Sexblockade Er wäre der Richtige für mich - doch ich habe eine totale Sexblockade entwickelt

Er wäre endlich der Richtige für mich - doch ich habe eine totale Sexblockade entwickelt

Er wäre endlich der Richtige für mich - doch ich habe eine totale Sexblockade entwickelt

Sehr geehrte Frau Poschenrieder!
Ich habe ein sehr großes Problem mich zu binden und sexuell fallen zu lassen. Hier meine Geschichte:
Ich war verheiratet und habe mit meinem Ex-Mann einen gemeinsamen Sohn - wir hatten zu dieser Zeit noch keine Kinder in "Planung". Die Beziehung ist gescheitert und wir reichten die Scheidung ein.
Kurz darauf lernte ich einen Mann kennen, bei dem ich meine sexuelle Erfüllung gefunden habe und wir liebten uns mit Haut und Haaren, doch auch er hat mich verlassen.
Nach 15 Monaten Singledasein entwickelte sich wieder eine Beziehung, diesesmal wurde ich trotz Verhütung schwanger (ich liebe meine beiden Kinder und beide leben bei mir, ich könnte mir die beiden nicht wegdenken). Aber auch diese Beziehung ist (vor einem halben Jahr) wieder auseinander gebrochen.
Daraufhin wollte ich meine Ruhe und keine Bindung mehr eingehen. 
Ein alter Freund von mir stand mir in der Zeit nach der Trennung sehr zur Seite und nach und nach entwickelte sich eine engere Freundschaft. Er (47) gestand mir, daß er mich begehre und liebe. Ich fühlte mich geschmeichelt, doch für gemeinsamen Sex war ich nicht hundertprozentig bereit, und doch kam es eines Abends dazu. Ich bin sehr zurückhaltend und bescheiden, was das Thema Sex und Sexpraktiken betrifft, habe aber die Experimentierfreudigkeit seinerseits probiert und mitgemacht, ich war auch neugierig. Doch je öfter wir miteinander schliefen, desto weniger fühlte ich mich wohl. Ich sagte ihm, daß ich im Moment keine Lust habe und Zeit brauche. 
Sex interessiert mich zur Zeit überhaupt nicht, ich habe das Gefühl, ich käme auch ohne Sex aus. Diese Veränderung hat sich innerhalb von 5 Wochen abgespielt. Mittlerweile ist es soweit, daß ich körperliche Nähe (mich an ihn anlehnen) noch annehmen kann, doch sobald irgendwie das Thema Sex sich anbahnt (Blicke, Bemerkungen, Gesten), legt es mir den "Schalter" um und ich blockiere komplett. Ich kann nicht, es kommt mir so vor, als würde sich eine Wand aufstellen, die für mich unmöglich ist zu überwinden. Der Gedanke an Sex bringt nur Druck für mich mit sich. Sämtliche Gespräche enden letztendlich immer in einer heftigen Diskussion über unverständnis seinerseits (welches ich auch bis zu einem gewissen Grad verstehen kann) und Nicht-Können meinerseits. Ich könnte alles haben von ihm, er würde alles tun für mich und meine Kinder, er wäre der Mann, den man sich als Alleinerziehende mit zwei Kindern nur wünschen kann, und es scheint so, als würde alles wegen meiner sexuellen Unlust kaputt gehen.
Ich möchte ihn nicht verlieren, aber Sex kann ich ihm nicht (nicht mehr) geben.
Ich weiß nicht weiter in Bezug auf:
- wie lange kann so etwas dauern?
- wie lange kann ein Mann das durchstehen, wenn Sex in der Beziehung eine sehr große Rolle für ihn spielt?
- gibt es eine möglichkeit, ihm dieses (mein) Verhalten zu erklären?
- WAS KANN ICH TUN???
Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und Hilfe 
Tina (40)
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Liebe Tina,
ich hätte noch Fragen...
1) Sie sagen: >>Ich habe ein sehr großes Problem mich zu binden und sexuell fallen zu lassen<<
Betrifft das nur den aktuellen Partner, oder war das auch schon bei anderen Männern so, mit denen Sie eine ganz normale, beständige Partnerschaft hatten?
2) >>... habe aber die Experimentierfreudigkeit seinerseits probiert und mitgemacht<<
Würden Sie mir verraten, was Sie da alles mitgemacht haben?
3) Die jetzige sexuelle Blockade: Woran denken Sie und welche Vorstellungen verknüpfen Sie damit, wenn „irgendwie das Thema Sex sich anbahnt“?
Besteht die Blockade gegen jeglichen Sex mit ihm, oder gegen die Praktiken, die Sie sonst nicht machen?
4) Wäre er auch mit ganz normalem, „harmlosem“ Sex zufrieden, und könnten Sie dann evtl wieder mit ihm schlafen?
Herzlichst
Beatrice
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Liebe Beatrice,
danke für Ihre Antwort - nun
1) ... bei den anderen Männer hatte ich dieses Problem nicht so ausgeprägt, aber es war schon da; dazu muss ich sagen, dass die Sexpraktiken bei meinem ersten und dritten Partner ganz "normal“ waren (ich unten er oben), bei meinem zweiten Partner hatte ich dieses Problem überhaupt nicht (wir haben auch andere Stellungen ausprobiert und ich konnte mich total fallen lassen und den Sex genießen) und bei dem aktuellen Partner ist das Problem sehr ausgeprägt und ich könnte mir auch noch nicht vorstellen mit einem anderen Mann Sex zu haben, irgendwie ekelt es mich, wenn ich an Sex denke, obwohl der derzeitige Partner ein sehr gepflegter Mensch ist und viel auf sein Äußeres legt.
2) ... es ging los bei den verbalen Ausdrücken (ficken, vögeln,..) welche ich nur unter großen Unbehagen aussprechen kann, er leckt mich und küsst mich so naß, daß ich mich nicht wohl dabei fühle, wir waren im Sexshop, um Sexspielzeug zu besorgen, am liebesten wäre ich noch unter der Tür davon gelaufen; ich fühle mich auch absolut unwohl, wenn beim Sex das Licht an ist;
3)... die Blockade besteht gegen jeglichen Sex mit ihm, ich denke nicht, daß es nur an den Praktiken liegt, denn er möchte, daß ich ihm sage, was mir gefällt und was nicht - er versucht wirklich einfühlsam zu sein;
wenn sich das Thema Sex anbahnt denke ich: "Bitte nicht - ich kann noch nicht und ich will nicht mehr."
4)... ich denke schon, daß er mir zu Liebe eine Zeit lang mit "harmlosen" Sex zufrieden wäre, doch er würde sehr schnell mehr als nur "harmlosen" Sex wollen und ich will ihn nicht immer zurückweisen und ablehnen müssen.
Vielen Dank - liebe Grüße, Tina
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Liebe Tina,
also - wo fangen wir an?
Sie fragen: 
>>Wie lange kann so etwas dauern?<<
Sie meinen, diese Unlust und sexuelle Blockade gegen Ihren aktuellen Partner sei nur eine vorübergehende Phase? Wahrscheinlich nicht. Ich vermute: Wenn er sich radikal zurückzöge (Trennung oder Trennung auf Zeit), dann könnten Sie wieder mit ihm schlafen. Warum, erkläre ich weiter unten.

