Borussia-Coach über Tücken der Krise Rose macht seinen Spielern ein besonderes Angebot

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Trainer Marco Rose ist zuletzt viel zwischen Mönchengladbach und Leipzig gependelt, wo seine Familie lebt.

Mönchengladbach – Fast genau einen Monat war nichts zu hören und lesen gewesen von Marco Rose (43). Borussias Trainer hatte sich in der Corona-Krise auch in die mediale Isolation begeben, meldete sich lange selbst über die Kanäle des Klubs nicht zu Wort. 

Am Ostersonntag war er zugeschaltet in der „Sky“-Sendung Wontorra – Allein zu Hause und erzählte im Interview ausführlich, wie es ihm zuletzt ergangen ist und wie es läuft mit dem Trainingsbetrieb bei seinen Fohlen.

Marco Rose über…

… die Frage, ob ihm zwischendurch die Decke auf den Kopf gefallen sei:

„Ich denke, mir geht es wie allen Menschen. Es ist ein paar Tage mal ganz schön und spannend, daheim zu sein und Dinge zu machen, für die man normalerweise keine Zeit findet. Irgendwann fängt es dann an, wieder zu kribbeln. Wir Fußballer möchten dann gerne auf den Platz, das ist klar. Trotzdem haben wir alle die Zeichen der Zeit erkannt und müssen uns gedulden. Das gehört dazu.“

… das Pendeln zwischen Gladbach und Leipzig:

„Das ist kein Problem, weil ich eine tolle Familie habe und einen Verein, zu dem ich immer gerne hinfahre. Ich bin viel gependelt. Wir waren eine gewisse Zeit im Individualtraining, da war ich grundsätzlich in Leipzig, konnte also mal länger bei meiner Familie sein. Im Moment arbeiten wir vier Tage in der Woche mit den Jungs, über Ostern machen wir drei Tage frei. Dann bin ich in Leipzig.“

… seine Tagesroutine im Homeoffice:

„Wir waren in Kontakt, das Trainerteam und die Athletiktrainer haben telefoniert. Aber ich muss ehrlich zu geben: Ich bin jetzt kein Trainer, der sich 25 Fußballspiele angeguckt und sie von oben bis unten analysiert hat. Die Gesamtsituation beschäftigt einen natürlich auch. Am Anfang habe ich viel Fernsehen geschaut und das dann irgendwann reduziert, weil man natürlich nach Zuversicht sucht und versucht, Perspektiven zu finden. Das ist mit viel Medienkonsum auf der Strecke geblieben. Deshalb habe ich da eher weniger gemacht. Aber auch der Fußball hat bei mir eine untergeordnete Rolle gespielt. Wir haben keinen Tag X. Wir wissen nicht, wann wir uns auf was vorbereiten können. Deshalb ist es momentan echt eine Herausforderung.“

… den Kontakt zur Mannschaft:

„Wir sind alle Erwachsene. Als das Thema aufkam, hatten wir noch Sitzungen im größeren Rahmen. Dann sind wir ein paar Tage auseinandergegangen. In der Zeit telefonierst du mal mit dem einen oder anderen Spieler, der Co-Trainer ruft mal einen Spieler an. Wir haben auch einen gemeinschaftlichen Chatraum über eine App, um Infos auszutauschen. Aber wir haben uns auch mal ein paar Tage nicht gesehen.“

Gladbach: Profis können endlich wieder Rasen riechen

… das Wiedersehen am vergangenen Montag:

„Das ist schon schön. Wir haben uns alle drauf gefreut. Es war, wie wenn du aus dem Urlaub zurückkommst und die Vorbereitung losgeht, du die Jungs endlich wieder triffst. Aber es sind andere Voraussetzungen, wir hatten keinen Urlaub. Trotzdem waren wir in der Situation happy, uns wieder zu sehen. Es waren auch lange Tage für das Trainerteam, weil wir in Kleinstgruppen gearbeitet haben und sieben Stunden auf dem Platz standen. Aber es war schön und man hat bei den Jungs gemerkt, dass sie sich gefreut haben, den Rasen zu riechen, wieder am Ball zu sein und untereinander soziale Kontakte zu haben.“

… den Zustand des Teams:

„Solange waren wir nicht auseinander. Am Ende ist das ein Thema der Jungs, aber ich konnte alle identifizieren und hatte alle Namen noch im Kopf. Keiner hatte Übergewicht (lacht). Trotzdem geht es darum, dass jeder die Individualtrainings optimal genutzt hat, um nicht den Anschluss zu verlieren. Wir wissen nicht zu 100 Prozent, auf welchen Tag wir hinarbeiten. Deshalb geht es viel darum, die Jungs bei Laune zu halten und den Ball am Fuß zu haben.“

… Vorsichtsmaßnahmen beim Training:

„Wir haben noch ein Schreiben der DFL bekommen, in dem ein paar Dinge erörtert wurden. Wir halten uns natürlich daran. Das geht los mit getrennten Kabinen. Jetzt kam noch dazu, dass wir jegliche Verpflegung zum Takeaway anbieten, damit die Jungs nicht am Stadion essen. Wir haben eine App, in der die Jungs jeden Morgen zwei Fragen zu ihrem Gesundheitszustand beantworten. Sollte da etwas aufkommen, würde sich der Doktor direkt einschalten.“

Marco Rose bietet an: Spieler könnten zu Hause bleiben

… ein besonderes Angebot an die Spieler:

„Es gibt von uns als Borussia die klare Ansage: Wenn sich jemand mit der Situation nicht identifizieren kann und sich nicht wohlfühlt, weil er möglicherweise kleine Kinder hat, dann ist es für uns kein Problem, wenn jemand zu Hause bleibt. Dann bekommen sie ihren Trainingsplan und können das zu Hause absolvieren. Es ist fast schon freiwillig, hierher zu kommen. Trotzdem nehmen es bis jetzt alle wahr.“

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… Inhalte des Kleingruppen-Trainings:

„Jeder Trainer macht sich da seine Gedanken. Du kannst natürlich positionsspezifisch arbeiten, also Spieler aus ähnlichen Mannschaftsteilen auf den Platz bringen. Das ist so unser Ansatz. Ich weiß aber auch, dass zwei Spieler von gleichen Positionen in einem Quarantänefall raus wären. Das könnte irgendwann zum Thema werden. Uns geht es schon darum, Inhalte abzubilden, aber in erster Linie, die Jungs körperlich auf einem guten Niveau und bei Laune zu halten. Wir arbeiten in Passformen, üben die Spieleröffnung der Innenverteidiger, Stürmer machen Abschlüsse. Das gehört alles dazu.“

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