zurück.

Gündogan gab folgende Erklärung ab:

Zusammen mit Mesut, Cenk und weiteren Sportlern haben wir gestern Abend eine Veranstaltung einer türkischen Stiftung in London besucht.(...). Wir haben den türkischen Staatspräsidenten am Rande der Veranstaltung getroffen. Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet. Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger - für die Geste der Höflichkeit entschieden. Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen. Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst.

Schließlich sei „Fußall unser Leben und nicht die Politik“, heißt es abschließend.

Klar ist, dass diese private Aktion der Spieler DFB-intern nicht gerne gesehen wird. Schließlich steht das Team vor allem für Werte wie Freiheit, Toleranz und Fairplay. Außerdem ist die Türkei der einzige DFB-Konkurrent um die Ausrichtung der EM 2024, die im September vergeben wird.

Kritik von DFB-Präsident Reinhard Grindel

DFB-Präsident Reinhard Grindel (56): „Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden.“

Und weiter: „Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen.“

„Özil und Gündogan sollten Demokratie nachschlagen“

Auch der türkischstämmige Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir hat das Duo für ihr Treffen mit Erdogan hart kritisiert. „Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag. Es sitzt in Berlin, nicht in Ankara“, sagte der langjährige Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen. 

Er riet Özil und Gündogan, „noch einmal die Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nachzuschlagen“.

(msc)