Ich hoffe, ich verstöre Sie nicht, wenn ich Ihnen vorab schon mal etwas klar mache... Sie schreiben: 
>>dass die Sexpraktiken bei meinem ersten und dritten Partner ganz "normal“ waren (ich unten er oben)<<
Nun ja, so wirklich „normal“ ist das in Ihrem Alter nicht, denn das ist sehr reduzierter Sex, wie ihn nur sehr wenige Leute haben. Die meisten Leute haben eher Sex, der in die Richtung geht, wie Ihr jetziger Freund ihn mag: so lustvoll, dass man auch viele Variationen und Spielarten einfügt und dass einem in der Erregung auch mal Worte aus dem Mund strömen wie „ficken“ und „vögeln“ oder ähnliches.
Dieser reduzierte Sex ist eher ein Zeichen, dass Sie Angst vor großer sexueller Lust und Hingabe haben, die  in der Erregung eben auch mal zu „Geilheit“ wird: das anständige Denken ist abgestellt, man lässt sich gehen. Das heißt: Mitten im Sex ist man sozusagen eine andere Person als im Alltag, was ja an sich auch kein Problem darstellt, denn die meisten Menschen können sehr schnell zwischen diesen beiden Zuständen hin und her switchen. Sie hingegen haben vermutlich verschiedene Ängste, was die sexuelle Hingabe und das Sich-Gehen-Lassen betrifft.
Nicht von ungefähr schreiben Sie gleich zu Beginn:
„Ich habe ein sehr großes Problem mich zu binden und sexuell fallen zu lassen.“
Vermutlich hängt das bei Ihnen zusammen. Vielleicht glaubt Ihr „Unterbewusstsein“, dass der Mann die totale Kontrolle über Sie gewinnen könnte, wenn Sie ihm regelmäßig Sex geben und sich dabei auch noch fallen/gehen lassen - oder etwas Ähnliches - und dass dann etwas Schlimmes / sehr Unangenehmes mit Ihnen passieren würde. Vielleicht etwas ähnlich Unangenehmes, wie Sie in der Kindheit erlebt haben? Was das genau sein könnte, weiß ich nicht (da ich Sie nicht näher kenne), denn das können sehr unterschiedliche Erfahrungen sein: z.B. dass ein Elternteil zu wenig auf Sie geachtet hat und Sie mussten sich fast immer seiner Willkür beugen; oder dass er unberechenbar war, sodass Sie eine feste Bindung nie als etwas Sicheres und Beruhigendes erlebt haben; oder dass Sie körperlich missbraucht wurden (Schläge, Gewalt, Eingesperrtwerden, sexueller Missbrauch o.a.) oder emotional missbraucht wurden (z.B. dass die Mutter manipulativ war oder Sie für sie mehr da sein mussten als sie für Sie). Vielleicht haben Sie auch in Ihrer Kindheit mitgekriegt („gelernt“), dass eine feste Bindung eher Ungemach als Freude mit sich bringt, oder dass eine Frau nur verlieren kann, wenn sie sich einem Mann sexuell und bindungsmäßig hingibt.

