Nach Wirbelbruch FC-Kante Czichos wieder auf dem Platz: „Unglaublich glücklich“

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Rafael Czichos ist knapp sieben Wochen nach seiner Horrorverletzung schon wieder am Ball.

Köln – Es war die Schockszene der Saison: Rafael Czichos (29) prallte am 22. Spieltag böse mit Herthas Marko Grujić (23) zusammen. Seine Karriere hing am seidenen Faden, sogar eine Querschnittslähmung und damit der Rollstuhl drohten ihm. Doch der FC-Verteidiger hatte Glück im Unglück. Knapp sieben Wochen nach dem Wirbelbruch steht er schon wieder auf dem Platz. Im EXPRESS spricht mit Czichos über seine Genesung, den Weg zurück und seine Comeback-Träume.

Rafa, wie geht es Ihnen?

Czichos: „Mir geht es sehr gut. Ich fühle mich fit, der Lauftest vergangene Woche war ebenfalls zufriedenstellend. Und ich bin unglaublich glücklich, dass ich schon wieder auf dem Platz stehen kann. Jetzt muss nur noch der Knochen vollständig wieder zusammenzuwachsen.“

Was können Sie auf dem Platz schon machen? Wie sieht Ihr persönlicher Trainingsalltag aus?

„Ich bin dabei, mich wieder an den Ball zu gewöhnen. Dazu kommen verschiedene Laufübungen, um die Fitness zu bekommen, die ich zum Fußballspielen brauche. 45 Minuten in einem Tempo reichen nicht dafür aus. Kurze, schnelle Wendeläufe, Tempowechsel – all das steht im Moment auf meinem Plan. Macht nicht besonders viel Spaß, ist eher Schinderei, aber absolut notwendig, um auf mein Level zurückzukommen.“

Hätten Sie das nach der Verletzung gedacht, dass Sie jetzt schon wieder auf dem Platz stehen?

„Damals hätte ich nie damit gerechnet, umso mehr freue ich mich jetzt darüber. Der Bruch verheilt so gut, dass das schon wieder möglich ist. Hätte mir jemand vor vier Wochen gesagt, dass ich im April wieder auf dem Platz stehe, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich dachte, bis dahin ist vielleicht das Laufband möglich, wenn überhaupt.“

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?

„Die nächste Untersuchung habe ich in sechs Wochen, vorher wird nichts Großartiges passieren. Bis dahin werde ich mein Pensum absolvieren. Wenn beim Doc Fortschritte zu sehen sein werden, kann ich an den nächsten Schritt denken.“

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Rafael Czichos krümmt sich nach dem Zusammenprall vor Schmerzen.

Der nächste Schritt wäre dann die Rückkehr aufs Spielfeld?

„Das ist und bleibt mein großes Ziel. Ich würde gerne noch zwei, drei Bundesligaspiele machen diese Saison. Wenn Sie das gleiche meinen Arzt fragen, würde er Ihnen sicher etwas anderes erzählen (lacht). Dennoch arbeite ich daraufhin, mit großer Unterstützung unseres Reha-Trainers Dennis Morschel. Sollte die Saison tatsächlich bis zum 30. Juni gehen, will ich nochmal dabei sein.“

Würden Sie sich sogar als Gewinner der Corona-Pause bezeichnen?

„Wenn man bedenkt, was Corona für alle Menschen bedeutet, dann kann man das natürlich nicht so sehen. Aber klar: Das war die erste schwere Verletzung meiner Karriere, die gleichzeitig mein Saison-Aus bedeutet hätte. Jetzt bekomme ich durch die Zwangspause vielleicht nochmal die Chance zu spielen.“

Für Sie als Mannschaft kam sie dagegen zur Unzeit. Sie hatten gerade einen guten Lauf. Wie sehen Sie das?

„Eine Unterbrechung ist nie gut. Und diese schon gar nicht, sie beeinträchtigt ja nicht nur den Fußball, sondern alle Bereiche. Aber die Bedingungen sind für alle Mannschaften gleich: Eine Vorbereitung mitten in der Saison, nur in Kleingruppen zu trainieren und nicht zu wissen, wann es losgeht. Es stimmt, wir hatten eine richtig gute Serie vor der Unterbrechung, mit Ausnahme des letzten Spiels. Die acht Siege aus den letzten elf Spielen waren super. Ich sehe aber auch keinen Grund, warum es nach der Pause nicht so erfolgreich weitergehen sollte.“

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Bei der Rückkehr aus Berlin trug der FC-Verteidiger eine Halskrause.

Wie schwer fällt es Ihnen als Profis, sich auf das Ungewisse vorzubereiten?

„Es gibt zumindest die Aussicht, dass es im Mai weitergehen wird. Wir alle wollen richtig trainieren, Zweikämpfe führen und als komplette Mannschaft zusammen sein, aber die Gesundheit der Menschen steht im Moment an erster Stelle. Zum Glück ist die Stimmung bei uns sehr gut. Meine Teamkollegen berichten mir, dass das Trainerteam anspruchsvolle und abwechslungsreiche Einheiten vorbereitet haben und alle bei Laune halten. Alle sind froh, überhaupt mal rauszukommen und andere Gesichter zu sehen.“

Wie haben Sie die fußballfreie Zeit verbracht?

„95 Prozent der Zeit war ich zu Hause. Meine Freundin Ilona und ich haben sehr viele Dinge für unsere Wohnung bestellt und uns neu eingerichtet. Es ist ein absolutes Privileg, so viel Zeit mit der Familie verbringen zu dürfen. Das hat auch die Bindung zu meinem Sohn Ben nochmal total verändert. Wir hatten schon immer ein richtig gutes Verhältnis, doch seitdem ich die ganze Zeit zu Hause bin, sind wir eigentlich unzertrennlich. Tagsüber würde er mich am liebsten gar nicht mehr aus dem Haus lassen, weil er alles mit mir machen möchte. Es ist sehr schön, ich genieße das sehr. Es gibt auch schöne Dinge in diesen Krisen-Zeiten.“

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Welche Ziele hat sich die Mannschaft gesteckt, sollte die Saison fortgesetzt werden?

„Dadurch, dass so vieles noch ungewiss ist, ist die Frage nicht so leicht zu beantworten. Am liebsten wäre es mir, dass wir in den ersten beiden Spielen, in denen es gegen direkte Konkurrenten geht, sofort in die Spur finden. Das wäre extrem wichtig, wir würden dem Ziel Klassenerhalt damit ein gewaltiges Stück näher kommen. Wenn wir das geschafft haben, ist alles andere Bonus. Das hätten auch unsere Fans verdient. Auch wenn sie wahrscheinlich leider nicht im Stadion dabei sein dürfen, werden sie genau hinschauen. Wir wollen auf jeden Fall an die Leistungen, die wir vor der Pause gezeigt haben, anknüpfen.“

Zu Beginn kommt es zum Wiedersehen mit Achim Beierlorzer. Beinhaltet das Spiel aufgrund der Konstellation eine besondere Brisanz?

„Ehrlich gesagt, ich glaube nicht. Beide Seiten haben sich komplett voneinander gelöst, was gut ist.  Wir haben uns seitdem extrem gut entwickelt, wenn man sich die Tabelle ansieht. Achim Beierlorzer wird seine Mannschaft extrem heiß gegen uns machen. Deshalb erwarte ich ein ekliges Spiel.“

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