Biontech, Moderna, Astrazeneca Was die Corona-Impfstoffe voneinander unterscheidet

Biontech_Moderna

Der zweite Corona-Impfstoff hat das „Go“ bekommen. Jedoch unterscheiden sich die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer in gewissen Bereichen.

Berlin – Endlich! Die Europäische Kommission hat nach der bedingten Zulassung für das Produkt von Biontech/Pfizer auch dem Impfstoff des US-Herstellers Moderna eine solche Genehmigung erteilt. Seit Kurzem ist auch der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca in Deutschland zugelassen.

Nun stellt sich die Frage, wo die drei Impfstoffe Unterschiede und wo Gemeinsamkeiten haben?

Biontech, Moderna und Astrazeneca: Corona-Impfstoffe im Vergleich

Wie sind die Impfstoffe gebaut?

Bei den Mitteln von Biontech und Moderna handelt es sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. In dem Begriff steht das „m“ für messenger und „RNA“ für ribonucleic acid (Deutsch: Ribonukleinsäure). Vorher wurde noch kein Impfstoff dieser Art für den Menschen zugelassen. Mit der mRNA enthalten die Impfstoffe die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers.

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Die Covid-19-Impfstoffe im grafischen Vergleich: Das sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca

Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen das Virusprotein her. Gegen dieses entwickelt der Körper seine Immunantwort. Die mRNA wird dabei nicht in das Erbgut des Menschen eingebaut.

Astranzenecas Mittel ist ein Vektorimpfstoff: Es beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Auch hier bilden die Zellen mit Hilfe der Bauanleitung das Protein und der Körper entwickelt eine Immunantwort.

Wie gut wirken die Impfstoffe?

Die Mittel von Biontech und Moderna haben bisher hohe Grade bei der Wirksamkeit erzielt. Das US-Unternehmen Moderna hatte Ende November mitgeteilt, dass sein Impfstoff eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent besitze – gemessen 14 Tage nach der zweiten Dosis.

Der Pfizer-Impfstoff zeigte eine fast identische Wirksamkeit von 95 Prozent – hier waren es sieben Tage nach der zweiten Dosis. Die Zahlen beziehen sich auf die bisher durchgeführten Phase-3-Studien.

Das Mittel von Astrazeneca wies in Studien eine geringere Wirksamkeit von etwa 70 Prozent auf. Dafür ist es aber vergleichsweise leicht zu handhaben. Die EU-Arzneimittelagentur EMA schloss zunächst allerdings nicht aus, dass der Impfstoff nur für bestimmte Altersgruppen zugelassen wird, da für Ältere erst wenig Testdaten vorlägen.

Moderna Impfstoff

Der Impfstoff des amerikanischen Herstellers Moderna ist der zweite in der EU zugelassene Vakzin.

Ob die genannten Zahlen auch bei einem massenhaften Einsatz der Impfstoffe zu erreichen sind, wird sich in einigen Monaten zeigen. Unklar ist auch, wie lange die Impfungen genau schützen und ob der Geimpfte das Virus noch weitergeben kann.

Optimistisch sind Experten, dass die Impfungen auch bei der Coronavirus-Variante B.1.1.7 funktionieren, die in Großbritannien entdeckt wurde und als besonders ansteckend gilt.

Wie oft wird geimpft?

Auch hier gibt es große Übereinstimmungen. Alle drei Impfstoffe erfordern zwei Wirkstoffgaben. Bei Biontech/Pfizer bekommt der Patient im Abstand von etwa drei Wochen jeweils eine Dosis. Beim Produkt von Moderna sind es rund vier Wochen, bei Astrazeneca mindestens vier Wochen. Bei beiden Impfungen sollte stets dasselbe Präparat zum Einsatz kommen.

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff muss vor dem Spritzen mit einer Natriumchlorid-Lösung verdünnt werden. Jede Dosis enthält 30 Mikrogramm Impfstoff. Das Produkt von Moderna wird dagegen bereits gebrauchsfertig geliefert und enthält mit 100 Mikrogramm rund dreimal mehr Impfstoff pro Dosis.

