Das Eriksen-Drama und der Verband Die UEFA hat sich aus der Verantwortung gestohlen

Eriksen_Fan_Trikot

Ein Fan hält beim Spiel Dänemark gegen Finnland am 12. Juni 2021 ein Trikot von Christian Eriksen nach dem schlimmen Vorfall nach oben.

Kopenhagen – Fußball-Europa stand am Samstag, 12. Juni, unter Schock. Die dramatischen Bilder vom Kampf um Christian Eriksens (29) Leben auf dem Rasen des Stadions in Kopenhagen konnten niemanden kalt lassen, ein ganzer Kontinent bangte mit dem Star der dänischen Nationalmannschaft und seinen Mitspielern, die sich schützend um ihn stellten, damit die Kameras nicht zu viel einfangen konnten. Und die weite Mehrheit der Fans dürfte völlig überrascht gewesen sein, als plötzlich die Nachricht kam: Die spielen weiter!

Es wurde kein Fußball-Spiel, sondern eine Farce, nicht mal die Finnen konnten sich über den ersten EM-Sieg ihrer Historie freuen. Dieses Spiel hätte niemals an diesem Tag fortgeführt werden dürfen. Doch die UEFA stahl sich aus der Verantwortung, ließ die Teams entscheiden. Und dürfte froh gewesen sein, dass die Show weiterging. Doch dem Turnier fügte sie damit einen vielleicht unwiederbringlichen Schaden zu, meint unser Autor in seinem Kommentar.

EM 2021 im Schatten der Pandemie unter keinem guten Stern, Eriksen kollabiert

Diese Europameisterschaft steht unter keinem guten Stern. Die Verschiebung um ein Jahr durch die Pandemie, die lediglich halbleeren Ränge, Spaniens Corona-Fälle vor dem Turnier, die schon früh zeigten, an welch dünnem Faden die ganze Veranstaltung hängt und wie leicht ein Ausbruch bei einem Team den ganzen Turnierplan auseinanderhebeln könnte.

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Und dann diese 44. Minute im Kopenhagener Parken: Christian Eriksen bricht ohne Einwirkung eines Gegenspielers zusammen, während die Ärzte um sein Leben kämpfen sieht man die pure Verzweiflung in den Augen seiner Mitspieler. Während sie einen Ring um den Star von Inter Mailand bilden, versucht Kapitän Simon Kjaer dessen Lebensgefährtin tröstend am Spielfeldrand vor einem völligen Zusammenbruch zu bewahren.

Christian Eriksen wollte, dass Dänen weiterspielen: UEFA legt Entscheidung in Hand der Mannschaft

Niemand hätte sich in diesen Minuten vorstellen können, dass dieses Spiel noch an diesem Tag fortgesetzt wird – und es hätte auch nicht fortgesetzt werden dürfen. Aber sie spielten dann doch. Warum? Die UEFA hatte die Entscheidung in die Hände der Teams gelegt.

Weil Eriksen in der Klinik ansprechbar war und offenbar auf eine Fortführung drängte, entschied man sich, die Partie noch am gleichen Tag zu beenden, was natürlich für die Organisatoren viele Probleme löste.

Aber darf man einem traumatisierten Team so eine Entscheidung in die Hände legen? Darf man sie einen Menschen fällen lassen, der gerade dem Tod von der Schippe gesprungen war, der aber gar nicht abschätzen kann, wie seine Kollegen um ihn herum das miterlebt haben?

Nein, man darf das nicht. Das ist ein Stehlen aus der Verantwortung und es zeigt, dass am Ende immer das Credo gilt: „The show must go on.“

Erinnerung an den Anschlag auf den BVB-Bus 2017

Als deutscher Fußball-Fan fühlte man sich auf fatale Weise an den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund 2017 erinnert, als die UEFA das Spiel schon am Folgetag neu ansetzte. Gegen den erheblichen Widerstand aus der Dortmunder Mannschaft, das Gros der Spieler wollte nicht spielen.

Damals sagte DFB-Psychologe Hans-Dieter Herrmann (61) in der „Sport Bild“ über das Spiel am Tag danach: „Aus psychologischer Sicht ist diese schnelle Neuansetzung zumindest eine heftige Überforderung für jeden der unmittelbar dabei war. Das Motto: ‚Je schneller zurück, umso besser für den Kopf‘ funktioniert hier nicht.“

Kasper Hjulmand über Eriksen: „Wir haben einen Freund um sein Leben kämpfen sehen“

Und so war das auch im Parken zu Kopenhagen. „Wir haben einen Freund um sein Leben kämpfen sehen. Das macht etwas mit einem“, sagte Trainer Kasper Hjulmand (49) nach der Partie und auch ihm standen wieder die Tränen in den Augen.

Den Dänen versagten dann logischerweise auf dem Feld die Nerven, die Partie ging mit 0:1 verloren, sportlich und psychologisch dürfte das Turnier für die Skandinavier gelaufen sein. Dass die auflagenstärkste Zeitung „BT“ allen Profis die Bestnote für die Partie gab, zeigt, dass es an dem Gespür für die Unmöglichkeit der Situation bei vielen Menschen nicht mangelt, offenbar aber bei den Machern der UEFA. Die haben sich aus der Verantwortung gestohlen – und diesem Turnier damit einen kaum wiedergutzumachenden Schaden zugefügt.

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