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„War sauer auf mich selbst“ FC-Star Bornauw über Bank-Frust, Belgien-Kritik & BVB-Coup

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Sebastiaan Bornauw (vorne) bereitet sich mit dem 1. FC Köln auf den VfL Wolfsburg vor.

Köln – Vom Bankdrücker zum Haaland-Stopper!

Sebastiaan Bornauw (21) hat sich gegen Borussia Dortmund eindrucksvoll in der FC-Startelf zurückgemeldet. Im EXPRESS-Interview spricht Kölns Abwehr-Star exklusiv über den Sensationssieg beim BVB, seine Reservistenrolle gegen Union Berlin und die harte Kritik in seiner Heimat.

Sebastiaan Bornauw im EXPRESS-Interview

Sebastiaan Bornauw, wie fühlt es sich an, wenn man nach fast neun Monaten endlich wieder einen Sieg in der Bundesliga feiern kann?

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Nach dem Schlusspfiff in Dortmund war ich einfach glücklich – sehr glücklich. Es war Zeit, wieder ein Spiel zu gewinnen. Und gegen so einen Gegner schmeckt ein Sieg natürlich noch besser. Ich glaube, wir hatten in vielen Spielen zuvor auch ein bisschen Pech, haben gut gespielt, aber nicht gewonnen. Die Leistung gegen Dortmund war noch besser.

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Endstation! Sebastiaan Bornauw (r.) stoppte am vergangenen Samstag beim 2:1-Erfolg des 1. FC Köln bei Borussia Dortmund BVB-Star Erling Haaland.

Vorher sprachen alle über Erling Haaland. Verraten Sie uns, wie Sie ihn aufhalten konnten?

Alleine kann man ihn nicht stoppen, wir sind als Mannschaft gut aufgetreten – und nicht nur gegen Haaland. Als ich vor Anpfiff gesehen habe, dass er spielt, war ich froh, ich wollte unbedingt gegen ihn spielen. Ich liebe solche Herausforderungen.

War das Ihr bislang bestes Saisonspiel?

Wenn Haaland kein Tor macht, war es nicht so schlecht (lacht). Aber ich würde nicht unbedingt sagen, dass es mein bestes Spiel war. Sagen wir so: Ich war zufrieden, doch ich glaube, dass ich noch mehr kann.

Aber nach den vergangenen harten Wochen mit dem Hand-Elfmeter in Bremen, den Problemen bei der Nationalmannschaft und der Zuschauerrolle gegen Union Berlin muss diese Leistung doch Balsam für Ihre Seele gewesen sein?

Gutgetan hat das Spiel auf jeden Fall. Vor allem die Zeit bei der Nationalmannschaft war schwierig. Selbstvertrauen hatte ich trotzdem immer. Ich weiß, was ich kann, und dass die Leistung zurückkommt. Das wollte ich direkt gegen Dortmund beweisen. Mir war bewusst, was für ein großes Spiel das ist, und dass ich zeigen kann, was ich draufhabe. 

Waren Sie sauer, dass Sie gegen Union nur auf der Bank saßen?

Ich bin immer sauer, wenn ich auf der Bank sitze. Wer gerne auf der Bank sitzt, ist für mich kein Fußballspieler. Ich war vor allem sauer auf mich selbst, und habe mir gedacht: Okay, dann muss ich einfach noch mehr zeigen. Ich habe in der Trainingswoche alles versucht, und der Trainer hat mir wieder eine Chance gegeben.

Hat Ihnen die Pause vielleicht sogar gutgetan?

Nein! (lacht) Auch das sagt man als Fußballer nicht. Aber es war eine zusätzliche Motivation. Wenn man einen Rückschlag erlebt, muss man wieder aufstehen.

Zuvor waren Sie zum zweiten Mal für die belgische A-Nationalmannschaft nominiert und sind nach einem Fehler hart kritisiert worden. Haben Sie diese Enttäuschung mit nach Köln genommen?

Es war schwer für mich, das Thema abzuhaken. Für die A-Nationalmannschaft zu spielen, war ein großer Moment für mich – den ich viel besser machen wollte. Und dann passiert so ein Fehler wie gegen die Schweiz. Ich glaube, das ist für einen jungen Spieler, der erst sein zweites Länderspiel macht, schwieriger zu verarbeiten als für jemanden, der schon 20- oder 30-mal gezeigt hat, was er kann.

