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FC-Vize Wettich geht in die Offensive „Fehlendes Geld war in Köln nie das Problem“

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Carsten Wettich, hier am 9. Mai 2021 auf der Tribüne im Rhein-Energie-Stadion, will auf der FC-Mitgliederversammlung zum Vizepräsidenten gewählt werden.

Köln – Die Angriffe kommen derzeit aus allen Ecken. Anderthalb Wochen vor der virtuellen Mitgliederversammlung am 17. Juni muss sich der Vorstand des 1. FC Köln mit unterschiedlichen Vorwürfen konfrontieren lassen. Vorwürfe, die Carsten Wettich (41) aus der Welt schaffen will, schließlich möchte er von den Mitgliedern auf der Versammlung als Vizepräsident gewählt werden. Exklusiv im EXPRESS bezieht der Interims-Vize in Teil eins des Interviews deutlich Stellung gegen die Kritiker. 

  • 1. FC Köln: Carsten Wettich im EXPRESS-Interview
  • Carsten Wettich möchte zum Vizepräsident gewählt werden
  • Carsten Wettich spricht über die große Kritik am FC-Vorstand

Volker Struth, erfolgreicher Spielerberater aus Köln, nannte die Bosse „Traumtänzer“, die zu wenig Bereitschaft zeigten, Gelder zu generieren. Auch Weltmeister Lukas Podolski äußerte sich kritisch, forderte einen Dialog über Investoren. Und im EXPRESS meldete sich mit Philipp Herpel (47) ein alter Mitstreiter zu Wort, der dem Vorstand „Kompetenz und Vision“ absprach. Mit klaren Botschaften bezieht Carsten Wettich deutlich Stellung gegen die Vorwürfe. Das Interview:

Carsten Wettich, trotz der gelungenen Rettung prasselt derzeit ganz schön viel auf den Vorstand ein. Wie gehen Sie mit der Kritik um?

Wettich: „Die Kritik muss man sportlich nehmen, sie ist in Teilen auch berechtigt. Wir haben uns als Vorstand in den letzten Monaten auf das wirtschaftliche Überleben des 1. FC Köln konzentriert. Aber richtig ist auch, wir haben den Dialog mit den Mitgliedern und Fans aus den Augen verloren, das werfe ich mir selbst vor, denn der ist mir sehr wichtig. Da müssen und werden wir besser werden, da haben wir bereits konkrete Pläne für. Klar ist aber auch: Derzeit äußern sich auch Personen, die nicht von einer Sorge um den FC, sondern von eigenen persönlichen oder finanziellen Interessen getrieben sind. Das sind wir nicht bereit weiter hinzunehmen, weil es dem Verein schadet.“

Carsten Wettich: „Das kriegen wir schon selbst hin“

Werden wir konkret. Spielerberater Volker Struth, Kölner und erklärter FC-Fan, kritisierte den Vorstand sehr deutlich, sprach im „Kölner Stadt-Anzeiger“ von „Traumtänzern im Märchenland“. Ist der Vorstand realitätsfremd?

„Herr Struth ist ein sehr erfolgreicher Spielerberater. Er hat auch mit dem 1. FC Köln eine Reihe von Verträgen abgeschlossen, die aus der Sicht seiner Spieler gut verhandelt wurden, dem 1. FC Köln hat er dabei mit Sicherheit nichts geschenkt. Verwunderlich finde ich daher, dass er meint, dem 1. FC Köln als seinem Vertragspartner kluge Ratschläge geben zu müssen, wie ein Verein zu führen ist. Das kriegen wir schon selbst hin.“

Volker Struth macht sich offenbar Sorgen um den Klub, sagt, der Verein sei viel zu wenig bereit, Gelder zu generieren.

„Schaut man in die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte, hat dem 1. FC Köln selten Geld gefehlt, es war zumindest nie die Ursache für Abstiege. Im Gegenteil: Meistens hat der FC im Vergleich zu Mitbewerbern deutlich mehr Geld ausgegeben, aber daraus zu wenig sportlichen Erfolg erzielt. Herr Struth bringt selbst Mainz 05 als Beispiel, die es als reiner Verein schaffen, ohne Investoren auszukommen. Es gibt noch andere Beispiele wie Freiburg oder aktuell Union Berlin, die mit weniger Geldeinsatz mehr sportlichen Erfolg herausgeholt haben. Es muss aber darum gehen, nachhaltig mehr Geld zu generieren und das Geld besser in sportlichen Erfolg umzumünzen. An beiden Punkten knüpft die Strategie an, die wir bei der Mitgliederversammlung am 17. Juni unseren Mitgliedern vorstellen möchten. Im Übrigen haben wir über die letzten Monate gemeinsam mit Alexander Wehrle eine Reihe von Geldquellen erschlossen, sei es den mit der Landesbürgschaft besicherten Kredit oder Genussrechte.“

Carsten Wettich: „Wenn Lukas Podolski will, können wir uns gerne persönlich austauschen“

Lukas Podolski warf ihnen vor, dass der Kontakt zu ihm nur ein Lippenbekenntnis Verein sei, zudem habe man das Gefühl, es gebe kein Miteinander im Verein und fordert einen Dialog über Investoren…

„Lukas war zu seiner aktiven Zeit einer meiner Lieblingsspieler. Er bleibt eine Ikone hier in Köln und wird immer Teil der FC-Familie sein. Daher wollen ihn nach Ende seiner Karriere in den Verein einbinden und werden weiterhin den Kontakt zu ihm suchen. Alexander Wehrle zum Beispiel ist in Abstimmung mit dem Vorstand seit Monaten mit ihm zu Projekten in Gesprächen. Die aktuellen Äußerungen von Lukas halte ich für wenig hilfreich. Ich bin mir auch nicht sicher, ob er die in allen Punkten zu Ende gedacht hat. Wenn Lukas will, können wir uns zu dem Thema gerne persönlich austauschen. Richtig ist sein Einwand, dass wir einen Dialog mit den Mitgliedern über die Zukunft des 1. FC Köln führen müssen und wollen, auch zu der Frage, ob und welche Rolle Investoren dabei spielen. Da wird es bald verschiedene Formate zum Thema geben.“

Fast noch überraschender dürfte für viele die Kritik aus der aktiven Fanszene sein. Philipp Herpel hat da stellvertretend im EXPRESS auch seiner persönlichen Enttäuschung Luft gemacht und noch einmal vehement für einen mitgliedergeführten Verein geworben. Können Sie ihn verstehen?

„Philipp Herpel ist ein guter Mann und ich verstehe seinen persönlichen Frust aus seiner Situation heraus. Seine Kritik am fehlenden Dialog kann ich nachvollziehen, auch wenn wir alle für die Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen nichts können. Als Experte hätte ich mir von ihm aber mehr Inhalt erwartet. Zudem bin ich ein wenig enttäuscht, dass er sich über eine Strategie äußert, die er selber nicht kennt.“

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