Corona in NRW Inzidenz nähert sich  kritischer Grenze – absoluter Hotspot liegt mitten im Rheinland

Chaos vor DEL-Start Profis flüchten: Fans entsetzt vom EC Hollywood am Rhein

Haie gegen Krefeld1.12.

Bei den Krefeld Pinguinen geht es vor dem DEL-Start am 17. Dezember 2020 drunter und drüber. Das Foto zeigt eine Szene aus dem Spiel bei den Kölner Haien im Januar 2020 in der Lanxess-Arena.

Krefeld – Eigentlich wollten die Krefeld Pinguine das Image des Chaos-Klubs loswerden. „Weg vom EC Hollywood“ – so hatte der deutsche Eishockey-Meister von 2003 in einer Pressemitteilung vor einer Woche die neue Marschroute angekündigt. 

Dem neuen Namen macht der Chaos-Klub aber weiter alle Ehre – nach der Flucht des Geschäftsführers, einem Streik der Spieler und dem überstürzten Abschied des Trainers mit immer neuen Peinlichkeiten.

DEL: Krefeld Pinguine verlieren Leistungsträger

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Konkurrent in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) einen Neuzugang aus Krefeld präsentiert: Zuletzt verabschiedeten sich Wade Bergman (30) und Ex-Nationalspieler Kai Hospelt (35), zuvor war bereits unter anderem Kapitän Torsten Ankert (32) nach Iserlohn gewechselt.

Stürmer Eugen Alanov (25) meinte nach seinem Abgang nach Düsseldorf: „Vielleicht kann ich jetzt wieder besser schlafen.“

Seit der Deutsch-Russe wie viele andere Neue im September einen Vertrag in Krefeld unterschrieben hatte, erlebte er ein Stück aus dem Tollhaus. Erst flüchtete Geschäftsführer Roger Nicholas (62) aus der Verantwortung, dann setzte der neue Schweizer Investor Stefano Ansaldi den erst 24-jährigen Sergey Saveljev, eigentlich als Chefscout vorgesehen, als dessen Nachfolger ein.

Krefeld Pinguine: Zahlreiche Transfers trotz Corona

Der Saisonstart der DEL wurde wegen Corona verschoben, für das Vorbereitungsturnier MagentaSport Cup verpflichtete Saveljev aber munter zusätzliche Spieler – sehr zum Unmut von Ankert und Co., die angesichts der Pandemie um ihre berufliche Zukunft fürchteten. 

Erst als die DEL-Zentrale die Krefelder daran erinnerte, dass für die zweimal verschobene Saison mit Geisterspielen ab 17. Dezember die Kosten drastisch gesenkt werden müssten, berief der neue Geschäftsführer Hals über Kopf eine Teamsitzung ein.

Krefeld Pinguine ohne Trainer und NHL-Talent Dominik Bokk

Zusätzlichen Gehaltsverzicht, den die anderen Klubs längst vereinbart hatten, forderte Saveljev zu nächtlicher Stunde in der Kabine.

Die Spieler streikten vor dem Spiel am nächsten Abend und verweigerten das Aufwärmprogramm – auch weil ihr Gehalt noch nicht ausgezahlt worden war. 

Fünf Tage später warf Trainer Glen Hanlon (63) das Handtuch, mehrere Spieler verschwanden gleich mit. Das NHL-Toptalent Dominik Bokk (20), das die Pinguine mit viel Trara verpflichtet hatten, war da schon lange wieder weg.

Krefeld Pinguine im Streit mit Daniel Pietta

Zu allem Überfluss streitet sich der Klub auch noch mit seinem einstigen Aushängeschild Daniel Pietta (33) vor dem Arbeitsgericht. Der Zehn-Jahres-Vertrag, den der Nationalspieler 2015 erhielt, sei eigentlich nur ein Arbeitspapier, das jährlich verlängert werden müsse, argumentierten die Pinguine nach der Kündigung. 

Das sah nicht nur Richterin Monika Lepper-Erke anders, die von einem ausstehenden Gehalt von einer Million Euro brutto ausging und als Vergleich 350.000 Euro vorschlug. Saveljev war wenig begeistert und verweigerte Pietta erst einmal die Freigabe für seinen neuen Klub ERC Ingolstadt.

Krefeld Pinguine: Fanprojekt will „kein Mitleid mehr von den Gegnern”

Wie groß die finanziellen Probleme in Krefeld sind, weiß niemand genau. „Alles gut“, betonte Saveljev immer wieder. Es gebe „momentan keinen Anlass, Zweifel am Haushaltsplan zu hegen“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke (52).

Wer überhaupt die Rechnungen bezahlt, ist offen. Ansaldi, der mit seinem Einstieg im April dem umstrittenen russischen Geldgeber Michail Ponomarew folgte und die Insolvenz abwendete, tauchte nie auf und äußerte sich auch nie öffentlich.

Die Fans haben von ihrem „EC Hollywood“ längst die Nase voll. Die Verantwortlichen sollten dafür sorgen, „dass wir kein Mitleid mehr von den Gegnern abkriegen. Dass wir nicht mehr jede Freakwertung der Liga gewinnen“, schrieb das Fanprojekt in einem offenen Brief und forderte, dass „die Pinguine nicht zur undurchsichtigen Ego-Show verkommen“. (sid, bl)

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