„Welpenschutz ist vorbei“ FC-Juwel Thielmann bekommt klaren Auftrag von Gisdol

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Jan Thielmann, hier DFB-Pokal in Köln gegen Altlienicke in der ersten Runde am 12. September 2020, geht beim 1. FC Köln in seine zweite Profi-Saison.

Köln – Er war gerade mal 17 Jahre alt, als Markus Gisdol (51) ihn vergangene Saison ins eiskalte Bundesliga-Wasser warf: Jan Thielmann (18) ist mittlerweile volljährig und hat sich beim 1. FC Köln freigeschwommen. Das FC-Juwel genießt großes Vertrauen vom Trainer – und findet immer wieder seinen Platz in der Kölner Offensive.

Am Samstag bei Arminia Bielefeld (15.30 Uhr) könnte der gebürtige Föhrener mal wieder in vorderster Spitze auflaufen, sollte die etatmäßige Nummer eins im Sturm, Sebastian Andersson (29), wider Erwarten ausfallen.

Im EXPRESS-Interview spricht Youngster Thielmann über Welpenschutz, den Spagat zwischen Fußball und Schule und die Erwartungen seines Trainers Markus Gisdol (51) an ihn.

Jan, der Auftakt ging in letzter Minute mit 2:3 verloren. Was nehmen Sie aus der Niederlage für das Bielefeld-Spiel mit?

Unter dem Strich haben wir es ordentlich gemacht, vor allem in der zweiten Halbzeit. Darauf sollten wir aufbauen. Wir hatten deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner, haben ordentlich kombiniert und uns Torchancen erarbeitet. Wir haben viel investiert, das Laufpensum hat gestimmt, wir haben uns am Ende allerdings nicht belohnt. Es war sehr ärgerlich, dass wir zum Schluss unkonzentriert in das 2:3 laufen, das hätte nicht passieren dürfen. Solche Fehler müssen wir natürlich abstellen, wenn wir in der Bundesliga punkten wollen.

Wie haben Sie Ihre Leistung gesehen?

Mit meinem Auftakt bin ich zufrieden. Jannes Horn und ich hatten auf der linken Seite viel Platz, weil Hoffenheim in der Raute gespielt hat. Ich bin froh, dass ich mit meiner Flanke das Tor vorbereiten konnte und an einigen gefährlichen Situationen beteiligt war. Ich ärgere mich, dass ich die Chance nach der Halbzeit nicht verwerten konnte. Alles in allem ist da noch Luft nach oben.

Was hat Ihnen Markus Gisdol vor der Saison mit auf den Weg gegeben?

Der Trainer hat mir gesagt, dass ich wieder mutiger und unbekümmerter sein soll – so wie in meinen ersten Spielen vergangene Saison. Ich soll mein Spiel durchziehen und mich auf meine Stärken verlassen, dann kommt der Rest von ganz alleine. Dazu muss ich mich einfach noch mehr an den Erwachsenen-Fußball gewöhnen.

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Jan Thielmann fühlt sich beim FC und in Köln pudelwohl.

Wie schwer fällt Ihnen das?

Ich versuche, mir keinen allzu großen Druck zu machen, auch wenn man die Erwartungshaltung immer im Hinterkopf hat. Nach einer nicht so glücklichen Aktion auf dem Feld lasse ich mich nicht verrückt machen und fokussiere mich darauf, weiter an mich zu glauben. Die Erfahrungen in den nächsten Wochen und Monaten werden mir dabei auf jeden Fall helfen.

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Wo sehen Sie persönlich Verbesserungspotenzial bei Ihnen?

Ich nehme mir zu Herzen, was Markus Gisdol mir auf den Weg gegeben hat. Es wäre schön, wenn ich die Torgefährlichkeit, die mich in der Jugend ausgezeichnet hat, auch bei den Profis unter Beweis stellen könnte. Ich glaube, jeder junge Spieler träumt davon, ein Bundesliga-Tor zu erzielen oder Tore vorzubereiten. Der Assist gegen Hoffenheim war ein Anfang, daran will ich in den kommenden Partien anknüpfen. Ich will mich einfach stetig weiterentwickeln und permanent dazulernen.

Jan Thielmann freut sich auf die Neuzugänge beim 1. FC Köln

Sie sind der Jüngste im FC-Kader. Genießen sie noch Welpenschutz?

Am Anfang war das sicher noch so. Wenn man als 17-Jähriger frisch zu den Profis kommt, wird man zu Beginn noch etwas in Watte gepackt. Ich hatte das Gefühl, dass da viel von mir ferngehalten wurde, auch was Kritik betrifft. Das hat sich inzwischen total geändert. Der Welpenschutz ist vorbei. Jetzt bekomme ich auch auf den Deckel, wenn es sein muss. (lacht) Ich glaube, man hat das in der 24/7-Doku auch gesehen.

Was halten Sie von den vier Neuzugängen?

Ich habe einen sehr positiven Eindruck von den Jungs. Sie sind sehr offen und haben sich schnell in der Mannschaft zurechtgefunden. Man sieht, dass sie ordentlich Qualität mitbringen und unser Niveau heben. Es macht echt Spaß, mit ihnen zu kicken. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sie uns besser machen werden und freue mich darauf, mit ihnen zusammenzuspielen.

Machen Sie sich keine Sorgen um Ihren Platz?

Nein. Ich weiß, dass wir noch Verstärkungen für die Offensive gebraucht haben. Ich bin froh, dass sie da sind. Konkurrenzkampf macht uns alle besser. Diese Herausforderung nehme ich an. Ich werde alles dafür tun, dass ich meinen Platz in der Startelf behalte und dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich mache. Das Wichtigste ist aber, dass wir am Ende als Mannschaft Erfolg haben.

Wenn es im Mittelfeld eng werden sollte, wäre es eine Option für sie in der U21 zu spielen?

Es ist natürlich mein Ziel, dass ich dauerhaft bei den Profis bleibe. Dafür werde ich alles geben. Es wäre für mich aber kein Rückschritt, wenn ich mal ein Wochenende in der U21 spielen würde. Wenn der Trainer der Meinung ist, dass mich das weiterbringt, dann nehme ich das an.

Jan Thielmann muss den 1. FC Köln und das Abitur unter einen Hut bringen

Sie machen „nebenbei“ auch noch Ihr Abitur. Wie schwer fällt Ihnen der Spagat?

Es ist momentan nicht so leicht, alles unter einen Hut zu bekommen. Es ist zeitlich schon eine Herausforderung. Wir arbeiten gerade daran, die Abläufe zu optimieren. Es ist ein hohes Pensum, dass ich packen kann. Vom Kopf her ist es kein Problem, denn für mich sind Fußball und Schule zwei verschiedene Welten. Wenn ich auf dem Platz stehe, blende ich die Schule komplett aus, wenn ich in der Schule bin, konzentriere ich mich voll auf den Unterrichtsstoff.

Haben Sie schon eine eigene Wohnung?

Ich wohne noch ein Jahr im Internat und bin da auch ganz froh drum. (lacht) Dort habe ich alles, was ich brauche. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mir dort viele Dinge abgenommen werden. Ich genieße es, dass für mich gekocht wird. Nächstes Jahr werde ich mich dann um eine eigene Wohnung kümmern und will dann auf eigenen Füßen stehen.

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