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„Sein Weg war klar besprochen“U19-Coach Ruthenbeck über FC-Talente und Wirtz-Abgang

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Coach Stefan Ruthenbeck will mit den Talenten des 1. FC Köln in der neuen Saison der U19-Bundesliga wieder oben dabei sein.

von Martin Zenge (mze)

Köln – Erst die deutsche U17-Meisterschaft, dann die Talente-Flut bei den Profis – die Nachwuchsarbeit des 1. FC Köln zählt zu den besten Deutschlands.

Bei ihm machen die FC-Juwele ihre letzten Schritte, bevor es in den Männerbereich geht: Stefan Ruthenbeck ist seit 2017 Kölns U19-Trainer, war zwischenzeitlich selbst Profi-Coach (Dezember 2017 bis Juni 2018). Der Talente-Experte im EXPRESS-Interview.

Stefan Ruthenbeck spricht im großen EXPRESS-Interview

Stefan Ruthenbeck, das letzte U19-Spiel liegt mittlerweile fast fünf Monate zurück. Sind Sie froh, dass es im September endlich wieder losgeht?

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Definitiv. Mit dem Saisonstart haben wir wieder Spiele vor Augen, auf die wir hin trainieren können. Das tut den Jungs gut, und auch uns Trainern. Alle sind heiß darauf, wieder um etwas zu spielen.

Mit dem Saisonabbruch im März wurde Ihnen als Tabellenführer die Chance auf die Meisterschaft genommen...

Wir hatten keinen richtigen Abschluss, das macht einen schon traurig. Da geht es mir gar nicht darum, ob wir Meister geworden wären oder nicht. Da muss man auch Realist sein – ich wage zu bezweifeln, dass wir der Favorit auf den Titel gewesen wären. Aber der Abschluss fehlt eben. Was ich extrem positiv fand: Die Profiabteilung hat mit Robert Voloder und Tim Lemperle zwei Jungs direkt mitgenommen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Insgesamt haben vergangene Saison fünf Eigengewächse bei den Profis debütiert – eine Wahnsinnsquote.

Wenn man sieht, wie sich Jan Thielmann und Noah Katterbach, die beide noch U19 hätten spielen können, durchgesetzt und verkauft haben, macht einen das viel stolzer als ein Titel – ohne solche Erfolge zu schmälern. Dass unsere U17 vor einem Jahr die Meisterschaft geholt hat, war auch extrem wichtig für den Verein, um zu zeigen, wie gut beim 1. FC Köln gearbeitet wird.

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In den vorherigen Jahren schaffte es kaum ein Talent aus den eigenen Reihen zu den Profis. Wie kam es jetzt zu dieser Flut?

Das ist eine Summe mehrerer Teile. Wir haben gerade Jahrgänge, die das nötige Potenzial haben, dazu wird im Nachwuchsbereich aktuell gut gearbeitet. Und mit Markus Gisdol haben wir einen mutigen Profi-Trainer, der die Jungs reinhaut. Aber: Das kann man nur machen, wenn die Spieler gut genug sind. Ich habe es als Profi-Trainer selbst erlebt: Es wird oft nach Talenten geschrien – aber sie müssen auch da sein. Das ist nicht jede Saison so.

Kann der FC seinen Weg, auf eigene Talente zu setzen, in den nächsten Jahren fortsetzen?

Davon bin ich überzeugt. Und deswegen sprechen wir auch so offensiv an, dass wir in Sachen Infrastruktur etwas verändern müssen. Dass man im Winter mit drei Mannschaften auf einem Trainingsplatz steht, darf nicht sein. Damit ist man irgendwann nicht mehr konkurrenzfähig. Die Infrastruktur ist für Transfers im Nachwuchsbereich elementar. Aktuell können wir damit werben, dass wir so erfolgreich sind und viele Jungs bei den Profis unterbringen. Aber darauf allein können wir uns nicht verlassen.

Haben Sie ein Ziel, wie viele Ihrer Jungs es in der neuen Saison zu den Profis schaffen sollen?

