Haben wir eine Zukunft? Wir lieben uns, aber er ist viel kleiner und dünner als ich

Ich bin einen Kopf größer als mein Freund und wie 25-30 Kilo mehr

Ich bin einen Kopf größer als mein Freund und wie 25-30 Kilo mehr

Liebe Beatrice!

Mit 23 lernte ich einen Mann kennen, der einfach wunderbar ist. Seitdem denke ich: Genau so einer soll Dein Leben mit Dir teilen, genau so einer soll Vater Deiner Kinder werden, auch wenn wir damit leben müssen, dass seine Eltern mir von Anfang an sehr kalt gegenübertreten. Alles an ihm ist wunderbar. 

Bis auf eine -"zum Teufel leider" - unveränderbare Tatsache: Wäre er nicht einen Kopf kleiner als ich. Seit nun 7 Jahren sind wir zusammen, beide 30, und die Gedanken ums heiraten mache ich mir auch schon. Zudem habe ich in den letzten 2 Jahren einen unheimlich starken Kinderwunsch entwickelt. 

Trotz der langen gemeinsamen Zeit gab es auch in der Öffentlichkeit manch seltsames Zublicken, seine Eltern scheinen überhaupt nicht damit zufrieden zu sein und auf uns lastet einfach ein sehr großer gesellschaftlicher Druck (Dumme Blicke, dummes Anmachen und manchmal habe ich auch das Gefühl, dass manche unserer Freunde das auch "seltsam" finden und sich fragen "wie kann der es ihr besorgen?").

Da ich somit einen Kopf größer bin als mein Freund und ca. 25-30 Kilo mehr wiege, kann man sich vorstellen, dass unsere Sexualität nur begrenzten Spielraum zulässt. Wir haben z.B. noch nie Sex im Stehen angefangen, geschweige denn gehabt und von hinten geht es auch nur sehr verkrampft, obwohl ich diese Stellung am meisten anregend finde. Er schafft es z.B. leider nicht in mich einzudringen und zugleich die Klitoris zu stimulieren.  Es geht nur jeweils das eine. Trotz vieler Kreativität und der starken Liebe füreinander frage ich mich, ob unser Leben wegen dieser unveränderbaren Tatsache (ich groß - er klein und Sex iat ja auch sehr wichtig für eine glückliche Beziehung) glücklich verlaufen kann. Ist es aufgrund meiner sexuell unerfüllten Wünsche zum Scheitern verurteilt?

Ich erwische mich jetzt schon bei den Gedanken an einen muskulösen, kräftigen Mann, der mich auch im Stehen umarmt, wenn es mir schlecht geht und mit dem ich nicht nur Hand in Hand, sondern auch ineinander verkeilt durch die Stadt spazieren kann und der mich auch beschützen kann. Auch an das "kräftig genommen werden" beim Sex denke ich manchmal.

Dabei möchte ich auch erwähnen, dass er auch der einzige Mann ist, mit dem ich jemals richtig geschlafen habe. Mit 16 bin ich fast vergewaltigt worden, in einem Kampf entkam ich jedoch, was mich heute nachdem ich sexuell aktiv bin, aufatmen und dies vergessen lässt. jedoch habe ich mich früher Männern verwehrt in der Teenager-Zeit. Ich denke, das war der Grund, warum ich erst mit 23 mit meinem jetzigen Freund zum ersten Mal schlief. Er ist der einzige, dem ich mich im Leben "hingeben" konnte. Nachdem ich gemerkt habe, dass ich nichts zu fürchten habe, und dass Sex für mich gut ist, bereue ich manchmal, dass ich mich früher auf andere Männer nicht eingelassen habe, somit Erfahrung gesammelt habe, um heute zu wissen, wie es denn auch anders sein könnte. 

Mein Freund i.Ü. weiß auch alles über mich, auch das oben genannte.

Manchmal denke ich, vielleicht habe ich mich in meinen kleinen Freund verliebt aus Angst vor Gewalt. Er ist halt kleiner und unter Umständen könnte ich mich wehren.

