„Ich stech dich ab“ Horn, Zieler, Kroos & Co.: Fußball-Stars gehen gegen Netz-Hass vor

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Der Hass im Netz führt von Beleidigungen bis zu Morddrohungen wie hier bei Timo Horn.

Köln – Beleidigungen. Hasskommentare. Sogar Morddrohungen gehören für Menschen in der Öffentlichkeit häufig zur Tagesordnung. Um ein Zeichen gegen den Hass im Netz zu setzen, veröffentlichten Fußball-Stars wie Toni Kroos (31), Dayot Upamecano (22), Niklas Süle (25), die Kölner Timo Horn (27) und Ron-Robert Zieler (32) und der Ex-Kölner Mark Uth (29) gemeinsam mit vielen Kollegen vereinsübergreifend mit ihrer Agentur Sports 360 am Donnerstagmittag (25. Februar) Videos, in denen sie solche Kommentare vorlesen.

  • Fußball-Stars lesen Hasskommentare aus dem Netz vor
  • An der Aktion beteiligen sich unter anderem: Toni Kroos, Mark Uth, Dayot Upamecano, Niklas Süle und die Kölner Timo Horn und Ron-Robert Zieler
  • Zwei Millionen Kinder und Jugendliche sind von Cybermobbing betroffen

In einem emotionalen Video lesen die Stars ihre schlimmsten Hass-Nachrichten selber vor. „Was sich einige Menschen hinter anonymen Profilen erlauben, ist weit unter der Gürtellinie, manchmal sogar im strafrechtlichen Bereich“, erzählt Toni Kroos. Im Video liest Kroos einen Kommentar vor, in dem ihm jemand den Tod in der Hölle wünscht. Er selbst mache sich nichts aus solchen Kommentaren, kenne aber Leute, die so etwas mitnimmt.

Gemeinsame Aktion als Zeichen gegen Cybermobbing

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Mit der gemeinsamen Aktion wollen die Spieler ein Zeichen gegen Cybermobbing setzen. Eine Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse ergab 2020, dass die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 21 Jahren seit 2017 um 36 Prozent gestiegen ist – insgesamt sind etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche von Cybermobbing betroffen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Lage noch verschlimmert.

Der Spielerberater Volker Struth (54) hatte die Idee für die Aktion. „Das Thema Cybermobbing ist zu einem gravierenden Problem unserer heutigen Gesellschaft geworden. Und es kann jeden treffen, ganz gleich aus welcher Gesellschaftsschicht er kommt, ob er arm oder reich ist, jung oder alt, männlich oder weiblich“, erklärt er die Beweggründe des Videos.

Auch seine Spieler machen regelmäßig Erfahrungen mit Anfeindungen im Internet. „Und wenn sie ihre Profile löschen, gehen die Hetzer ihre Familien an. Der Hass kennt keine Grenzen“, so Struth weiter. Dass auch seine Familie bedroht wird, musste FC-Keeper Ron-Robert Zieler erfahren. „Wir wissen, wo ihr wohnt…eure Kids zur Kita gehen…“, lautet einer der Kommentare, die Zieler vorliest. Eine andere Nachricht nimmt Bezug auf den Suizid des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke: „Mach den Enke und wirf dich vorn Zug“, heißt es darin.

Mark Uth wurde im Netz eine so schwere Verletzung gewünscht, dass daraus das Karriereende resultiert. Bei Zielers Torwart-Teamkollege Timo Horn ging der Hass einen Schritt weiter: „Ich stech dich ab!!!“, lautete ein Kommentar.

Ron-Robert Zieler: „Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt“

Auch Zieler habe gelernt, solche Dinge an sich abprallen zu lassen. „Und trotzdem: Diesen Hass noch einmal bewusst vorzulesen, war eine Überwindung für mich.“ Er hoffe, mit der Aktion für dieses Thema sensibilisieren zu können. „Denn eines ist klar: Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt.“

Nationalspieler Toni Kroos fordert eine strukturelle Veränderung: „Social-Media-Verantwortliche müssen einen Weg finden, die Anonymität abzuschaffen. Jeder, der ein Profil hat, sollte sein Gesicht zeigen und es sollte erkennbar sein, wer sich dahinter verbirgt. Anonym zu pöbeln sollte nicht mehr möglich sein. Und wer Hass säht, muss bestraft werden. Meinung ist okay, aber Hass ist keine Meinung.“

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