„Das Elend muss ein Ende haben“ Matthäus fordert Rummenigge oder Völler beim DFB

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Am Ende: Von DFB-Präsident Fritz Keller (hier am 1. Mai beim Frühstück im Kongresshotel Potsdam) wird der Rücktritt erwartet.

Potsdam – Das Aus von Fritz Keller (64) als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Es werden bereits Nachfolger gehandelt, die den krisengeplagten Verband endlich runderneuern sollen.

  • DFB-Präsident Fritz Keller hatte mit einem Nazi-Vergleich für Aufsehen gesorgt
  • Auf einer außerordentlichen Konferenz wurde Keller nun das Vertrauen entzogen
  • Lothar Matthäus macht sich für Nachfolge-Kandidaten stark

Keller wurde im Skandal um seinen schlimmen Nazi-Vergleich am Sonntag (2. Mai) von den Chefs der Landes- und Regionalverbände während der Konferenz in Potsdam das Vertrauen entzogen, wie DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann (60) stellvertretend verkündete.

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Kellers verbale Entgleisung werde „auf das Schärfste verurteilt“. Sein Rücktritt erscheint unausweichlich. Gut einen Monat vor der Europameisterschaft auch im eigenen Land hat sich die Führungskrise im Deutschen Fußball-Bund noch einmal massiv verschärft.

DFB: Auch Friedrich Curtius wurde das Vertrauen entzogen

Im Dauer-Streit zwischen Keller und seinen Widersachern wurde dabei auch Generalsekretär Friedrich Curtius (45) das Vertrauen entzogen. „Wir haben es respektiert, dass die Herren Keller und Curtius sich nicht sofort und unmittelbar zu diesen Entscheidungen äußern möchten und um Bedenkzeit gebeten haben“, sagte Zimmermann.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (60) will seine früheren Teamkollegen Karl-Heinz Rummenigge (65) und Rudi Völler (61) an der DFB-Spitze sehen. „Es wird Zeit, dass der größte Fußballverband der Welt von jemanden angeführt hat, der aus dem Fußball kommt“, schrieb Matthäus bei Sky. „Und darum lautet mein großer Wunsch, dass Karl-Heinz Rummenigge oder Rudi Völler auf Keller folgen. Am liebsten wären mir beide. Rummenigge als Präsident und Völler als Vize.“

Lothar Matthäus: „Verband ist zum Schämen“

Nach Ansicht von Matthäus ist DFB-Präsident Fritz Keller „am Ende“. Aber nicht nur der. „Die komplette DFB-Spitze muss ausgetauscht werden. Präsident, Vize, Generalsekretär und alle, die zum aktuellen System dazugehören“, schrieb der 60-Jährige: „Das Bild, dass unser Verband seit Jahren, aber vor allem in der jüngsten Vergangenheit abgegeben hat, ist zum Schämen und gipfelt aktuell im Eklat um einen Nazi-Vergleich und die darauffolgende Posse.“

Auch Ex-DFL-Boss Seifert und Nadine Seifert werden gehandelt

Neben Lahm, Rummenigge und Völler wird auch der scheidende DFL-Chef Christian Seifert (51) als potenzieller Keller-Nachfolger gehandelt. Zudem gilt Ex-Nationalspielerin Nadine Keßler (33) als Anwärterin. Als Chefin für den Frauenfußball bei Europäischen Fußball-Union (UEFA) hat sie bereits Funktionserfahrung. Auch EM-Turnierdirektor Philipp Lahm (37) wird immer wieder bei den Debatten ums Amt genannt.

Rainer Koch und Stephan Osnabrügge bleiben vorerst im Amt

Die Entscheidung gegen Keller fiel mit 26 Ja-, neun Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen klar aus. Schatzmeister Stephan Osnabrügge (50) und Vizepräsident Rainer Koch (62), beide dem Anti-Keller-Lager zuzurechnen, sei hingegen in einer geheimen Abstimmung das Vertrauen ausgesprochen worden, sagte Zimmermann.

„Das Elend muss ein Ende haben. Wir haben uns lange genug schämen müssen“, kommentierte Matthäus den desolaten Zustand an der DFB-Spitze.

DFB: Rückendeckung für Schatzmeister Osnabrügge und Vizepräsident Koch

Der öffentliche Druck auf den DFB in seiner massiven Führungs- und Außendarstellungskrise war in den vergangenen Tagen massiv gestiegen. Keller war nach einem Nazi-Vergleich in einer Präsidiumssitzung in den vergangenen Tagen in Erklärungsnot geraten. Er hatte Koch als „Freisler“ bezeichnet und so mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus, verglichen. Keller hatte daraufhin Koch um Entschuldigung gebeten.

„Eine derartige Äußerung ist völlig inakzeptabel und macht uns fassungslos“, teilte der DFB als Ergebnis der Konferenz in Potsdam mit. „Die Regional- und Landesverbände des DFB stehen für eine demokratische, tolerante und vielfältige Gesellschaft. Die Äußerung des Präsidenten ist mit den Grundsätzen und Werten der Verbände nicht vereinbar.“

Am Rande des Meetings kam es zu einer Aussprache von Keller und Koch. Die Entschuldigung Kellers wurde allerdings von Koch weiterhin nicht akzeptiert. „Fritz Keller und ich haben uns in einem ausführlichen respektvollen Gespräch ausgetauscht, in dem er mir noch einmal seine Entschuldigung übermittelt hat“, wurde Koch vom DFB zitiert, „ich habe diese Entschuldigung entgegengenommen. Eine Bewertung des Sachverhalts überlasse ich den dafür zuständigen Gremien und möchte den Sachverhalt daher nicht weiter kommentieren.“ (msw/dpa)

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