Nachdem ich jetzt denke "normal" zu sein, indem ich keine Angst mehr vor starken großen Männern habe, die sich einfach nehmen, was sie wollen: Besteht bei mir die Gefahr, dass ich irgendwann mal aus Frust fremdgehe? Wird irgendwann die Neugier, wie es denn mit anderen Männern ist, stärker?? Werde ich zwar eine Familienmutter, aber gehe fremd? oder werde unglücklich, weil diese Frage ständig im Hinterkopf pochen wird? 

Ich halte mich nämlich in dieser Hinsicht für eine riesige Ausnahme, zumal ich nirgends einen vergleichbaren Fall gesehen oder gehört habe. Daher fühle ich mich auch sehr ratlos und allein mit diesem Problem. 

Da ich nun 30 bin und möchte, dass ich eine Familie habe, ist es für mich fast schon existenziell wichtig, das hier für mich zu klären. 

Lieben Dank bereits im Voraus!

Eva (30)

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Liebe Eva,

ich wüsste gern noch von dir (bitte jeweils sehr ehrlich antworten!): 

1) Wie groß bist du genau, wie groß er? Was wiegt ihr jeweils?

2) Bist du sicher, ob du noch wirklich verliebt in ihn bist - ist es jetzt eher ein "sehr gern mögen"?

3) Liebt er dich?

4) Findest du ihn sexy? Ehrlich?

5) Wie ist euer Sexualleben im Detail? Wie oft, wie lange, welche Qualität hat es, macht es immer Spaß, wer ergreift öfter die Initiative usw.? Bitte ausfürhlich antworten!

6) Wie geht er damit um, dass er viel kleiner und dünner ist als du?

7) Wie geht er damit um, dass du solche Gedanken hast wie die oben beschriebenen?

Bis bald, Beatrice

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Hallo Beatrice,

1) Als wir uns kennen lernten, wogen wir beide dasselbe. Seit ca. zwei Jahren habe ich 28 Kilo zugenommen und bekomme sie, da ich viel arbeiten muss und kaum Zeit habe, sehr schwer wieder runter. Bin dabei 180 cm und er 169 cm groß. 

2) Ich denke, dass ich ihn noch liebe. Vielleicht ist es nicht mehr die Art Leidenschaft, die man füreinander empfindet, wenn man frisch verliebt ist und pro Tag etlich mal übereinander her fällt. 

Aber: Wenn ich an ihn denke und das Wort "Liebe", habe ich direkt einen Kloß im Hals und mir wird warm. Ich bin glücklich, dass er in mein Leben trat und will das nie missen. Wenn ich an einen mir gleichgroßen "Mann-Wunsch" denke, hat dieser Wunsch-Mann sein Gesicht, seinen Körper und nur seinen Charakter und seine Art. Einen anderen Mann kann ich mir in meinem Leben nicht vorstellen. Alles dreht sich bei dem Gefühl nur um ihn. 

Vielleicht entsteht der Eindruck, dass ich ihn nicht mehr liebe allein aufgrund dieser Anfrage. Jedoch denke ich eher, dass ich einfach nur darüber immer frustriert bin, dass ich meine Liebe zu ihm durch den Körperunterschied nicht so ausdrücken kann.

Dieser Frust führt dazu mich zu hinterfragen, ob ich das unter Umständen ein Leben lang aushalte. 

Ich will ihn nicht verlieren und trotzdem bin ich damit unglücklich. Die ersten vier Jahre der Beziehung waren einfach der Traum. Vielleicht klammere ich heute an eine Erinnerung? Bin total durcheinander. Wird es mit uns wieder nur klappen, wenn ich die 28 kg wieder abnehme und so ein lebenslang bleibe? Werden ältere Menschen nicht eh fettleibiger? 

3) Liebt er dich? 

Ja, ohne Bedingungen. Ob groß oder klein, ob dick oder dünn. 

4) Findest du ihn sexy? Ehrlich? 