Da Sie jetzt einen Partner haben, der wirklich ein toller Mann und „der Richtige“ zu sein scheint, und da es schade ist, dass Sie mit ihm nicht lustvollen Sex genießen können, sondern im Gegenteil die Sexualität als Blockade zwischen Ihnen steht, möchte ich Ihnen raten: Geben Sie diesen Mann nicht auf, sondern legen Sie sich ins Zeug, an Ihren Kindheits-Themen zu arbeiten. Das bedeutet keineswegs, dass Sie sich je „zwingen“ sollten, gegen Ihren Willen Sex zu haben oder bestimmte Praktiken auszuüben. Sondern durch das Bearbeiten der Themen werden Sie mehr innere Sicherheit und Festigkeit gewinnen, aus denen heraus es sich gut anfühlen wird, sich mehr auf ihn einzulassen - oder auch Ihre eigene Form von körperlicher und emotionaler Bindung zu entwickeln und mit ihm zu leben.
Da Ihre Blockade sehr groß ist, rate ich Ihnen, sich beim Bearbeiten von einer Therapeutin helfen zu lassen, denn dann geht es viel schneller und besser als in Eigenregie; wenn es nämlich zu lange dauert, könnte es ja in der Zwischenzeit passieren, dass Ihre Beziehung kaputtgeht (z.B. weil sie den inneren Druck nicht mehr aushalten). Das wäre schade. Sprich, es lohnt sich auf jeden Fall, fachliche Hilfe zu suchen.
Um sich an die Themen heranzutasten und schon vorbereitet für die fachliche Hilfe zu sein (spart Geld!), lege ich Ihnen zwei Bücher ans Herz:
- „Sexbewusstsein“ von mir 
- „Jein!“ von Stefanie Stahl

>>Wie lange kann ein Mann das durchstehen, wenn Sex in der Beziehung eine sehr große Rolle für ihn spielt?<<
Schwer zu sagen. Machen Sie sich darüber möglichst nicht so viele Gedanken, denn damit setzen Sie sich noch mehr unter Druck und die Blockade wird größer statt kleiner.

>>Gibt es eine Möglichkeit, ihm dieses (mein) Verhalten zu erklären?<<
Ja, aber dafür müssen Sie sich sehr gründlich mit sich selbst und Ihren Ängsten auseinandersetzen. Und sich trauen, dazu zu stehen.

Herzlichste Grüße
Beatrice Poschenrieder

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