Raffael (26) „Ich habe ein sehr problematisches Verhältnis zu Frauen“

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Beatrice Poschenrieder steht Menschen in Erotik-Fragen zur Seite.

  • Beatrice Poschenrieder steht Menschen in Sex-Fragen zur Seite.

Moin Beatrice, 

ich habe eine Frau kennengelernt, bei der mein bester Freund, als wir sie trafen, sagte: „Das wär doch eine für dich.“ Zuerst habe ich gelächelt und mir nur gedacht, „Ja, ich würde drei Sätze mit ihr wechseln und sie flach legen.“

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Ich habe ein eher problematisches Verhältnis zu Frauen. Es gibt zwar kaum eine Frau, die ich interessant fand und es nicht geschafft habe, intensiven Kontakt aufzubauen, aber ich bin einfach zu inkompetent, die aufgebaute Beziehung „auszubauen“.

Erst einmal zu mir: Ich habe in meinem Leben eigentlich nur eine Freundin gehabt, die ich nach drei Monaten mit unendlich viel Angst im Bauch fragte, ob wir zusammen sein können, darauf folgten die schönsten paar Wochen in meinem Leben. Nach drei Monaten habe ich Schluss gemacht und habe sechs Jahre (ja ungelogen) ihr hinter getrauert, habe versucht, mich mit ihr zu treffen und habe ihr dann auch gesagt, dass ich sie noch lieben würde, aber mehr kam nicht.

Danach kam ca. acht Jahre nach dieser Beziehung eine Frau in mein Leben, wie sie sich jeder Mann wünscht: Rasseweib, intelligent, gut gebaut und unendlich nähe- und liebebedürftig. Wir haben uns getroffen und nachdem sie mir mitten im Gespräch sagte, dass sie keine Beziehung wolle, habe ich sie irgendwann einfach (entgegen meines Wesens) geküsst. Wir haben 48 sehr schöne Stunden voller Nähe und Gesprächen gehabt und haben uns dann nach dem Wochenende aber „getrennt“, weil es einfach keinen Nährwert hatte, wir mochten den anderen und vielleicht liebten wir uns auch, aber die Situation, in der wir beide waren, hat uns die Geschichte beenden lassen.

 Nun habe ich diese neue Frau kennengelernt. Ein Energiebündel, die nichts lieber macht als lachen und mit anderen Menschen in der Weltgeschichte unterwegs sein – fast mein Spiegelbild, wenn ich im Moment nicht durch Familienprobleme und Tragödien im Freundeskreis etwas abwesend wäre. Wir haben einige Zeit gemeinsam verbracht: Haben Lagerfeuer an der Küste gemacht und viel Zeit bei ihr gesessen und Musik gehört. Sie hat mir von sich erzählt, obwohl ein Bekannter meinte, dass sie niemanden an sich heranlassen würde. Nun war ich das letzte Wochenende mit ihr in der Hauptstadt und habe ein paar schöne Tage gehabt. Mein Kopf hat mir nach dieser Zeit wie so oft gesagt: „Lass' es mit ihr, du hast nicht die Kraft dafür“ (ich bin ein sehr emotionaler Mensch und wenn ich einen Menschen nah an mich heran lasse, gebe ich ihm die Gewalt über Freud und Leid in meinem Leben).

Als wir dann zurückfuhren, war ich der festen Überzeugung, dass wir eine freundschaftliche Beziehung haben werden, weil sie mir einfach zu unruhig war. Für mich gehört zu einer schönen Beziehung nicht unbedingt der Sex (das ist Beiwerk), sondern lange (oder kurze) Stunden, die man eng umschlungen genießt und ein Lächeln auf dem Gesicht hat jedes Mal wenn man seinen Kopf ein wenig wendet und einen Millimeter mehr von ihr sieht als in den Sekunden davor, und wenn das auch noch von einem Kuss begleitet wird, kann ich aus einem Abend Energie für Wochen oder Monate ziehen. Mein Problem ist, dass ich eine solche Nähe brauche! Wer sagt, er braucht Sex, um sich zu befriedigen, hat es da leichter als ich, denn einen Menschen zu finden, der einem ein echtes Lächeln schenkt, ist schwerer als in irgendeiner Kneipe eine Frau für eine Nacht zu finden (glaub ich zumindest, hab's noch nicht probiert). Naja sie hat mir von ihren Freunden erzählt und gesagt, wie schade sie es fand, dass sie oft mehr wollten und deshalb der Kontakt abgerissen ist.

Aber jetzt zu meinem Problem: Ich habe keine Ahnung, ob und was diese Frau von mir will, und was noch viel schlimmer ist, dass ich nicht weiß, was ich von ihr will. Sie wäre eine wunderbare Freundin, mit der man Pferde stehlen kann, aber jedes Mal wenn ich sie sehe, stockt mir der Atem, meine drei Gehirnzellen schalten sich aus und ich möchte mich nur noch in ihren Augen und ihrem Lächeln verlieren.

Ich war schon kurz davor, einfach einen Brief zu schreiben, finde aber nicht die passenden Worte. Jetzt hat mir ein Freund geraten, einfach mal zehn Tage jeden persönlichen Kontakt zu meiden. Ich habe Montag angefangen (es ist Mittwoch) und es ist die größte Tortur, die ich bisher mitgemacht habe. Schlimmer war damals das Schluss-Machen auch nicht.

Ich habe das erste Mal in meinem Leben allein zuhause gesessen und Alkohol getrunken, weil mir total langweilig ist. Alles was ich vorher in meinem Leben gemacht habe, hat für mich im Moment wenig mit Lebensinhalt zu tun. Ich kann nicht einschlafen und sitze deshalb bis morgens um 7 Uhr wach vorm Rechner oder liege im Bett und warte auf den erlösenden Schlaf, der gestern Nacht nicht erlösend war, weil ich von ihr geträumt habe.

