Wege aus der Einsamkeit Wenn der Partner früh stirbt

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Trauer um einen geliebten Partner kommt gerade an Jahrestagen oder Weihnachten wieder hoch.   

Köln – Junge Witwer und Witwen haben noch ziemlich viel Lebensweg vor sich. Irgendwann kommt meist der Wunsch nach einem neuen Partner auf, auch wenn das Thema direkt nach dem Tod noch in weiter Ferne liegt. Damit das neue Glück gelingt, ist aber viel Fingerspitzengefühl gefragt – von beiden Seiten.

Wer sich zur Ablenkung auf eine neue Beziehung einlässt, wird scheitern

Ein ganz wichtiger Grundsatz: Die Trauerarbeit um den Verstorbenen sollte abgeschlossen sein. Wer sich zur Ablenkung auf eine neue Beziehung einlässt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach scheitern. „Es gibt Menschen, die schieben ungünstigerweise die Trauer beiseite und gehen schnell zur Tagesordnung über“, sagt Hans Onno Röttgers, leitender Psychologe an der Marburger Uniklinik. „Die Trauer kommt dann oft später wie ein Bumerang zurück.“

Verlust darf nicht ausgeklammert werden

Wenn man dann wieder nach vorne blickt, sich für eine neue Partnerschaft entschieden, jemanden kennenlernt und Vertrauen aufgebaut hat, sollte der frühe Tod nicht allzu lange ausgeklammert werden, dafür ist er ein zu wichtiges Thema. Da Tod immer noch ein Tabu ist, müsse hier der Betroffene die Gesprächsführung übernehmen, rät Psychologin Julia Scharnhorst.

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Psychologin Julia Scharnhorst weiß, dass gerade jüngere Erwachsene sich mit Trauer noch nicht so gut auskennen, ihnen oft die Worte fehlen. 

Dabei könne es durchaus sein, dass der andere sich nach einem solchen Gespräch erst einmal zurückzieht. Psychologe Röttgers empfiehlt, ihn dann wieder anzusprechen, Verständnis für sein Verhalten zu signalisieren. Allerdings sollte man vorsichtig und behutsam vorgehen, damit er sich nicht in die Ecke gedrängt fühlt. Das gelte für beide Seiten: „Man sollte nicht zu schnell vorgeben, den anderen zu verstehen.“ Oder zu wissen glauben, was er fühlt.

Die Sichtweise des Partners erklären lassen

Besser sei es, nachzufragen und sich die Sichtweise des anderen erklären zu lassen. Einfacher ist es zumindest in diesem Punkt, wenn beide verwitwet sind. „Das kann sehr helfen. Es gibt hier ein gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, sich zu öffnen“, sagt Psychotherapeutin Corinna Buchholz aus Berlin. Denn auch wenn eine Partnerschaft eingegangen wird, ist die Trauer um den Verstorbenen damit nicht vorbei. Sie wird immer wieder in unterschiedlicher Stärke hochkommen, etwa an Weihnachten oder an Jahrestagen.

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Hier muss jedes Paar gemeinsam besprechen, wie es mit solchen Tagen umgeht. Vielleicht möchte der betroffene Partner am Todestag zum Friedhof gehen. Ob er dabei von seinem neuen Partner begleitet werden will und ob dieser das überhaupt kann, muss jedes Paar für sich entscheiden. „Man sollte auf keinen Fall etwas wegen falscher Rücksichtnahme machen, was einem zuwider ist“, rät Scharnhorst.

Den Partner nicht als Therapeut missbrauchen

Auch unabhängig von Jahrestagen lauern einige Fallstricke. „Manchmal wird der Partner als Therapeut missbraucht“, erklärt Röttgers. Das ist aber eine zu große Belastung. Wer therapeutische Hilfe benötigt, sollte zu einem Fachmann gehen. Nehmen die Gedanken an den Verstorbenen in der neuen Beziehung zu viel Raum ein, kann dies zu Konflikten führen. So kann sich der neue Partner nicht richtig wertgeschätzt und als zweite Wahl fühlen. „Möglich ist aber auch, dass so andere Konflikte verdeckt werden“, erklärt Scharnhorst. So wird z. B. dem Partner vorgeworfen, er denke nur noch an den Verstorbenen und stelle Vergleiche an – obwohl dies gar nicht stimmt und die Probleme in der Beziehung woanders liegen. Auch hier darf nichts unter den Teppich gekehrt werden.  

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