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Fastfood, Süßigkeiten und Co. Schluss mit dem klebrig-süßen Werbedauerfeuer

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Fastfood und Süßigkeiten können in Deutschland bislang uneingeschränkt beworben werden. Kinder werden so bereits im frühen Alter zu ungesundem Essen hingezogen. Das Symbolfoto stammt vom 15. Januar aus einem Imbiss in Baden-Württemberg.

Berlin – Übergewicht ist ein oft ignoriertes gesundheitliches Problem und in Corona-Zeiten potentiell besonders gefährlich. Die Politik in Deutschland lässt den Herstellern von Zucker- und Fettbomben zu viel Spielraum. In diesem Fall könnte man sich von Boris Johnson tatsächlich mal was abschauen. Ein Kommentar von Christian Burmeister.

Werbung für Zigaretten und harten Alkohol verboten, zu viel Zucker und Fett aber auch gesundheitsgefährdend

Warum ist im deutschen Fernsehen die Werbung für Zigaretten und harten Alkohol verboten, für Junkfood aber selbstverständlich? Zucker- und Fettbomben können bei übermäßigem Genuss durch starke Gewichtszunahme ähnlich große Gesundheitsschäden und Folgekosten verursachen, wie es die beiden klassischen Rauschmittel tun.

Der einzige Unterschied ist, dass Junkfood seine schädliche Wirkung dann besonders stark entfaltet, wenn es auf Bewegungsmangel trifft.

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Boris Johnson verbannt Werbespots für beispielsweise Süßigkeiten in die Abendstunden

Ausgerechnet Briten-Premier Boris Johnson, vom dem sonst wenig Vernünftiges kommt, setzt in diesem Punkt neue Standards: Er verbannt im Königreich Werbespots für solche Produkte in die späten Abendstunden.

Nicht nur, aber vor allem, um Kinder vor dem klebrig-süßen Werbedauerfeuer durch Nestlé, McDonald’s & Co. zu beschützen. Kinder haben eine besonders schlechte Gesundheitsprognose, wenn sie schon in frühen Jahren mit Übergewicht zu kämpfen haben – und Übergewichtige ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Corona-Verlauf.

Staat muss Prävention anbieten und Unternehmen Grenzen ziehen

Selbstverständlich kann der Staat im Kampf gegen die gesundheitsgefährdenden Kilos nicht alles regeln. Es gibt auch eine individuelle Verantwortung, Erwachsene tragen sie für sich selbst und für ihre Kinder.

Aber der Staat kann Präventionsangebote machen und Rahmenbedingungen für Unternehmen setzen. Im ersten Punkt ist Deutschland ganz gut aufgestellt, im zweiten katastrophal. Das politische Feigenblatt ist aktuell die Lebensmittelampel, die die Industrie freiwillig auf ihre Fertigprodukte und Süßigkeiten klebt – oder eben nicht.

Politik muss für genauere Besteuerung bei Lebensmitteln sorgen

Das genügt selbstverständlich nicht. Die Politik muss das Problem viel entschlossener und grundsätzlicher angehen. Immerhin lassen die Grünen eine große, die Union eine grundsätzliche Bereitschaft dazu erkennen.

Zu sinnvollen Maßnahmen würde neben Werbeeinschränkungen für Junkfood eine zielgenauere Besteuerung bei gesunden und ungesunden Lebensmitteln sowie eine angemessene Vergütung von Ärzten für Lebensstil- und Ernährungsberatung zählen.

Und in diesen Zeiten muss man es ja sicherheitshalber dazu sagen: Mit einer “Gesundheitsdiktatur” hätte all dies nichts zu tun. Die Freiheit, alles zu konsumieren, bliebe bestehen, nur die äußeren Anreize würden sich ändern. Nein, Korrektur: Die äußeren Anreize müssen sich ändern! (RND)

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