Sage mir bitte, ist es sinnvoll, für zehn Tage auf Abstand zu gehen und ein wenig Selbstgeißelung zu betreiben, um zu sehen ob von ihrer Seite etwas kommt, oder sollte ich nach unserem sehr schönen gemeinsamen Wochenende weiterhin jede Minute für gemeinsame Aktivitäten bereit halten?

Ich treffe mich heut Abend erst Mal mit Freunden, vielleicht habe ich ja so einen Abend, an dem ich meinen Kopf mal abschalten kann.

PS: Ich überlege gerade, ob ich deinen Tipp (egal welchen du mir gibst) beherzigen kann, da du uns beide nicht kennst, aber vielleicht ist dieser Moment in meinem leben ja genau der, an welchem ich mal eine unbeteiligte Meinung einholen sollte.

Bis demnächst

Raffael (26)

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Lieber Raffael,

du fragst: „ist es sinnvoll, für zehn Tage auf Abstand zu gehen und ein wenig Selbstgeißelung zu betreiben, um zu sehen ob von ihrer Seite etwas kommt, oder sollte ich nach unserem sehr schönen gemeinsamen Wochenende weiterhin jede Minute für gemeinsame Aktivitäten bereit halten?“

Weder noch. Zehn Tage Abstand sind völlig übertrieben. Vielleicht meldet sie sich auch aus Unsicherheit nicht. Und dich jede Minute bereit halten, ist auch völliger Unsinn. Das geht ja schon in die Richtung „sklavische Abhängigkeit“, das kannst weder du wollen noch kann sie das wollen.

 Vermutlich wirst du's ungern hören bzw. anerkennen, ich sag's trotzdem: Du hast ausgeprägte Nähe- und Bindungsängste. Und diese Frau zieht dich so an, weil sie, wie du so treffend feststellst, „fast dein Spiegelbild“ ist, und zwar nicht nur in den Dingen, die für dich offensichtlich sind. Auch sie hat ausgeprägte Nähe- und Bindungsängste, du kannst es auch nennen: eine Art innerer Widerstand, sich tief und dauerhaft auf jemand einzulassen.

Dass das bei dir zutrifft, zeigt u.a. dieser Abschnitt:

„Ich habe in meinem Leben eigentlich nur eine Freundin gehabt, die ich nach drei Monaten mit unendlich viel Angst im Bauch fragte, ob wir zusammen sein können, darauf folgten die schönsten paar Wochen in meinem Leben. Nach drei Monaten hab ich Schluss gemacht.“

Seltsam, oder, wo du doch die schönsten paar Wochen in deinem Leben mit ihr hattest. Welche seltsamen seelischen Vorgänge haben dich dazu getrieben, wenn nicht Näheängste? Und noch paradoxer ist, dass du dann sechs Jahre ihr hinterher trauerst. Da dies in gar keinem Verhältnis zur Länge der Beziehung steht, stecken viel tiefere, unbearbeitete Dinge dahinter – vermutlich ungute Erfahrungen in der Kindheit. Dazu kommt, dass du zu wenig innere Stabilität hast.

Warum du Beziehungen aus dem Weg gehst, dafür nennst du selbst in deinem Brief mindestens drei Ursachen:

- „Ich bin einfach zu inkompetent, die aufgebaute Beziehung „auszubauen“ (d.h. es gab in deiner Kindheit kein positives Vorbild, das du selbst realisieren wolltest oder das du lernen konntest).

-  „Wenn ich einen Menschen nah an mich heran lasse, gebe ich ihm die Gewalt über Freud und Leid in meinem leben...“ (du hast nicht gelernt, gegenüber Bezugspersonen vernünftige Grenzen zu setzen, und wegen der inneren Instabilität lässt du dich dann ganz schnell aus dem Gleichgewicht bringen).

-  ein unrealistisch großes Nähebedürfnis, was gleichzeitig im Kampf mit der Angst steht, sich jemandem auszuliefern.

Du wünschst dir zwar eine enge tiefe Bindung, aber etwas in deinem Unbewussten sabotiert es. Du hattest bis jetzt auch noch NIE eine Beziehung, denn etwas, was schon nach drei Monaten beendet ist, kann man nicht als richtige Beziehung bezeichnen.

Und du fühlst dich auf geheimnisvolle Weise extrem zu diesem neuen Mädel hingezogen, weil deine Intuition spürt, dass sie in Sachen Bindung und Nähe eine Gleichgesinnte ist und von ihr nie eine echte Bedrohung ausgehen wird (Bedrohung: dass sie dir zu lange zu nah kommen wird, mit all den bedrohlichen Konsequenzen). Aber ihr werdet trotzdem nicht miteinander glücklich werden – im Gegenteil entstehen aus solchen Konstellationen meist sehr zerstörerische oder deprimierende Pseudo-Beziehungen. Weil ihr beide mit einem unbearbeiteten Manko in eurer Seele herumlauft. Und Manko + Manko ergibt nun mal nicht "Lösung", sondern "doppeltes Manko".

Das heißt: Wenn du endlich erfüllte Liebe erleben willst, dann solltest du an die wunden Punkte in deiner Seele rangehen (mit fachlicher Hilfe - ohne wird´s nicht klappen).

Bitte lies dazu auch hier im Liebes-Briefarchiv den Brief „Wieso kommt sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr an ihre Gefühle ran?“

Ich hab diese Themen schon ausgiebig auf www.frag-beatrice.de behandelt – bitte geh dort noch einmal sorgfältig stöbern, am besten, indem du die Stichworte „Bindungsangst" und „Näheangst“ eingibst.

Herzlichst

Beatrice Poschenrieder

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