Ja. Er ist zwar auch nicht mehr so kräftig wie früher (knochiger) und durch mein Übergewicht verstärkt sich sicherlich subjektiv dieser Eindruck, aber nach wie vor sieht er verdammt gut aus. 

5) Wie ist euer Sexualleben im Detail? 

Ja es machte immer (trotz beschränkter Stellungen) Spaß und es dauerte sehr lange, nächtelang. Momentan ist es weniger geworden, weil wir beide 10-12 Std pro Tag arbeiten und abends nur noch müde ins Bett fallen. Aber das ist wohl normal bei Paaren. Im Urlaub ist es natürlich häufiger und gelassener. Die Initiative ergriffen immer beide zugleich. 

Seit ein paar Monaten ergreift aber er eher die Initiative, da ich mich eher unwohl fühle, nackt angesehen zu werden. Ja auch von ihm. Ich fühle mich wie ein dickes schwabbeliges Walross, seitdem ich zugenommen habe und habe nun deswegen Hemmungen, von denen ich bis dato

auch nicht wusste, dass ich sie hab. Ich weiß auch nicht, ob ich mir einrede, dass er beim Sex auch nun seitdem mit mir anders umgeht (oder weil er merkt, dass ich nicht richtig dabei bin) oder ob ich mir das nicht mehr bei meinem Übergewicht vorstellen kann. Währenddessen frage ich mich einfach manchmal, wie das wohl aussieht. Das war vorher nie so.

Früher hab ich eher öfter als er die Initiative ergriffen. 

6) Wie geht er damit um, dass er viel kleiner und dünner ist als du?

Er hat damit keine Probleme. Noch nie gehabt. Er steht 300 % zu mir und er meint es sehr ernst mit mir. 

Aber: Ich kann nicht einfach meinen Kopf an seine Schulter legen, zusammen aufs Meer schauen und einfach genießen. Einfach nur frustrierend ist das. Es geht einfach nicht, dass wir am Strand stehen, er mich von hintern umarmt, ich meinen Kopf anlehne und wir genießen miteinander zu sein. Und wenn ich das so schreibe, natürlich gibt es wichtigere Teile in einer Beziehung. Die würde ich hier nie in Frage stellen, wie Wärme, Vertrauen, Offenheit,  etc. Und trotzdem fehlt mir das und macht mich traurig. Psychisch kann ich mich somit in meinen Freund vollkommen fallen lassen, körperlich (nicht) mehr.

7) Wie geht er damit um, dass du solche Gedanken hast wie die oben beschriebenen? 

Er ist darüber sehr traurig und denkt sicherlich wie ich, wenn’s nicht so wäre, wenn der Unterschied nicht da wäre, wären wir das glücklichste Paar auf der Welt, weil wir beide wissen: das ist das einzige, das fehlt, und es ist leider etwas Unveränderbares. Man kann es nicht wie das Rauchen abstellen.

Danke und grüße

Eva

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Liebe Eva,

gut, dass ich bei Frage 2 ein bisschen provokativ gefragt habe - das ist die Antwort, die ich gern hören wollte!

Also: Ihr habt eine gute, liebevolle und stabile Beziehung - eine Liebe, für die es sich lohnt zu kämpfen und darin zu investieren!

Du schreibst: „Ich kann nicht einfach meinen Kopf an seine Schulter legen, zusammen aufs Meer schauen und einfach genießen. ... Es geht einfach nicht, dass wir am Strand stehen, er mich von hintern umarmt, ich meinen Kopf anlehne und wir genießen miteinander zu sein.“

Natürlich geht das. Du kannst neben ihm sitzen und deinen Kopf seitlich an seine Schulter legen. Und es zu „genießen miteinander zu sein“, machst du ja wohl nicht von solchen Details abhängig?!

Es ist tausendmal wichtiger, dass man sich seelisch an seinen Partner anlehnen kann, als körperlich.

