Für Übertragung bei Eriksen-Drama ZDF muss Kritik einstecken, aber Sender wehrt sich

Foto_Dänemark

Die EM-Partie zwischen Dänemark und Finnland wurde trotz des dramatischen Vorfalls rund um Christian Eriksen fortgesetzt. 

Mainz/Kopenhagen – Der schlimme Vorfall um Dänemark-Star Christian Eriksen (29) hat den ersten Samstag der EM 2021 überschattet. Das ZDF hat daraufhin Kritik einstecken müssen, nicht angemessen über den Zusammenbruch des Spielmachers berichtet zu haben. Auch für ZDF-Kommentator Bela Rethy (64) war es ein sehr emotionaler Tag am 12. Juni.

  • ZDF muss Kritik nach Übertragung bei Eriksen-Schock einstecken
  • Sender wehrt sich gegen Kritik
  • ZDF-Kommentator Bela Rethy hatte „die bisher härteste Übertragung“ seiner Karriere

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann (55) hat die Kritik, nicht angemessen über den Eriksen-Schock beim Spiel gegen Finnland (0:1) berichtet zu haben, zurückgewiesen.

ZDF weist Kritik zurück: „Verantwortungsvoll umgegangen“

„Das ZDF ist mit dem tragischen Zwischenfall beim Spiel Dänemark-Finnland verantwortungsvoll umgegangen. Béla Réthy hat einfühlsam aus dem Stadion reportiert, die Kollegen im Studio die richtigen Worte gefunden. Ich kann auch keine Kritik an der internationalen Regie der UEFA üben. Als sich das Ausmaß der schweren Verletzung abzeichnete, gab es keine Naheinstellungen oder andere unpassende Bilder“, sagte Fuhrmann.

Zuvor hatte Frank Überall (50) als Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) Kritik geübt. „Ich finde es unerträglich, dass bei der Live-Übertragung im Fernsehen lange Zeit die Reanimation des Fußballers gezeigt wurde. Das ist unverantwortlich und widerspricht der journalistischen Ethik“, sagte Überall und fügte hinzu: „Journalismus darf nicht derart voyeuristisch sein. Das ZDF ist in der Pflicht, diese eklatante Fehlentscheidung aufzuarbeiten.“

Es gab aber auch Lob für den Mainzer Sender, Twitter-User @lukas_son schrieb: „Großartig zu sehen wie empathisch @jochenbreyer, @mertesacker, Christoph Kramer, Béla Réthy und das @ZDF in Zeiten von Clickbait und Sensationsgeilheit mit der Situation um #Eriksen umgegangen sind. Hier gewinnt das Persönlichkeits- vor dem Exklusivrecht.“

EM 2021: Eriksen kollabiert – auch BBC in Großbritannien muss Kritik einstecken

Christian Eriksen war kurz vor der Halbzeit kollabiert und regungslos liegen geblieben. Sanitäter leiteten lebensrettende Maßnahmen ein. Nach über einer Stunde gab es Entwarnung. Der 29-Jährige ist inzwischen bei Bewusstsein und befindet sich im Krankenhaus. Das ZDF und Magenta TV hatten ihre Übertragungen aus dem Stadion in Kopenhagen vorübergehend unterbrochen.

Kritik gab es auch in Großbritannien an der BBC-Übertragung, woraufhin der Sender reagierte: „Wir entschuldigen uns bei allen, die sich darüber aufgeregt haben, dass die Bilder ausgestrahlt wurden. Die Übertragung im Stadion wird von der UEFA als Gastgeber kontrolliert. Sobald das Spiel unterbrochen wurde, haben wir unsere Berichterstattung so schnell wie möglich abgeschaltet.“

Eriksen kollabiert bei EM 2021: Bela Rethy hatte „die bisher härteste Übertragung“ seiner Karriere

Auch für ZDF-Kommentator Bela Rethy war der Tag dieser EM 2021 alles andere als einfach, sogar die bisher schwierigste Situation seiner Karriere wie er selbst sagt: „Das war für mich emotional die bisher härteste Übertragung“, sagte der 64-Jährige. Er sei anfangs weniger Reporter gewesen und mehr „ein Mensch, der mitempfindet“.

Rethy weiter: „Das war schon das negativste Gefühl, das ich je bei meiner Arbeit hatte.“ Der seit Jahrzehnten bei großen Turnieren arbeitende Journalist musste nach der Unterbrechung des Spiels und der Übertragung beim Wiederanpfiff wieder hinter das Mikrofon. „Das war eine große Herausforderung, als es weitergehen sollte“, berichtete der ZDF-Mann. „Man muss mit jedem Wort aufpassen. Auf solche Situationen kann man sich nicht vorbereiten.“ (dpa)

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