Um Gottes Willen, nein. Wenn wir den einen oder anderen oben anbringen, ist das natürlich super. Aber jedes Jahr fünf Spieler an die Profis heranzuführen, geht nicht, so realistisch sind wir im Verein. Dennoch haben wir noch viele spannende Jungs in unseren Reihen, die wir entwickeln wollen.

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Wie sehen als amtierender Westdeutscher Meister die Ziele in der U19-Bundesliga aus?

Das höre ich immer wieder, wie toll und gut wir sind. Aber man muss aufpassen mit der Erwartungshaltung an die Jungs. Wir haben eine sehr junge Mannschaft mit 16 Spielern aus dem 2003er-Jahrgang. Fakt ist, dass wir wieder oben mitspielen wollen, aber das ist keinesfalls selbstverständlich. Wir haben schon einige Unterschiedsspieler nach oben abgegeben, die theoretisch noch bei uns spielen könnten, wie Jan und Tim oder Florian Wirtz, der unserer U17 im Meisterjahr und auch noch vergangene Saison seinen Stempel aufgedrückt hat.

Viele Ihrer 2003er Jungs haben lange mit Wirtz zusammengespielt. Bringt es Extra-Motivation, dass einer aus ihren Reihen bereits Bundesliga und wohl bald auch Europa League spielt?

Auf jeden Fall! Und jetzt wird es spannend, diese Rolle neu zu besetzen. Der eine oder andere Spieler könnte schneller den nächsten Schritt machen.

In der U17 spielt mit Justin Diehl jemand, dem viele Beobachter eine ähnlich steile Entwicklung zutrauen. Könnte er im Laufe der Saison schon zur U19 aufrücken?

Wir wissen alle um Justins Qualität, das ist ein super Junge. Aber wir dürfen ihn nicht verheizen. Justin wird erst im November 16 Jahre alt – wir müssen ihn behutsam aufbauen.

War der FC bei Florian Wirtz in dieser Hinsicht zu vorsichtig?

Wir haben mit Florian und seiner Familie ganz offen gesprochen – und sie haben sich völlig mitgenommen gefühlt. Sein Weg war klar besprochen.

Die neue U19-Saison wird ohne Rückrunde gespielt. Richtig so?

Da wir im DFB-Pokal spielen, die Chance auf die Youth League haben und in den U-Nationalmannschaften vertreten sind, wartet trotzdem ein ordentliches Programm auf die Jungs. Aus DFB-Sicht muss man aber aufpassen, dass man nicht alles den Nationalmannschaften unterstellt. Es gibt genügend Spieler, die nicht nominiert werden und trotzdem den Weg in den Profibereich schaffen. Für diejenigen sind 17 Saison-Spiele schon ein bisschen wenig.

Die Youth League ist die Königsklasse der Nachwuchsteams – ein riesiger Anreiz?

Aber klar! Europäisch zu spielen und sich mit Top-Mannschaften zu messen, wäre eine riesige Sache. Das wäre für den gesamten Klub toll, auf dieser Ebene mal stattzufinden, und würde in die Geschichte unserer Nachwuchsabteilung eingehen. Wir hoffen, dass wir uns Anfang September mit Bremen sportlich um die Teilnahme duellieren dürfen.

Zu Ihnen persönlich: Ihr Vertrag läuft bis 2022. Sehen Sie Ihre Zukunft langfristig im Nachwuchsbereich?

Mir macht es mit meinen Trainerkollegen, den Chefs im NLZ und den Verantwortlichen im Profibereich unheimlich viel Spaß, ich habe riesigen Bock auf diese Aufgabe. Aber natürlich kann man nie wissen, was die Zukunft bringt. Das merkt man gerade in dieser Corona-Zeit, es ist schwer abzusehen, wie die Gegebenheiten in den nächsten Jahren aussehen – jeder weiß, dass wir uns weiterentwickeln müssen. Und der FC muss natürlich auch mit meiner Arbeit zufrieden sein. Derzeit fühle ich mich jedenfalls sehr wohl hier und habe deswegen auch schon dem einen oder anderen Profi-Klub abgesagt.