FC-Vorstand meldet sich nach Nizza-Skandal „Punkt erreicht, an dem wir so nicht weitermachen können“

FC-Präsident Werner Wolf im Interview am Geißbockheim.

FC-Präsident Werner Wolf im November 2020 im EXPRESS.de-Interview.

Der Vorstand des 1. FC Köln hat sich nach der Skandal-Nacht von Nizza an seine Mitglieder gewandt und unter anderem harte Konsequenzen angekündigt. Aber auch zu einer Debatte aufgerufen.

Diese Nacht wird noch lange ihre Schatten werfen. Der Conference-League-Auftakt des 1. FC Köln am Donnerstag (8. September 2022) beim OGC Nizza war von schweren Krawallen im Vorfeld der Partie geprägt.

Vier Tage nach den Ausschreitungen hat sich der Vorstand des 1. FC Köln mit einem Statement an seine Mitglieder gewandt. Angefangen mit den Worten, dass der FC „schweren Schaden erlitten“ habe.

FC-Vorstand zu Nizza-Skandal: „Dafür gibt es überhaupt keine Entschuldigung“

Präsident Werner Wolf (66) und seine Vize-Präsidenten Eckhard Sauren (50) und Carsten Wettich (42) schreiben weiter: „Gewalttäter in den Farben unseres Vereins haben in Nizza den Fokus auf sich gezogen und einen Tag voller Hoffnungen, Vorfreude und Zusammenhalt mit ihren Aktionen zerstört. Sie haben mit ihren Übergriffen Menschen verletzt, Menschen eingeschüchtert und bei vielen, die diesen Tag mit Freunden und Familie verbringen wollten, Ängste ausgelöst. Was wir auf den Tribünen gesehen haben, waren keine Selbstverteidigungsmaßnahmen, sondern Aktionen – teilweise mit entfesselter Gewalt. Dafür gibt es überhaupt keine Entschuldigung.“

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Durch das Banner der Wilden Horde am Sonntag (11. September) beim 0:1 gegen Union Berlin, „das viele als Solidarisierung mit den Gewalttätern interpretieren“, sei das Gefühl der Fassungslosigkeit noch verstärkt worden. Diese ziehe den Wunsch nach Konsequenzen nach sich.

Diese würden neben „der Identifikation und Bestrafung der Täter grundlegend dazu beitragen, dass so etwas auf unseren Tribünen nicht mehr passieren kann. Konsequenzen, die sicherstellen, dass niemand Angst haben muss, ins Stadion zu gehen – nicht in Köln und auch nicht bei Auswärtsfahrten.“

1. FC Köln: Vorstand will unter anderem mit Stadionverboten reagieren

Der Klub werde laut Vorstand mit aller Konsequenz gegen die Gewalttäter vorgehen und alles dafür tun, sie aus dem Stadion zu verbannen – mit strafrechtlichen Konsequenzen und Stadionverboten.

„Unsere Aktivitäten dazu sind noch in der Nacht von Nizza angelaufen. In den kommenden Tagen wollen wir uns gemeinsam mit unserem Geschäftsführer Christian Keller mit dem Kölner Polizeipräsidenten Falk Schnabel, um das weitere Vorgehen abzustimmen“, heißt es vom Vorstand weiter, der auch noch einmal auf das anonyme Hinweisportal der Polizei verweist.

Mit den Stadionverboten werde man laut Vorstand aber nur einen kleinen Teil lösen: „Viel wichtiger ist es, eine Debatte darüber zu führen, wie wir mit den Gewalttätern umgehen, die wir nicht identifizieren können. Sie werden auch künftig unter uns in der Kurve stehen und weiterhin die Werte des FC mit Füßen treten, zu denen neben Fairness auch der Gewaltverzicht zählt. Sie lassen keinen Dialog zu. Sie lassen sich nicht identifizieren, sie schützen sich in der Masse. Diesen Schutz finden sie durch eine Mischung aus Tolerierung, Gleichgültigkeit, aber auch Angst der FC-Fans um sie herum.“

FC-Vorstand: „Es ist ein Punkt erreicht, an dem wir so nicht weitermachen können“

Auch deshalb rufen Werner Wolf und Co. zu gemeinsamer Haltung auf, öffentlichen Druck und das Mitwirken der FC-Mitglieder und der Fanszene. Aber auch die Unterstützung der Politik und der Polizei brauche es dafür. „Alle anderen Antworten sind zu einfach, nicht ehrlich und führen nicht zum Ziel.“

Auch bei der Mitgliederversammlung am 20. September werde der Debatte Raum gegeben: „Es ist ein Punkt erreicht, an dem wir so nicht weitermachen können.“

Der Vorstand weiter: „Wir wollten den Sport und die Gemeinschaft, den FC in Europa feiern, aber es kam leider anders. Viele FC-Fans haben in Nizza große Ängste ausgestanden. Wir haben von vielen gehört, dass sie sich den Bedrohungen schutzlos ausgeliefert fühlten. Auf dem Weg zum Stadion, als sie von Vermummten angegriffen wurden. Oder auf der Tribüne, als sie einen Sturm des Gästeblocks fürchteten.“

Solche Gewalttaten wie in der Skandal-Nacht von Nizza werde man in Zukunft nur gemeinsam verhindern können, beendet der FC-Vorstand sein Statement. (tsc)

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