Gespritzt wird jeweils in den Oberarm-Muskel. Der Wirkstoff könne für einige Stunden im Muskel bleiben und der Körper habe so Zeit, ihn zu erkennen und darauf zu reagieren, erklärt der Rostocker Virologe Andreas Podbielski.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

An der Phase-3-Studie von Biontech/Pfizer beteiligten sich etwa 44.000 Teilnehmer, bei Moderna waren es rund 30.000. Unabhängig vom Präparat gaben viele Studienteilnehmer Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit sowie Kopf- und Muskelschmerzen an.

Manche litten auch an Fieber und Schüttelfrost. Im Allgemeinen waren die Nebenwirkungen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit ab. Bei beiden Impfstoffen traten die Begleiterscheinungen öfter bei der zweiten Impfdosis auf. Im Vergleich zu Grippe-Impfstoffen gab es häufigere Nebenwirkungen.

Wer soll nicht geimpft werden?

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff ist für Menschen ab 16 Jahren vorgesehen. Der von Moderna ist ab 18 Jahren gedacht, obwohl das Unternehmen kürzlich damit begonnen hat, seinen Impfstoff bei Zwölf- bis 17-Jährigen zu testen. Der Astrazeneca-Impfstoff ist laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zugelassen.

Eine Impfempfehlung für Kinder ist laut Robert Koch-Institut „noch nicht absehbar“. Studien dazu seien jedoch geplant.

Einigkeit besteht darin, wer nicht geimpft werden soll. Menschen mit einer allergischen Reaktion auf einen der Inhaltsstoffe oder mit schweren allergischen Reaktionen nach einer vorherigen Dosis. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung auch für Menschen mit Immunschwäche – also zum Beispiel bei HIV-Infektionen, Krebserkrankungen oder nach Organtransplantationen.

Wie werden die Impfstoffe gelagert?

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer muss bei minus 70 Grad gelagert werden. In speziell entwickelten Versandboxen kann das Präparat bis zu 15 Tage transportiert werden. Beim Moderna-Impfstoff muss es mit etwa minus 20 Grad Celsius im Vergleich nicht ganz so kalt sein.

Ein großer Vorteil bei Astrazeneca ist, dass man das Vakzin bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad lagern kann.

Unterschiede gibt es auch nach dem Auftauen: Der Pfizer-Impfstoff kann im Kühlschrank gelagert, muss aber innerhalb von fünf Tagen aufgebraucht werden. Der Moderna-Impfstoff ist 30 Tage bei Kühlschranktemperatur und zwölf Stunden bei Raumtemperatur stabil.

Wie teuer sind die Impfstoffe?

Die Preise für die neuartigen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna liegen wahrscheinlich um ein Vielfaches höher als bei dem Mittel von Astrazeneca.

Die belgische Staatssekretärin Eva De Bleeker veröffentlichte die bisher geheim gehaltenen Preise zeitweise auf Twitter. Demnach soll eine Dosis des Moderna-Impfstoffs umgerechnet rund 15 Euro kosten, eine von Biontech/Pfizer 12 Euro, eine von Astrazeneca nur 1,78 Euro. Der Tweet wurde später gelöscht.

Wie viel hat die EU bestellt, wie viel bekommt Deutschland?

Die EU-Kommission hat mit sechs Herstellern Rahmenverträge über die Lieferung von insgesamt 2,3 Milliarden Impfstoffdosen geschlossen – genug für die 450 Millionen Europäer. Von Biontech/Pfizer soll die EU bis zu 600 Millionen Dosen bekommen und von Moderna noch einmal 160 Millionen Dosen. Von Astrazeneca erwartete die EU eigentlich 80 Millionen Impfdosen bis Ende März.

Dass es nun nach EU-Angaben nur 31 Millionen sein sollen, sorgte zeitweise für Streit zwischen Brüssel und dem Hersteller. Nach EU-Angaben will Astrazeneca im ersten Quartal nun aber doch mehr Impfstoff an die Europäische Union liefern als angekündigt. Es kämen neun Millionen Dosen hinzu, also insgesamt 40 Millionen Dosen. Das ist die Hälfte der ursprünglich anvisierten Menge von 80 Millionen Dosen.

Deutschland hat sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 90 Millionen Dosen von Biontech gesichert, von Moderna rund 50 Millionen Dosen. Biontech hat zudem mitgeilt, mehr Dosen liefern zu wollen: Allein Deutschland soll im Frühjahr 14 Millionen Einheiten mehr bekommen. (dpa)

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