Er wurde nur 56 Trauer um US-Serien-Star Brad William Henke – eine Rolle war ihm auf den Leib geschrieben

FC-Kapitän Hectors besonderer Weg vom Amateur-Kicker zum Köln-Star & Nationalspieler

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In guten wie in schlechten Zeiten: Jonas Hector, hier beim Training am Geißbockheim im September 2020, steht zum 1. FC Köln.

Köln – Es gibt wohl keinen anderen Spieler, der den 1. FC Köln im zurückliegenden Jahrzehnt derart stark geprägt hat wie er: Jonas Hector (30) entwickelte sich am Geißbockheim vom Regionalliga-Kicker zum Bundesliga-Kapitän. Er wurde Nationalspieler, hatte Angebote von Top-Klubs, ging aber lieber mit dem FC in die 2. Liga.

Nach Hectors Rücktritt aus dem DFB-Team blickt EXPRESS zurück auf seine Reise – aus dem beschaulichen Saarland auf die große Fußballbühne.

Jonas Hector zehn Jahre beim 1. FC Köln

Vielleicht war es ihm selbst gar nicht bewusst, aber der 7. August 2020 war ein besonderer Tag für Jonas Hector – sein zweistelliges FC-Jubiläum.

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Genau zehn Jahre zuvor eröffnete Kölns U21 ihre Saison in der Regionalliga West mit einem Heimspiel gegen Borussia Dortmunds Zweitvertretung. Es war ein sonniger Samstag im Franz-Kremer-Stadion, Mark Uth und Simon Terodde bildeten das Sturm-Duo des FC, Frank Schaefer stand als Trainer an der Seitenlinie. Und Neuling Hector saß zunächst mal auf der Bank.

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Jonas Hector (r.) im April 2010 im Trikot seines Heimatklubs SV Auersmacher

Fußball-Profi zu werden, war eigentlich nie sein Plan gewesen. Hector hatte sich aber doch dazu entschlossen, seinen Heimatverein SV Auersmacher, bei dem er als kleiner Junge mit dem Kicken begonnen hatte, im Sommer 2010 zu verlassen, und sein Glück in Köln zu versuchen. 

Schon im Urlaub machte er Bekanntschaft mit seinen neuen Teamkollegen: Hector war auf Mallorca-Tour mit Auersmacher und traf auf der Party-Insel ausgerechnet die Kölner U21. Als er zu fortgeschrittener Stunde Routinier Carsten Cullmann gegenüberstand, sagte er ganz ehrfürchtig: „Herr Cullmann, ich spiele nächstes Jahr mit Ihnen zusammen.“ „Culli“ bot ihm direkt das Du an – und Hectors FC-Erfolgsstory konnte beginnen.

Holger Stanislawski holte Jonas Hector zu den Profis des 1. FC Köln

Als Frank Schaefer ihn am 7. August 2010 in der Regionalliga nach 84 Minuten für Rachid Bouallal einwechselte, ahnte natürlich noch niemand, was für eine Entwicklung folgen würde. Erst mal musste sich Hector ohnehin bei der U21 durchbeißen.

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Sein erstes FC-Jahr: Profi-Trainer Zvonimir Soldo testete Hector (M.) zwar, doch der Saarländer spielte zunächst für die U21. Rechts: Pierre-Jose Vunguidica

Er schnappte sich unter Schaefer einen Stammplatz, zählte auch in der Folge-Saison unter Dirk Lottner zu den Leistungsträgern. Der Abstieg 2012 wurde schließlich zu Hectors großer Chance. Holger Stanislawski beförderte den damals 22-Jährigen zu den Profis und verhalf ihm im DFB-Pokal in Unterhaching (2:1) zum Debüt.

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Das Profi-Debüt: Am 18. August 2012 setzte Coach Holger Stanislawski Hector im Pokal in Unterhaching ein.

Hector überzeugte, etablierte sich auch in der 2. Liga – zunächst im defensiven Mittelfeld. Erst im Laufe der Saison versetzte „Stani“ ihn auf die Linksverteidiger-Position, die er in den folgenden Jahren mit beeindruckender Konstanz ausfüllen sollte.

Jonas Hector reifte beim 1. FC Köln unter Peter Stöger zum Nationalspieler

Unter Peter Stöger (54) ging es für den Saarländer noch rasanter bergauf. Von 2013 bis 2017 verpasste er gerade mal fünf Liga-Spiele. „Es gibt einen Spieler, über den wir nach den Partien gewöhnlich nie diskutieren – und das ist Jonas“, sagte Stöger mal über seinen „Mister Fehlerlos“.

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Jonas Hectors (r.) DFB-Debüt: Am 14. November 2014 wurde er gegen Gibraltar für Eric Durm eingewechselt.

