Schoko-Mythos Werden aus Weihnachtsmännern wirklich Osterhasen?

Stücke von Vollmilchschokolade, weißer Schokolade und Zartbitterschokolade liegen auf einem Holzbrett in der Küche.

Am 13. September ist internationaler Tag der Schokolade.

Am 13. September ist „Internationaler Tag der Schokolade“ – für Naschkatzen gilt das aber eigentlich täglich, oder?

Köln. Hand aufs Herz: Wir alle lieben doch Schokolade und stimmen sicher zu, dass Schokolade glücklich macht, oder? So viele Fans sie hat – so viele verschiedene „Spezial-Daten“ gibt es rund um die Nascherei, scheint es.

Einige Länder feiern die Schokolade national, aber auch international mangelt es nicht an Tagen für ihre Würdigung. Einer davon ist der morgige 13. September. Doch wo kommt die Schokolade eigentlich her – wer hat’s erfunden? So viel sei schon verraten: Die Schweizer waren’s nicht!

Schokolade war bereits vor Jahrtausenden beliebt

Es gilt als sicher, dass Kakao bereits ein Jahrtausend vor der Entdeckung Amerikas durch die Europäer den Ureinwohnern Südamerikas als Nahrungs- und Genussmittel bekannt war. Als Geschenk von „Quetzalcoatl“ – dem gefiederten Gott des Windes – angesehen, waren Kakaobohnen bei den Tolteken hochgeschätzt.  

Azteken, die im 12. Jahrhundert die Tolteken unterwarfen, übernahmen gern deren Kakao-Kultur – und benutzten die Samenkerne der Kakaofrucht sogar als Zahlungsmittel. Da Christoph Kolumbus (1451-1506) bei seiner Landung in Mittelamerika 1502 wenig Interesse am Kakao gezeigt hatte, blieb es Hernando Cortez (1485-1547) vorbehalten, nach der Eroberung des Aztekenreiches bei seiner Rückkehr nach Europa den ersten Kakao mitzubringen.

Schokolade: Vom bitteren Trank zum süßen Genuss

Die ungesüßten Kakao-Produkte der Azteken mochten den Europäern jedoch nicht so recht munden, entsprach doch ihr Geschmack recht treffend ihrem aztekischen Namen „xocoatl“, der sich aus „xococ“ (= sauer, herb, würzig) und „atl“ (= Wasser) zusammensetzt. Erst nach Zugabe von Honig oder Rohrzucker begann der Siegeszug der Kakao-Erzeugnisse in alle Welt. Und aus dem aztekischen „xocoatl“ wurde mit der Zeit Schokolade.

Heute unterscheiden wir zwischen Milchschokolade (dazu gehört auch weiße Schokolade), Zartbitter- und Bitterschokolade. Hierfür gibt es unterschiedliche Mindestanforderungen an die jeweiligen Kakaobestandteile, die in einer Verordnung selbstverständlich geregelt sind. So muss Bitterschokolade einen Kakaoanteil von mindestens 70 Prozent haben.  

Seit 2018 ist auch Ruby-Schokolade auf dem Markt. Die Besonderheit liegt darin, dass die rosa Färbung nicht auf den Zusatz von Farbstoffen, sondern auf die besondere Behandlung der Kakaobohnen selbst zurückgeht, bei der pflanzeneigene Pigmente chemisch behandelt werden.

Schokolade: Die Schweizer machen sie richtig lecker

Noch einmal zurück zur Schweiz. In Sachen klassischer Schokolade gilt das Land natürlich als Pionier der Schokokunst. 1875 erfindet Daniel Peter (1836-1919) die Milchschokolade. Nach etlichen Versuchen in seiner Schokoladenfabrik in Vevey findet er die richtige Mischung und hat damit rasch Erfolg. Seither ist die Schokolade das Aushängeschild der Schweiz.

Zusätzlich hält sich das Gerücht, dass die Schweizer und Schweizerinnen am meisten Schokolade in Europa essen. Doch das stimmt nur so halb. Pro Kopf wurden in der Schweiz im vergangenen Jahr durchschnittlich 9,9 Kilogramm konsumiert, so die Statistik des Verbands der Schweizer Schokoladenhersteller. Umgerechnet sind das 99 Tafeln. Das reicht locker für Platz 1 in Europa.  

