Tränen, Drama, EmotionenWerder in Abstiegs-Starre – Bierdusche bei Bielefeld-PK

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Enttäuschung pur bei Werder Bremen: Nach dem Schlusspfiff und dem besiegelten Abstieg schlichen die Profis mit gesenkten Köpfen vom Platz.

von Anton Kostudis (kos)

Bremen/Stuttgart – Was für ein nervenaufreibendes Finale! Gleich drei Abstiegs-Endspiele standen am „Showdown-Samstag“ in der Bundesliga auf dem Plan – am Ende gab es bittere Tränen und Jubel der Erleichterung. Was für Emotionen!

  • Abstiegs-Showdown in der Bundesliga
  • 1. FC Köln in der Relegation, Werder Bremen steigt ab
  • Arminia Bielefeld rettet sich beim VfB Stuttgart

Der 1. FC Köln versuchte gegen Schalke alles, belohnte sich spät mit dem Siegtreffer – und darf in der Relegation um den Liga-Verbleib kämpfen. Große Trauer dagegen bei Werder Bremen: Die Norddeutschen verloren zeitgleich zu Hause 2:4 gegen Gladbach und müssen den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten. Riesiger Jubel derweil bei Arminia Bielefeld! Die Ostwestfalen verwandelten beim 2:0-Auswärtssieg in Stuttgart ihren Rettungs-Matchball.

Werder Bremen im Abstiegs-Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach

Im Bremer Weser-Stadion war die Spannung förmlich zu greifen: Und es sollte ein dramatischer Nachmittag für die Grün-Weißen werden. Er begann mit einem frühen Schock: Schon nach drei Minuten schob Lars Stindl (32) nach schöner Kombination der Gäste zur frühen Gladbacher Führung ein. Auf der Gegenseite verstolperte kurz darauf Davie Selke (26) die tausendprozentige Chance auf den Ausgleich (19.).

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Das sollte sich rächen: Kurz nach Wiederbeginn war Marcus Thuram (23) plötzlich auf und davon – und schob zum 2:0 für die Fohlen ein (52.). Dann der K.o-Schlag in der 58. Minute: Ramy Bensebaini (26) erhöhte per Kopfball-Bogenlampe auf 0:3 aus Sicht der Gastgeber. Florian Neuhaus (24) schenkte den völlig desolaten Norddeutschen sogar noch das 4:0 ein (67.). Die späten Tore von Milot Rashica (24, 81.) und Niclas Füllkrug (28, 83.) waren nur noch Ergebniskosmetik.

Dennoch hätte es fast für die Relegation gereicht. Doch weil Köln gegen Schalke in der Schlussphase doch noch der Siegtreffer gelang, stürzt Werder Bremen in die Zweitklassigkeit.

Der Bremer Kapitän Niklas Moisander (35) war der erste Absteiger, der sich nach dem Schlusspfiff stellte. Doch der Finne blickte nur leer in die Kamera, rang nach Worten – er fand sie zunächst nicht. Dann sagte er, sichtlich bewegt: „Das ist ein sehr, sehr trauriger Tag für die Fans, die Stadt, den Verein. Es tut uns so leid für die Fans, dass wir abgestiegen sind.“

„Ich hab’s versucht, wir haben versucht, noch mal eine Wende reinzukriegen. Aber das hat nicht funktioniert“, sagte Schaaf, der zum Abstieg sagte: „Das haut uns die Beine weg“.

Der schwer in die Kritik geratene Sportboss Frank Baumann (45) erklärte: „Für jeden, der hier arbeitet, der mit Werder mitfiebert, ist das natürlich eine brutale Enttäuschung.“ Angesprochen auf seine persönlich Zukunft meinte Baumann: „Ich bin natürlich brutal enttäuscht über diese Situation. Ich will die Schuld definitiv nicht woanders hinschieben. Ich habe die Gesamtverantwortung.“ Er sei aber niemand, der vor schwierigen Situationen weglaufe.

Arminia Bielefeld verwandelt Abstiegs-Matchball beim VfB Stuttgart

Auch für die Bielefelder Fans war es ein nervenaufreibender Nachmittag – mit dem erhofften Happy End! Das Team von Frank Kramer (49) verwandelte seinen Abstiegs-Matchball beim VfB Stuttgart, sicherte den Liga-Verbleib aus eigener Kraft.

Doch zunächst hatten die Ostwestfalen Glück, dass Vorarbeiter Roberto Massimo (20) beim vermeintlichen Stuttgarter 1:0 durch Sasa Kalajdzic (23) hauchzart im Abseits stand (34.).

In der zweiten Halbzeit dann die erlösenden Treffer: Erst verwandelte Kapitän Fabian Klos (33) in der 66. Minute einen Elfmeter zum 1:0. Zuvor war Masaya Okugawa (25) im Strafraum gefoult worden. Dann sorgte Ristu Doan (22) nach feinem Solo für das Bielefelder 2:0 – es sollte der letzte Treffer dieses Nachmittags bleiben.

Klos saß bereits nach seiner Auswechslung in der 88. Minuten weinend auf der Bank, sackte nach dem Schlusspfiff in sich zusammen. Er hatte keine Kraft zum Jubeln mehr, dafür kullerten die Tränen umso mehr. Klos später völlig gerührt: „Sehr, sehr lange Zeit waren wir Absteiger Nummer eins, und es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn du am Ende dann dein Ziel erreichst.“

Beim Rest des Teams kannte der Jubel keine Grenzen. Der Aufsteiger darf auch in der kommenden Saison im deutschen Oberhaus antreten!

Arminia Bielefeld: Bierdusche für Frank Kramer

Auch die Pressekonferenz nach dem Spiel verlief nicht so wie üblich. Plötzlich stürmten die Bielefelder Profis aufs Podium – und verpassten ihrem Coach eine kräftige Bierdusche!

„Ich bin unfassbar stolz, dass ich Teil dieser Gruppe sein darf“, sagte „Bier-Opfer“ Kramer, der ankündigte, „mit den Jungs jetzt mal so richtig ausgelassen zu feiern“.