„Die Null muss stehen“ Löw setzt zum EM-Auftakt auf das alte Stevens-Motto

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Gesprächsbedarf: Thomas Müller, Mats Hummels und Niklas Süle diskutieren über die richtige Spielweise.

Seefeld – Joachim Löw (61) nutzte den Tag nach dem 1:1 gegen Dänemark, um den Kopf frei zu bekommen. Der Bundestrainer schwang sich noch während des Regenerations-Trainings seiner Spieler auf sein Ducati-E-Bike und radelte los.

  • Joachim Löw setzt vorerst auf die Dreierkette
  • Bundestrainer will bei EM vor allen Dingen Gegentore vermeiden
  • So fällt Deutschland aber eine Offensiv-Option weg

Erst machte er am Donnerstag (3. Juni) einen kurzen Abstecher ins Seefelder Ortszentrum, wo ihn viele ungläubige Blicke der Passanten trafen: „War das der Jogi?“ Ja, war er – und zwar ganz ohne Bodyguard. Darum wählte Löw eine weniger stark frequentierte Route den Gschwandtkopf hinauf und auf der anderen Seite an der Sportalm vorbei wieder hinunter in Richtung Mannschaftshotel in Mösern.

Löw-Rad

Joachim Löw unternahm am Feiertag eine E-Bike-Tour durch die Berge in Tirol.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich Löw während seiner Radtour auch intensiv Gedanken über den Auftritt seiner Mannschaft in Innsbruck gemacht hat – und vor allem darüber, ob der Plan mit der Dreier- beziehungsweise Fünferkette der richtige ist. Denn trotz geballter Defensivpower und Rückkehrer Mats Hummels (32) stimmte beim 1:1-Ausgleichstreffer von Dänen-Angreifer Yussuf Poulsen (26) die Abstimmung erneut hinten und vorne nicht.

Niklas Süle (25) setzte zu spät zur Grätsche an, Mats Hummels' Stellungsspiel ließ in dieser Situation ebenfalls zu wünschen übrig. Bleibt trotzdem die Frage: Weshalb hält der Bundestrainer an dieser Formation fest und opfert für einen weiteren Verteidiger im System einen der heiß begehrten – und qualitativ top besetzten – Plätze im Mittelfeld?

Was soll das, Jogi? „Ich wollte das Zentrum mit drei Innenverteidigern gut schließen, die drei haben das gut gemacht. Das ist uns gut gelungen. Das kann beim Turnier absolut eine Option sein. Das Maß aller Dinge wird sein, dass wir in der Lage sind, zu Null zu spielen und einen Vorsprung mal über die Runden zu bekommen“, kündigte Löw an.

„Die Null muss stehen“, lautete immer die Devise von Huub Stevens (67). Löw sieht es auch so: „Man kann nicht immer einem Rückstand hinterherlaufen. Für mich ist entscheidend, dass die letzte Reihe gut steht. Da haben wir zuletzt Probleme gehabt, einen Vorsprung auch über die Runden zu bekommen. Das muss das Ziel sein.“

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Trotz Fünferkette konnte das deutsche Team bei der einzigen dänischen Torchance den Treffer von Yussuf Poulsen nicht verhindern.

Heißt im Klartext: Die Zeiten, in denen die deutsche Nationalmannschaft bei Turnieren ihre Gegner mit offensiven Power-Fußball besiegen wollte, sind vorbei. Löws taktische Antwort auf die Franzosen im ersten EM-Spiel mit ihrer gewaltigen Offensivkraft und Einzelkönnern wie Kylian Mbappe, Karim Benzema und Antoine Griezmann am 15. Juni heißt Safety first. Jogi geht lieber auf Nummer sicher.

Durch die Abwehrkette fällt im Offensivbereich eine Position weg

In Innsbruck sollten Matthias Ginter, Niklas Süle und Mats Hummels als Innenverteidiger und Lukas Klostermann und Robin Gosens auf Außen für Stabilität sorgen. Somit blieben im Mittelfeld-Zentrum nur zwei Plätze für Joshua Kimmich und Florian Neuhaus übrig. Beim Turnier mischen dann aber auch noch Spieler wie Ilkay Gündogan, Toni Kroos oder Leon Goretzka um diese Positionen mit.

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EXPRESS-Sportchef Marcel Schwamborn im EM-Trainingslager in Seefeld.

Und die Theorie der kompakten Defensive funktioniert in der Praxis noch lange nicht, wie das Tor der Dänen in der 71. Minute, das sich angedeutet hatte, zeigte. „Wir hatten zuvor schon ein paar Ballverluste, dann hat der Gegner Raum und Möglichkeiten. Niklas Süle hätte schneller den Passweg schließen können, indem er das Zentrum schließt. Mats Hummels ist in der schlechteren Position und kann den Pass nicht verhindern“, meinte Löw nach der Partie.

Doch die Defensive ist nicht das einzige Problem: Löws Offensive zündet ebenfalls noch nicht. Zwar hatten die DFB-Angreifer 16 Schüsse, zweimal Aluminium – aber wieder nur ein Tor. „Wir haben uns gute Chancen herausgespielt, machen uns das Leben ohne den zweiten Treffer aber schwer.“ Daran hat auch Löws stures Festhalten an der Dreierkette seinen Anteil.

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