Allerdings merken einige Fachleute an, dass die Statistik doch ein wenig täuschen könnte: Schweizer Schokolade sei für viele Touristinnen und Touristen eben ein beliebtes Souvenir. Wie groß der Anteil dieser privat exportierten Schoko-Süßigkeiten jährlich ist, weiß man nicht genau. Und Deutschland? Lag beim Pro-Kopf-Konsum mit 9,2 Kilo auf Platz 2.  

Weiße Schoggi und die Anfänge der Pralinen

So ganz ohne Kakao geht es natürlich auch bei weißer Schokolade nicht. Bestandteil weißer Schokolade ist aber nur die Kakaobutter, nicht das Kakaopulver. Um der Schokolade ihre Namen gebende helle („weiße“) Farbe zu verleihen, wird der Kakaomasse das dunkel färbende Kakaopulver entzogen. Weitere Zutaten von weißer Schokolade sind Milch und Zucker.

Weiße Schokolade tropft in einen Topf.

Weiße Schokolade zählt zu den beliebtesten Schokoladen-Sorten.

Besonders beliebt sind bei Schokoladen-Fans natürlich auch Pralinen – und das in unterschiedlichen Größen. Hauptsache sie sind mundgerecht, mit einem Biss verzehrt. Ihr Name stammt aus der Zeit des französischen Königs Ludwig XIV. (1638-1715) – auch Sonnenkönig genannt. Der unter Ludwig XIV. herrschende Marschall Graf von Plessis-Praslin hatte einen deutschen Koch, der seinem Herren gebrannte Mandeln servierte. Die benannte er nach seinem Arbeitgeber. Aus Praslin wurde Pralin – und im 19. Jahrhundert übertrug sich die Bedeutung auf Schokolade.

Darum lieben wir Schokolade

Kakao enthält einige Stoffe, die uns glücklich machen. Dazu zählen natürliche Aufputschmittel wie Koffein oder der Pflanzenstoff Theobromin, der rauschähnliche Zustände hervorrufen kann. Auch ein Baustein des Glückshormons Serotonin steckt im Kakao. Der Glückseffekt ist aber eher gering – besonders bei Milchschokolade mit nur 30 Prozent Kakaoanteil.

Mit Schokolade verbinden wir aber in der Regel positive Erinnerungen – von daher ist es mehr eine Kopfsache. Dass Schokolade außerdem gut fürs Herz ist, stimmt nur bedingt. Zwar haben britische Forscher herausgefunden, dass Menschen mit regelmäßigem Schoko-Konsum ein geringeres Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Schokolade kann aber dabei helfen, die Herz-Blutgefäße durchlässig zu halten. Je höher der Kakaoanteil, desto mehr gesunde Stoffe. Allerdings ist die Wirkung recht gering, so dass die gesundheitlich negativen Seiten der Nascherei – viel Fett und Zucker – die guten leider kompensieren.

Schoko-Mythos: Werden aus Weihnachtsmännern Osterhasen?

Nein, Weihnachtsmänner werden nicht zu Osterhasen eingeschmolzen. Das mögen noch so viele „findige“ Leute immer wieder behaupten und ihren Spaß daran haben. Die Hersteller von Weihnachtsmännern und Osterhasen fertigen ihre Saisonartikel aus stets frisch hergestellter Schokoladenmasse. Alles andere würde den Qualitätsansprüchen nicht genügen.

Ist die Weihnachtszeit vorbei, werden sie zu reduzierten Preisen verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet. Hat man daheim die Lust am Schoko-Weihnachtsmann oder -Hasen verloren, lassen sich daraus aber noch leckere Nachtische oder Kuchen zaubern.

Übrigens, der Osterhase hat den Weihnachtsmann in der Beliebtheit überholt. Die Zahlen aller Schokoladenhohlfiguren zeigen, dass 2019 stolze 220 Millionen Schoko-Hasen und im Jahr 2018 „nur“ 145 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner produziert wurden. (stz/dpa)

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