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„Darf nicht passieren“: FC-Coach Beierlorzer zeigt Verständnis für Vorgänger

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Achim Beierlorzer in seinem neuen Wohnzimmer dem Rhein-Energie-Stadion.

Foto:

AFP

Köln -

In Freiburg feierte Achim Beierlorzer (51) seinen ersten Sieg als FC-Trainer, nun wartet auf den Franken gleich das nächste Highlight – die Derby-Premiere gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr, Sky)! Zuvor besuchte Beierlorzer die EXPRESS-Redaktion und sprach ausführlich über seine ersten Monate in Köln, die Brisanz des Rheinland-Krachers, die Zusammenarbeit mit Sportboss Armin Veh (58) und sein Leben abseits des 1. FC Köln. Lesen Sie hier den ersten Teil.

Achim Beierlorzer, was wissen Sie über das Derby Köln gegen Gladbach?

Die enorme Brisanz kriegt man natürlich mit, man merkt jetzt schon, wie aufgeheizt die Stimmung ist. Deshalb hoffe ich einfach, dass es fair und gewaltfrei bleibt. Wir sprechen immer noch über Fußball. Es soll ausschließlich auf dem Platz im Kampf um die drei Punkte zur Sache gehen. Und da wollen wir liefern.

Können Sie als Neu-Kölner die Derby-Emotionen schon nachvollziehen?

Für mich als Franke ist Nürnberg gegen Fürth ein vergleichbares Derby, wo ich weiß, dass die Fans das ganz hoch ansetzen. Ganz ehrlich: Vor meiner Zeit beim FC war mir nicht bewusst, dass Köln gegen Gladbach DAS West-Derby ist. Wenn man hier lebt, kriegt man natürlich mit, was das für die Menschen bedeutet. So mancher sagt: „Egal wie wir am Ende der Saison abschneiden, Hauptsache, wir schlagen Gladbach.“ Das sehen wir natürlich anders. Und trotzdem wollen wir die drei Punkte unbedingt. Wir haben ein sehr gutes Spiel gegen Dortmund abgeliefert. Da wollen wir anknüpfen, nur dieses Mal Zählbares mitnehmen. Wir wissen um Gladbachs Stärke, wir wissen aber auch, was wir mit unseren Fans zu Hause bewirken können.

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Achim Beierlorzer (l.) im Gespräch mit den EXPRESS-Redakteuren Christian Knop, Martin Zenge, Alexander Haubrichs, Jürgen Kemper, Uwe Bödeker und Uwe Hoffmann (v.l.) 

Foto:

Eduard Bopp

Was müssen Sie tun, um Gladbach schlagen zu können?

Wir brauchen eine aggressive Zweikampfführung. Wir müssen die Topstars in der Offensive in den Griff bekommen und wir müssen versuchen, ihren Spielaufbau so früh wie möglich zu stören. Wir sind bereit, wir sind fast vollzählig und das macht mich für dieses Spiel zuversichtlich.

Lesen Sie hier: Achim Beierlorzer gibt grünes Licht für Derby-Comeback von Jhon Cordoba

Haben Sie Ehrfurcht vor dem Spiel?

Nein, das bringt mich auch nicht weiter. In Ehrfurcht steckt das Wort Furcht. Ich habe Respekt, aber das habe ich vor jedem Gegner. Es ist aber auf keinen Fall so, dass ich sage: „Oh Gott, jetzt spielen wir gegen Gladbach, was mache ich jetzt bloß?“ Ich mache meinen Job. Ich fokussiere mich nur darauf, was ich beeinflussen kann.

Ihren Trainer-Kollegen Marco Rose kennen Sie noch aus gemeinsamen RB-Zeiten.

Ich habe ihn vor allem bei RB Salzburg verfolgt, wie er die Mannschaft hat spielen lassen und wie er sie entwickelt hat. Da ist eine klare Linie zu erkennen. Persönlich haben wir uns aber nur zwei-, dreimal in Leipzig und Salzburg ausgetauscht.

Mehrere Bundesliga-Trainer stammen wie Sie beide aus dem RB-Kosmos. Ist der RB-Fußball ein Exportschlager?

Ich weigere mich immer so ein bisschen, mich selbst dazuzuzählen, denn ich habe schon vor meiner Zeit in Leipzig diese Art Fußball spielen lassen. Das kann ich sogar nachweisen (lacht). Bei der Fußballlehrer-Ausbildung musste ich meine Philosophie aufschreiben. Das war 2014, also vor Leipzig. Die Verantwortlichen haben mich überhaupt erst geholt, weil ich ihnen mit diesem Stil aufgefallen bin.

Sie sind seit knapp zweieinhalb Monaten FC-Trainer. Läuft es wie erwartet oder hat Sie etwas überrascht?