Der größte Lohn für Hectors konstante Leistungen war sein Debüt für die Nationalelf im November 2014 gegen Gibraltar. Anschließend wurde er zu Jogi Löws Dauerbrenner – mit zwei absoluten Highlights: Bei der Europameisterschaft 2016 verwandelte der Linksverteidiger, der nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht hat, im Viertelfinale gegen Italien den entscheidenden Schuss im Elfmeterschießen, wurde im ganzen Land gefeiert. Ein Jahr später gewann Hector mit einem jungen deutschen Team in Russland den Confed-Cup.

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Ganz Deutschland feiert Jonas Hector! Der Kölner verwandelte im Viertelfinale der Europameisterschaft 2016 den entscheidenden Elfmeter gegen Italiens Gianluigi Buffon

Bis zu Kölns Einzug in die Europa League, den er selbst am 20. Mai 2017 mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Mainz einläutete, war seine Leistungskurve ein Sinnbild für die positive Entwicklung des FC.

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Dank der Tore von Jonas Hector (l.) und Yuya Osako zog der 1. FC Köln am 20. Mai 2017 mit einem 2:0-Sieg gegen Mainz in die Europa League ein.

Und sein langer Ausfall in der Saison 2017/18 (Syndesmoseriss) zählte sicher auch zu den Gründen für den folgenden, dramatischen Absturz.

Doch in seiner dunkelsten FC-Stunde zeigte Hector erneut, dass er ein etwas anderer Profi ist. Er verlängerte seinen Vertrag bis 2023, statt zu einem Top-Klub wie Dortmund zu gehen. In den Jahren zuvor hatte er sogar schon Offerten vom FC Barcelona und Chelsea ausgeschlagen.

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Nach einem 2:3 in Freiburg am 28. April 2018 stand der Abstieg für Jonas Hector und Trainer Stefan Ruthenbeck fest.

„Es wäre problemlos möglich gewesen, zu wechseln, aber für mich fühlt sich das nicht richtig an. Ich habe mir viele Gedanken gemacht. Das Ergebnis ist für mich eindeutig: Ich gehöre zum FC“, erklärte Hector 2018.

Jonas Hector führte 1. FC Köln als Kapitän zurück in die Bundesliga

Nach dem Abstieg wurde er als Nachfolger von Matthias Lehmann endgültig Kapitän und führte Köln zurück in die Erstklassigkeit. Als stiller Star. So still, wie man als Kapitän eines Profi-Klubs abseits des Platzes sein kann. Interviews mit ihm sind selten und kein Wort zu lang, an Social-Media-Auftritte ist schon gar nicht zu denken.

Die vergangene Saison zählte zu Hectors schwierigsten. Nach überragenden Leistungen im Frühjahr wirkte er nach der Corona-Unterbrechung körperlich und mental komplett platt, konnte dem FC-Spiel nicht mehr seinen Stempel aufdrücken.

Sportchef Horst Heldt (50) verteidigte ihn dennoch leidenschaftlich: „Ich hätte gerne 25 Jonas Hectors in meinem Kader, weil er sich wahnsinnig mit dem Klub identifiziert. Jonas lebt den FC wie kein anderer. Mit voller Hingabe und Überzeugung.“

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FC-Trainer Markus Gisdol musste schon in den letzten Wochen auf Kapitän Jonas Hector (l.) verzichten.

Umso erleichterter wirkte Hector in der Kabine nach dem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt, das den endgültigen Klassenerhalt bedeutete. Doch nur Stunden später erfuhr er vom plötzlichen Tod seines Bruders Lucas (†31), der früher auf dem Platz und bis zuletzt daneben eine wichtige Bezugsperson für ihn gewesen war. Ein Schicksalsschlag, der den gesamten Verein in Schockstarre versetze.

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Wer Hector in den Wochen der Vorbereitung auf die aktuelle Saison beobachtete, sah aber einen Spieler mit neuer Energie. Einen Kapitän, der seine Mannschaft wieder mitreißen kann, und der sich – wie inzwischen klar ist – nur noch auf den FC konzentrieren möchte. Hectors Entschluss, aus der Nationalmannschaft zurückzutreten, war schon im Urlaub gereift. Trainer Markus Gisdol (51) machte ihn erneut zum Kölner Anführer und stellte fest: „Er war unser bester Spieler der Vorbereitung.“ 

Zeigen konnte Hector das bislang nicht. Seit der 0:1-Niederlage in Bielefeld klagt er über Nackenbeschwerden und fehlte daher im Derby gegen Gladbach. Doch nach seiner Rückkehr wird er im Mittelfeldzentrum wieder gesetzt sein – und alles dafür tun, dass er nicht noch einmal mit dem FC in die 2. Liga muss.

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