Du fragst: „Besteht bei mir die Gefahr, dass ich irgendwann mal aus Frust fremdgehe? Wird irgendwann die Neugier, wie es denn mit anderen Männern ist, stärker?? Werde ich zwar eine Familienmutter, aber gehe fremd? oder werde unglücklich, weil diese Frage ständig im Hinterkopf pochen wird?“

Das ist alles eine Frage der Einstellung - und eurer Flexibilität.

Du meinst: das mit dem Größenunterschied und dem Sex "ist das einzige, das fehlt, und es ist leider etwas Unveränderbares" - aber ich versichere dir: ihr könnt eine Menge verändern und verbessern! Nur: ihr müsst beide richtig was dafür tun. Aber wie gesagt, bei euch lohnt sich das ja.

Was ihr ändern könnt und solltet, ist:

a) die Höhe zwar nicht, aber die "Größe". Jetzt ist der Unterschied zu krass, und ich verstehe, dass du damit haderst, und zwar nicht nur wegen der Blicke der anderen, sondern auch wegen deines eigenen Blickes auf euch beide.

Ein Höhenunterschied fällt nicht so stark auf, wenn die Figurform passt. Sprich, ich appelliere an dich, wirklich alles daran zu setzen, dass du schlank wirst. "Viel Arbeit" ist zwar ungünstig, aber kein echter Hinderungsgrund. Millionen von Menschen arbeiten viel und haben trotzdem eine gute Figur. Das Geheimnis kennst du ja: Ernährungsumstellung und so viel Bewegung wie möglich. Sport geht trotz viel Arbeit - man muss andere Prioritäten setzen und kreativ sein. Klar ist das erst mal mühsam, aber wie gesagt, eure wundervolle Beziehung sollte es dir wert sein. Und du selbst wirst in deinem Wohlgefühl ja auch stark davon profitieren. (Vielleicht wäre das auch eine Gelegenheit, an deiner Arbeitsbelastung etwas zu ändern? Denn ich denke, eine gute Beziehung ist letztlich wichtiger als Erfolg im Job.)

Parallel dazu könnte dein Freund etwas dafür tun, dass er kräftiger wird - nicht an Fett (!), sondern an Muskeln. Wenn ein Mann breite Schultern und muskulöse Arme und Rücken hat, dann wirkt die große Frau an seiner Seite nicht ganz so wuchtig - vor allem wenn sie schlank ist.

b) Ich schätze, ihr könntet in eurem Sexualleben noch eine ganze Menge machen, um es zu verbessern (wobei euch auch hier weniger Gewicht von deiner Seite und mehr Muskeln von seiner Seite zugute kämen!).

Beispiel: Ich selbst bin klein und schlank (160 cm, 50 kg); einer meiner Ex-Freunde war exakt 200 cm groß, wog fast 100 Kilo. Dieser Unterschied ist ja noch viel krasser als bei euch. Trotzdem hatten wir ein gutes Sexualleben. Klar ging Sex im Stehen nicht so gut, aber das ist sowieso nichts so Berauschendes, als dass man nicht auch drauf verzichten könnte.

"Von hinten" geht sehr gut, wenn du kannst deine Beine grätschst, sodass dein Becken tiefer hängt."

Ferner müsste es auch gehen, dass du auf dem Bauch liegst und den Hintern ein bisschen hochreckst, während er zwischen deinen Beinen kniet.

"Er schafft es zB leider nicht in mich einzudringen und zugleich die Klitoris zu stimulieren.  Es geht nur jeweils das eine..."

Verstehe ich nicht, warum das nicht gehen sollte. In der Hundestellung geht es mit der oben beschriebenen Grätsche, aber es gibt auch noch andere Stellungen, in denen das gut machbar ist (oder sogar besser). Die sind in meinem Ratgeber "Sex für Faule und Gestresste" beschrieben. Darin findest du nicht nur ein großes Kapitel mit Stellungen und deren Varianten, sondern auch viele andere schöne Techniken und Anregungen - da dürften sehr viele dabei sein, die für euch machbar und lustbringend sind.

Liebe Grüße

Beatrice Poschenrieder

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