Schlank aber depressiv? Studie zeigt, ob Vorurteile über Veganer wirklich stimmen

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Verhalten sich Veganer wirklich anders als Menschen, die Fleisch essen?

Köln – Wollen Veganer dauernd ihre Mitmenschen bekehren? Kann man es aktuell noch vertreten, Fleisch zu essen? Und kann man ohne Käse überhaupt glücklich sein? Die Art, sich zu ernähren, ist immer wieder Anlass für hitzige Diskussionen.

Dabei halten sich Vorurteile über Veganer und Vegetarier hartnäckig. Eine Studie des Max-Planck-Instituts in Leipzig aus dem Sommer 2020 bringt mehr Klarheit.

Neuro-Wissenschaftler haben untersucht, wie sich Menschen, die auf tierische Produkte verzichten, vom Normalverbraucher unterscheiden: Sie wollten wissen, welche Rolle Charaktereigenschaften bei der Art der Ernährung spielen und welche Auswirkungen pflanzliche Ernährung auf das Gewicht und die mentale Gesundheit hat.

Diese Ergebnisse hielten die Forscher in ihren Studien fest:

Tierische Produkte sind häufig kalorienreich

Je seltener man tierische Produkte konsumiert, desto niedriger ist der Body-Mass-Index (BMI). Veganer und Vegetarier sind also tatsächlich schlanker. Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass tierische Produkte wie Fleisch, Käse, Eier oder Milchprodukte sehr kalorienreich sind, weil sie viele gesättigte Fettsäuren enthalten und teils stark verarbeitet werden.

Die Forscher aus Leipzig folgern daraus, dass eine Ernährungsumstellung zu einem besseren Gesundheitszustand beitragen kann. Seltener und weniger tierische Produkte zu essen, könne das Risiko für Übergewicht und Adipositas reduzieren und zur Prävention und Behandlung beitragen. Sie empfehlen weitere Forschung dazu.

Depressionen ist egal, ob man Fleisch isst oder nicht

Dass Veganer und Vegetarier häufiger an Depressionen leiden, konnten die Wissenschaftler nicht bestätigen; frühere Studien hatten einen Zusammenhang vermutet. Die Art der Ernährung hatte keinen signifikanten Einfluss auf die mentale Gesundheit der Studienteilnehmer. Allerdings legten die Forscher nahe, dass Antipathien gegen Veganer dazu führen können, dass sie sich sozial abgrenzen und dadurch depressive Symptome entwickeln.

Veganer sind eher introvertiert, offen und pflichtbewusst

Laut Studie ist bei offenen, pflichtbewussten Menschen die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie auf tierische Lebensmittel verzichten und sich auf pflanzliche Ernährung beschränken. Dass Veganer neurotischer seien als Menschen, die Fleisch essen, konnten die Wissenschaftler nicht bestätigen.

Vor allem waren Veganer in der Studie eher introvertierte Menschen. Die Forscher vermuten, dass das unter anderem auf Vorurteile zurückzuführen ist. In der Gesellschaft gebe es oft noch ein negatives Bild von Veganern und Vegetariern, was zu bewusster, sozialer Abgrenzung führen könne. Laut soziologischen Studien werden Menschen, die sich pflanzlich ernähren, oft mit einem strengen Lebensstil und gesundheitlichen Nachteilen assoziiert. Der Stereotyp ist außerdem fanatisch, empfindsam und weniger männlich.

Studie zu Ernährung: So sind die Wissenschaftler vorgegangen

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler 8.943 Menschen in Leipzig über einen Zeitraum von drei Jahren begleitet: Sie haben sie zu ihrem Essverhalten befragt, ihren BMI ermittelt und Tests zu depressiven Symptomen und Persönlichkeitsmerkmalen mit ihnen gemacht. Beim Charakter interessierte die Forscher, wie neurotisch, extrovertiert, offen, umgänglich und pflichtbewusst die Befragten einzuordnen waren.

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