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Sebastiaan Bornauw war nach Belgiens Länderspiel gegen die Schweiz am 11. November bedient.

Die Kommentare in den sozialen Netzwerken und belgischen Medien waren heftig – beschäftigt Sie so etwas?

Nein. Es hat mich persönlich geärgert, weil ich weiß, dass ich es besser kann. Ich weiß nicht, warum ich das bei der Nationalmannschaft noch nicht zeigen konnte – aber ich will es unbedingt tun. Mein Nationaltrainer hat mir gesagt, dass ich einfach so wie in Köln spielen soll.

Haben Sie Angst, jetzt erst mal nicht mehr nominiert zu werden?

Das kann ich nicht einschätzen. Wenn es so wäre, akzeptiere ich das. Wenn doch, dann werde ich zeigen, dass ich es besser kann. Natürlich weiß ich, dass wir viele sehr gute Spieler in Belgien haben und die Auswahl groß ist. Für einen jungen Spieler wie mich war es auch deshalb schon eine Top-Erfahrung, dabei zu sein. Wenn man im Training gegen Romelu Lukaku (Inter Mailand, d. Red.) spielt, ist das ein Traum.

Nach Ihrer Rückkehr von der Nationalmannschaft hat Markus Gisdol gesagt, dass Sie jetzt wieder bei Ihrer Familie sind. Fühlt sich der FC für Sie so an?

Ja, das fühle ich definitiv so. Ich bin hier sehr gerne. Ich weiß gar nicht exakt warum, aber ich fühle mich in der Stadt und im Verein einfach richtig wohl. Überhaupt war meine Familie in diesen Tagen sehr wichtig für mich. Als ich mitten in der Nacht von der Nationalmannschaft nach Hause gekommen bin, hat meine Freundin auf mich gewartet. Es ist viel besser, zu Hause zu sein und nicht alleine in einem Hotelzimmer zu sitzen und nachzudenken.

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Sebastiaan Bornauw im Gespräch mit EXPRESS-Reporter Martin Zenge

Beim FC sind Sie als Mitglied des Mannschaftsrats mittlerweile auch ganz offiziell ein Führungsspieler. Gefällt Ihnen diese Rolle?

Es ist eine Anerkennung und fühlt sich schön an – trotzdem bin ich noch derselbe Seb.

…allerdings viel lauter als vergangene Saison. Das hat man auch in Dortmund wieder eindrucksvoll gehört.

Das erwartet der Trainer von mir. Ich sehe mich aber auch selbst in der Verantwortung. Mein Deutsch ist zwar noch nicht perfekt, aber ich will meinen Mitspielern so gut es geht helfen. Wenn man hinten steht, sieht man oft mehr als andere.

Samstag geht es gegen Wolfsburg weiter. Wie viel Schwung gibt so ein Sieg in Dortmund?

Man merkt schon, dass die Stimmung im Training besser ist. Wenn man vorher nur drei Punkte hatte und dann in Dortmund gewinnt, macht das viel aus. Wir müssen jetzt fokussiert bleiben und unter der Woche hart arbeiten. Wolfsburg hat diese Saison noch nicht verloren, das wird genauso schwer wie in Dortmund und wir müssen wieder alles geben.

Gegen den BVB hat neben Ihnen mit Sava Cestic ein FC-Talent sein Debüt gefeiert. Wie haben Sie ihn erlebt?

Er war wirklich sehr gut. Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass er heute nur gewinnen kann und nichts zu verlieren hat. Das hat ganz gut geklappt.

Erinnert Sie die aktuelle Situation an letztes Jahr, als gegen Leverkusen ebenfalls überraschend die Wende gelang?

Ein bisschen schon. Die Vorweihnachtszeit in Köln ist einfach eine gute Phase – hoffentlich auch dieses Jahr wieder (lacht).

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Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Ihr Vertrag beim FC läuft bis 2024 – was nehmen Sie sich für diese Zeit vor?

Ich versuche, jede Woche so gut wie möglich zu spielen. Weiter schaue ich gar nicht in die Zukunft. Ich will alles, was geht, aus meiner Karriere rausholen. Wenn ich am letzten Tag das Gefühl habe, dass ich nicht mehr machen konnte, war es eine gute Zeit für mich.

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