Es läuft wie erhofft. Ich bin alleine, ohne Trainerteam oder meinen besten Freund an meiner Seite, nach Köln gekommen – aber mit voller Überzeugung, weil ich viele Gespräche geführt hatte mit den Menschen, mit denen ich jetzt zusammenarbeite. Und es hat sich alles bestätigt. Mit dem Trainerteam arbeite ich so intensiv und toll zusammen, dass wir auch privat mal etwas zusammen unternehmen oder gemeinsam laufen gehen. Da entsteht eine Freundschaft, habe ich den Eindruck. Die Mannschaft hat mich auch offen aufgenommen und völlig akzeptiert, die Jungs ziehen richtig mit. Jetzt müssen wir den FC gemeinsam in die Erfolgsspur bringen.

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So jubelte Achim Beierlorzer in Freiburg an der Seitenlinie über seinen ersten Bundesliga-Sieg. 

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dpa

Ist es schwerer, FC-Trainer zu sein als Coach in Regensburg?

Den Eindruck habe ich bislang nicht. In der Stadt bin ich super aufgenommen worden und fühle mich deswegen nicht nur an meinem Arbeitsplatz wohl. Mit dem gesamten Umfeld macht es unheimlich viel Spaß. Das war in Regensburg genauso, nur jetzt ist alles größer: Wir sind in der Bundesliga und in einer Großstadt. Wenn ich abends mit meiner Frau oder meiner Tochter essen gehe, merken wir erst, wie riesig Köln ist – das ist dann doch etwas ganz anderes als das beschauliche Regensburg.

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Peter Stöger, einer Ihrer Vorgänger, hat sich extrem eingelassen auf Köln. Nun ist er nach den Schmäh-Gesängen bitter enttäuscht aus dem Verein ausgetreten. Ist das ein Warnzeichen, dass man eine gewisse Distanz wahren sollte?

Nein. Ich bin so unterwegs, dass ich das Hier und Jetzt genieße. Meine Kinder würden sagen: „Der Spruch wieder.“ (lacht) Aber so blöd es klingt – das ist die Wahrheit. Vor fünf, sechs Jahren, als ich aus dem Lehrerberuf raus war, ist mir das so richtig bewusst geworden. Man muss die Gegenwart genießen – in vollen Zügen, aber mit Bedacht. Momentan genieße ich Köln und mache mir keine Gedanken, ob man über mich mal blöde Lieder singt.

Können Sie Peter Stöger verstehen?

Natürlich. An seiner Stelle wäre ich auch enttäuscht, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Im Stadion habe ich erst gar nicht verstanden, was da gesungen wurde. Als es mir klar wurde, habe ich gedacht: Das ist eine Nummer, die darf nicht passieren. Zumal das nichts mit dem Spiel Köln gegen Wolfsburg, das auf dem Platz lief, zu tun hatte. Ich finde es immer schöner, wenn unsere Fans unsere Mannschaft unterstützen – aber nicht gegen etwas anderes sind.

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Peter Stöger ist aus dem 1. FC Köln ausgetreten.

Foto:

(c) dpa

Als FC-Trainer stehen Sie mehr denn je im Fokus. Wie reagieren Sie, wenn Sie Ihren Namen groß in der Zeitung lesen?

Ich muss schmunzeln. Feierlorzer, Dreierlorzer – Ihr habt ja schon ein paar Sachen durch (lacht). Wir haben eine Familiengruppe bei WhatsApp, da wird so was schon mal reingestellt. Die Wortspiele mit meinem Namen sind lang erprobt. Sie können sich bestimmt vorstellen, was sich die Schüler früher alles so überlegt haben. Von daher bin ich da stabil.

Denken Sie manchmal darüber nach, welche Wucht Sie in Köln treffen könnte, wenn es mal nicht gut läuft?

Das ist mir völlig bewusst. Ich bin Bundesliga-Trainer, man muss nur nach links und rechts schauen, um zu wissen, was passieren kann. Druck gibt es überall, aber klar ist die Wucht hier größer – definitiv. Der FC ist emotionaler als andere Vereine, darauf bin ich eingestellt. Das beeinflusst aber mein Handeln nicht – und das darf es auch nicht. Dann wäre ich nicht mehr ich. Das Wichtigste für mich ist, dass ich authentisch bleibe. Was-wäre-wenn ist nicht mein Ding. Ich weiß, wenn man in unserem Beruf nicht erfolgreich ist, wird es schwierig. Und trotzdem werde ich im Erfolg nicht größer und im Misserfolg nicht kleiner. Ich stelle mich trotzdem mit breiter Brust hin und versuche, alles dafür zu tun, dass der Erfolg zurückkehrt. Wenn das nicht klappt, kann ich abends trotzdem in den Spiegel schauen und sagen: „Ich habe alles gegeben.“

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