Streik bei Eurowings Köln und Düsseldorf: Viele Ausfälle an NRW-Airports

Irrer Preiskampf Fliegen ist billiger als Bier am Ballermann – Kunden sind angewidert

Ryanair_Symbolbild_Flugzeug

Ryanair bietet Flüge an, die billiger sind als ein normales Einzelticket für die Straßenbahn.

Palma de Mallorca – So billig war ein Flug zum Ballermann noch nie! Wer im November und im Dezember nach Mallorca fliegt, kann billiger wegkommen als bei einer Fahrt mit der Straßenbahn. Ryanair bietet derzeit Flugpreise ab 1,94 Euro (!) pro Strecke an. So günstig ist selbst ein Bier am Ballermann nicht (kostet um die 2,90 Euro).

Was für ein Preiswahnsinn! Wer am 27. November ab Berlin Schönefeld nach Palma fliegt, zahlt für eine Tour 1,94 Euro. Ab Frankfurt sind es Ende November 2,92 Euro, ab Hamburg und Köln 9,78 Euro. Wer aus Düsseldorf fliegt, zahlt Minimum 6,86 Euro.

Dazu kommt natürlich der Rückflug: Von Palma nach Berlin geht es am 4. Dezember für nochmals 1,94 Euro zurück (Stand: Mittwochabend) – wären entspannte acht Tage am Strand. Klar, dass die Plätze sehr beliebt sind und die Super-Billig-Flüge schnell ausgebucht sind. Denn der Trip nach Malle kostet derzeit gerade mal so viel wie ein Döner: 3,88 Euro.

Alles zum Thema Ryanair

Bezahlen muss man dann allerdings jede Zusatzleistung, die man haben möchte. Denn bei Ryanair zahlt man nicht nur für eine Sitzplatzreservierung extra: mindestens 12 Euro hin und zurück. Noch mal 12 Euro kostet es, wenn man neben dem Handgepäck eine 10-Kilo-Tasche mitnimmt. Macht dann insgesamt 27,98 Euro.

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Nicht nur Ryanair dreht an der Preisschraube, auch Eurowings wirbt derzeit mit Flügen um die 20 Euro Richtung Mallorca, ab fast allen Eurowings-Airports.

Und nicht nur Palma de Mallorca steht derzeit auf der Billig-Flugziel-Liste, sondern auch Faro in Portugal, Barcelona (beide ab 12,73 Euro) oder Teneriffa (ab 19,60 Euro).

Aber Flüge für 1,94 Euro - sind das noch Schnäppchen oder ist das schon pervers?

Viele Kunden reagieren angewidert

Vielen Kunden jedenfalls gefällt das Angebot von Ryanair überhaupt nicht. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens gibt es viele böse Kommentare. „Ihr Ausbeuter” heißt es dort, oder “Nicht buchen! Schlechte Airline” „Was ein Schwachsinn. Die ganzen Flüge müssten eher teurer werden. Aber Hauptsache Dieselfahrverbote aussprechen”, meint eine andere Facebook-Nutzerin.

Ein weiterer versucht es mit Ironie: „Der Rückflug kostet fünf Euro? Das ist ja fast doppelt so teuer wie der Hinflug! Wucher!” Auf Twitter fragt ein Kunde: „Öl wird teurer, aber die Flugpreise sind angeblich im Keller. Wie passt dies zusammen” Dazu setzt er das Hashtag #Klimaschutz.

Flug-Experte: „Reine Marketing-Aktion”

Das sei eine reine Marketing-Aktion, erklärt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg: „Ein Grund für die Maßnahme sind aktuell bestimmt die Streiks der letzten Monate, nach denen viele der verärgerten Kunden durch das Rühren der Werbetrommel nun wieder an die Airline gebunden werden sollen.“

Gerade im Winter, außerhalb der Saison, wären die Kapazitäten in den Fliegern mit – für Ryanair typischen – 189 Sitzplätzen entsprechend groß und deshalb eher schlecht ausgelastet, meint Schellenberg.

„Gewinn kommt durch die Zusatzkosten”

Natürlich mache die Airline bei Preisen von 1,94 Euro nur Verluste. „Sollten Passagiere dazu aber noch sechs Euro für das Priority-Boarding zahlen, mehr Handgepäck mitnehmen wollen und im Flieger noch einen Kaffee oder ein Sandwich kaufen, weil der Flug schon um 6 Uhr morgens geht und es vorher kein Frühstück gab, dann geht es wiederum in den Gewinnbereich.“ 

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Alles nur ein Marketing-Trick von Ryanair, meint der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg.

Die Hammer-Preise der Billig-Fluglinien. Gewerkschaften meinen: Den wirklichen Preis zahlen Crewmitglieder und Piloten. Seit Monaten steht der irische Billigflieger Ryanair in der Kritik, Piloten und Flugbegleiter unter zweifelhaften Arbeitsbedingungen zu beschäftigen. Das Unternehmen hatte unter anderem ein System mit selbstständigen Leihpiloten aufgebaut, eine Art Ich-AG für Piloten  – damit sparte Ryanair Millionen.

Auch die Natur zahlt einen hohen Preis: Hier lesen, was wir mit unserer ungebremsten Reiselust anrichten

Massive Kritik am Billigflieger

Doch Piloten und Mitarbeiter wehren sich, immer wieder kommt es zu Streiks in ganz Europa. Allein Ende Juli fielen 250 Flüge an einem Tag aus. 

Immerhin: Der der erste Tarifvertrag für die Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland könnte bald Realität sein, Verdi-Mitglieder bei der irischen Fluggesellschaft haben einer Vorvereinbarung für einen Tarifvertrag mit großer Mehrheit zugestimmt. Dagegen ist eine Lösung bei den Piloten noch nicht gefunden.

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