Reise in Corona-Zeiten Wer buhlt um Touristen, wer zieht die Preise an?

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Mundschutz, Sicherheitsabstand am Strand und das fehlende Buffet halten viele Urlauber trotzdem nicht ab. Nach der langen Zeit in den eigenen vier Wänden sehnen sie sich nach Bergen und Meer. (Symbolfoto)

Köln – Pack die Badehose ein! Am 15. Juni will die Bundesregierung die Reisewarnung für 29 europäische Länder aufheben und durch Reisehinweise ersetzen, Spanien soll am 21. Juni folgen. Endlich wieder raus ans Meer, in die Berge.

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An den deutschen Küsten sind Zimmer und Campingplätze nahezu ausgebucht, jetzt wird bei vielen doch wieder das Ausland angepeilt. Die Buchungen nehmen Fahrt auf. Wohin soll die Reise gehen? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Welche Länder sind besonders gefragt? 

  • Der Buchungssystembetreiber „Traffics“ hat die Buchungen von 6000 Reisebüros und Tausenden von Online-Portalen im Zeitraum von März bis Ende Mai ausgewertet. Das eigene Land führt die Top 10 an – auf dem zweiten Rang landet Österreich.
  • Danach folgen erstaunlicherweise schon Ägypten und die Türkei, obwohl derzeit noch nicht entschieden ist, wie die Regierung mit den Ländern außerhalb der EU umgehen wird. Die Türkei ist zuversichtlich und lockt zögernde Urlauber mit Schnäppchen, ist laut Traffics jetzt etwa 26 Prozent günstiger als im Vorjahreszeitraum.

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Welche Länder „kranken“ besonders an Corona?

  • Fernreisen gehen gar nicht. Aber auch die Buchungen in Spanien und Italien – normalerweise Lieblingsziele der Deutschen – sind noch verhalten. Zu sehr haben wir noch die Bilder der Corona-Hotspots vor Augen. Traffics-Geschäftsführer Salim Sahi: „Die Preise auf Inseln wie Lanzarote oder Teneriffa haben sich quasi halbiert. Nur auf der Lieblingsinsel der Deutschen, Mallorca, haben sie um 19 Prozent angezogen.“
  • Manche Regionen, wie zum Beispiel Sizilien, sind so verzweifelt ob der fehlenden Touristen, dass sie den Urlaubern anbieten, die Hälfte der Flugkosten zu übernehmen – und ihnen jede dritte Nacht im Hotel zu bezahlen.
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„Traffics“-Gründer Salim Sahi hat die Buchungen der Deutschen im Blick.

Wie gehen Länder mit der Angst vor Corona um?

  • In Südtirol erklärte man sich jüngst bereit, jedem Hotelgast einen Corona-Test zu bezahlen. Nur: Was hat der davon? Da geht Zypern schon einen Schritt weiter. Sollte sich jemand während des Urlaubs mit dem Virus infizieren, zahlt das Land für Medikamente, Verpflegung und Unterkunft während der Quarantäne.
  • Liegeplätze mit Sicherheitsabstand sind in allen Ländern selbstverständlich, die Türkei zum Beispiel will zudem abgepackte Handtücher am Strand ausgeben.

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Corona-Urlaub: Welche Länder gelten als besonders sicher?

  • „Bulgarien und unsere Schwarzmeerküste gehören zu den (Corona-)sichersten Plätzen in Europa“, schwärmt der Oberste bulgarische Inspektor für Gesundheit, Angel Kuntschew. Experte Salim Sahi rät zudem zu Urlauben in Portugal und Kroatien, wo es ebenfalls kaum Corona-Fälle gegeben habe.
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Mallorca steht hoch im Kurs – auch, weil die Balearen vom Virus kaum heimgesucht wurden.

Kann ich spontan schon einen Kurztrip buchen, um die teuren Sommerferien zu umgehen?

  • Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot, sondern lediglich eine Empfehlung des Auswärtigen Amts. Individualtouristen können bereits vor dem 15. Juni ins Ausland starten, wenn Transport und Einreise ins jeweilige Land möglich sind.

Und wenn ich den Sommerurlaub doch canceln will?

  • Die Kostenerstattung wird nach Aufhebung der Reisewarnung auf jeden Fall schwieriger. Mit Stornokosten muss gerechnet werden. Es sei denn, die Reise ist wegen außergewöhnlicher Umstände besonders beeinträchtigt.

Bin ich mit meiner Reiseversicherung automatisch gegen Corona abgesichert?

  • Nein. „Vor Abschluss der Versicherung sollten Sie aber einen Blick in die Versicherungsbedingungen werfen“, rät die Stiftung Warentest. Möglicherweise sei ein Rücktritt (oder Abbruch der Reise) bei Pandemien ausgeschlossen. Man finde diese Regelung zum Beispiel im Abschnitt „Ausschlüsse“ oder „Wann zahlt die Versicherung nicht“.

Gibt es einen ultimativen Tipp für Schnäppchenjäger?

  • Reiseexperte Salim Sahi: „Buchen Sie jetzt schon fürs kommende Jahr. Da werden im Gegensatz zu sonst schon weit im Voraus viele Kapazitäten mit tollen Preisen auf den Markt gebracht.“
  • Und für den schnellen Kurztrip hat er auch einen Tipp parat: Pauschalreisen nach Amsterdam und Istanbul bekomme man derzeit viel günstiger als im Vorjahr.

Corona-Zeiten: Jetzt wittern schwarze Schafe das Geschäft

Tourimusforscher Prof. Torsten Kirstges von der Jade Hochschule in Wilhelmshaven sagt:

Doch schwarze Schafe in der Branche wittern jetzt das ganz große Geschäft, wie dieses Beispiel eines EXPRESS-Lesers zeigt. Ende März nahm der Anbieter für das malerische Ferienhäuschen auf der westfriesischen Insel Vlieland (Mo bis Fr) noch 491 Euro, dann legte er nach der Anzahlung Mitte Mai noch mal nach – und verlangte frech das Doppelte.

Haben auch Sie Erfahrungen mit Urlaubs-Preiswucher gemacht? Schreiben Sie unserer Autorin: andrea.kahlmeier@express.de.

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