Die Beichte der Toten Hosen So krochen wir aus dem Drogensumpf

Hosen-Frontmann Campino hat so einiges eingeschmissen - früher.

Hosen-Frontmann Campino hat so einiges eingeschmissen - früher.

Düsseldorf - „Die Jahre ziehen ins Land, und wir trinken noch immer ohne Verstand...“ - „Bis zum bitteren Ende“ heißt der Titel, mit dem die Toten Hosen den Fans einen Einblick in ihre Trinkgewohnheiten gaben. Alkohol - Ende der 80er Jahre ist das nur der flüssige Teil einer ziemlich großen „Band-Apotheke“.

Der EXPRESS schrieb damals: „Tote Hosen versinken im Drogensumpf.“ Breiti erinnert sich: „Es gab unglaubliche Partys. Und immer reichlich Drogen. Speed, Gras, LSD.“

Später Kokain. Campino: „Es wurde gesnifft und gelöhnt, schnell war ein neuer Fünhunderterschein fällig.“ Wer nicht mitmachte, wurde nachts rigoros aus dem Bett geholt. Campino: „Es herrschte da so ein komischer Cliquendruck. Jeder, der nicht mitfeierte, war eine Muschi.“

Anfang der 90er Jahre spitzt sich die Situation zu. Die Band merkt: So geht‘s nicht weiter. Kuddel: „Besonders ich war gemeint. Ich konnte das Gemecker erst gar nicht verstehen. Was hatten die plötzlich gegen das Koksen? Ich hatte damit keine Schwierigkeiten. Genau das war das Problem, dass ich selber damit kein Problem hatte. Es dauert, bis man das kapiert.“

Bei einem Konzert in der Schweiz ist die Band so dicht, dass sie ihre eigenen Stücke nicht mehr spielen kann. Campino: „Es war erbärmlich.“ Er ist der erste, der eine Vollbremsung macht: „Gezwungenermaßen. Weil mir klar wurde, dass dieser Job brettharte Arbeit ist.“ Um ihn zu schützen, wird er aus dem Tourbus verbannt, darf immer erst kurz vor dem Auftritt in die Bandgarderobe. Nach dem Konzert ist er wieder allein. Während die anderen munter feiern.

Campino: „Plötzlich war ich der Einzige, der nüchtern war, musste mir anhören, was die für einen Scheiß auf der Bühne spielten.“

Der Tiefpunkt ist erreicht. Campino will nicht mehr. Die Band geht in Klausur. Es gibt knallharte Debatten, dann reißen sie sich noch einmal zusammen. Campino: „Aber es hat mehrere Jahre gedauert, bis der Punkt erreicht war, an dem jeder einsichtig wurde.“

Seit langem stehen Koks und Speed auf dem Index. Teamgeist ist angesagt. Campino: „Wer das Zeug nimmt, macht sich vor den anderen strafbar.“ Kuddel rührt seit dieser Zeit weder Alkohol noch andere Drogen an: „Nur Zigaretten.“ Und die anderen? „Wir passen auf uns auf. Aber benebelt auf der Bühne geht gar nicht.“

1989 sagte Campino im EXPRESS: „Ihr könnt ja so gut Schlagzeilen machen. Macht mal in 20 Jahren eine unter dem Motto: So krochen wir aus dem Drogensumpf.“ Campino, die Zeile kannst du heute kriegen!

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