Elfer-Ärger Warum Gladbach direkt an Last-Minute-Pleite in Köln 2018 dachte

Kai Havertz Jubel

Kai Havertz hatte am Samstag Grund zum Jubeln. Ihn gelangen zwei Tore im Borussia-Park.

Mönchengladbach – Sören Storks (33) schien sich nicht wohlzufühlen in seiner Haut.

Mehr als eine Minute nach seinem Elfmeterpfiff beim Stand von 1:1 zwischen Gladbach und Leverkusen war er rausgegangen an die Seitenlinie zum Monitor. Eine weitere Minute hatte er die Bilder der ungestümen Grätsche von Nico Elvedi (23) gegen Karim Bellarabi (30) studiert.

Yann Sommer pariert fast gegen Kai Havertz

Als Storks sich nach einer halben Ewigkeit wieder Richtung Rasen orientierte, nestelte er noch immer an seinem Headset und sprach mit dem Kölner Keller – um schließlich erneut auf den Punkt zu zeigen. Kai Havertz (20) trat an, Yann Sommer (31) war mit den Fingern dran, der Ball trotzdem drin. 1:2. Am Ende verlor Borussia den Rheinland-Kracher mit 1:3.

Das Dilemma der gesamten Szene fassten die Schiedsrichter-Experten von „Collinas Erben“ zusammen: „Regeltechnisch ist das natürlich ein Foul, aber nach einem ungeschriebenen Gesetz wird ein Foul nach einem Torschuss, bei dem der Ball am Tor vorbei geht, eher selten geahndet. Sprich: Völlig korrekte, aber eher unübliche Entscheidung.“

Erinnerungen an Jonas Hofmann in Köln wurden wach

Vor gut zwei Jahren hatten die Fohlen unter diesem „ungeschriebenen Gesetz“ noch mächtig gelitten. Im Derby gegen den 1. FC Köln war Jonas Hofmann (27) kurz vor Schluss beim Stand von 1:1 auf beinahe identische Weise wie Bellarabi abgeräumt worden.

Schiedsrichter Felix Zwayer (39) schaute sich die Szene damals wie Storks an der Seitelinie an – und gab Abstoß. In der Nachspielzeit kassierte Borussia noch das 1:2. 

„Diese Unterschiedlichkeit ärgert mich“, sagte Gladbach-Manager Max Eberl (46) am Sonntag dem „Kicker“. Eberl findet die Regel insgesamt „kompliziert und problematisch“: „Ein Spieler schließt freistehend ab, dann entsteht, sogar unabsichtlich, ein Kontakt – und das wird geahndet? Ich weiß nicht.“

Anfang März gegen Borussia Dortmund hatte Hofmann ebenfalls im Fokus gestanden. Damals räumte ihn Dan-Axel Zagadou (20) mit der Hüfte im Strafraum ab, nachdem ein Rückpass zu kurz geraten war. Dass Hofmann den Ball wohl nicht mehr vor dem Keeper erreicht hätte – laut Regelwerk irrelevant. Doch der Bodycheck blieb ungeahndet.

Hier lesen Sie mehr: Einzelkritik der Fohlen gegen Leverkusen

Ähnliche Konstellationen waren am Samstag beim Spiel zwischen der TSG Hoffenheim und dem SC Paderborn zu beobachten. Dort gab es keine Strafstöße, anders als zur gleichen Zeit in Gladbach. Dafür setzte Deniz Aytekin (41) in der Hinrunde im Berlin-Derby zwischen Union und Hertha in einer vergleichbaren Szene die Storks-Linie durch.

Ein ungeschriebenes Gesetz zum Leidwesen der Borussia

„Ich denke schon, dass man den Elfmeter geben kann. Man muss es aber nicht“, brachte Stefan Lainer (27) die Diskussion nach der Pleite gegen Leverkusen auf den Punkt. Schiri Storks hatte wahrscheinlich gar keine Chance, seinen regelkonformen Pfiff zurückzunehmen, nachdem er einmal ertönt war. Auf die Einhaltung ungeschriebener Gesetze zu pochen, zählt – zum Leidwesen der Fohlen – nicht zum Aufgabenbereich des Video-Assistenten.

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