Was hinter ihren Videos steckt Sex-Aufklärerin spricht über alles, aber: „Alle unter 18 weiterscrollen“

Haben Männer eigentlich einen G-Punkt? Sind Pornos schädlich? Was versprechen Liebeskugeln? Gianna Bacio klärt auf Social Media auf.

Köln. Gianna Bacio ist die Aufklärerin im Netz und begeistert mittlerweile mehr als 620.000 Menschen (Stand: 8. November 2021) über das Videoportal TikTok. Sie nutzt ihre große Reichweite, um über Sexualität und den eigenen Körper aufzuklären. 

Haben Männer eigentlich einen G-Punkt? Sind Pornos schädlich? Was versprechen Liebeskugeln? 

Sex-Fragen im Internet erklärt

Gianna Bacio nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund. Kein Wunder, schließlich ist sie als „Die Aufklärerin“ über Sexualkunde-Themen deutschlandweit bekannt geworden.

Überwiegend ist sie auf TikTok und Instagram unter ihrem Namen giannabacio aktiv. Die Wahl-Hamburgerin postet dort kurze Videos auf eine unterhaltsame und lockere Art, bei der sie sich vor allem auf wissenschaftliche Fakten stützt. 

Gianna Bacio, durch Zufall „Die Aufklärerin“ 

Die gebürtige Kölnerin hat ursprünglich Grundschullehramt studiert, jedoch schnell gemerkt, dass das Schulsystem nicht das Richtige für sie ist. 

„Das Thema Sexualität und der eigene Körper fand ich aber schon immer sehr spannend“, erzählt Gianna Bacio EXPRESS.de im Frühjahr 2021. Weshalb sie eine weitere von vielen Fortbildungen machte, nämlich die Ausbildung zur Sexualpädagogin.

Vor etwa zehn Jahren hat sie zufällig von einem Youtubekanal namens „61minutensex“ erfahren, der Jugendliche und junge Erwachsene über Sexualität aufgeklärt hat. Es kam dazu, dass Gianna Bacio diesen Kanal mit moderierte. 

Es war also nie so geplant, dass sie „die Aufklärerin” im Internet werden wollte. Sie erklärt: „Es hat sich durch Zufälle und Ereignisse dann einfach auf das Thema Sexualität zugespitzt.“ 

„Das zeichnet mich aus“: Wie Gianna Bacio zur „Aufklärerin“ wurde 

Dadurch, dass die Sexualpädagogin zu Beginn Lehrerin werden wollte, liegt es ihr im Blut, Informationen und Wissenschaft zu verbreiten. Jedoch ist es ihr wichtig, diese Informationen dann leicht und locker aufzubereiten, wie sie selbst sagt: „Das zeichnet mich auf jeden Fall aus. Ich habe es schon immer eigentlich geliebt, eine Lehrende oder aufklärende Funktion zu haben.“ 

Dass sie zur „Aufklärerin“ wurde, entstand über mehrere Stationen. Zuerst moderierte sie „61minutensex“, startete den Podcast „Love your Sex“ und schrieb das Buch „Hand drauf!“.

TikTok und Instagram bescheren Gianna Bacio hohe Reichweite

So schaffte die Wahl-Hamburgerin es bei Instagram und TikTok schnell, großes Aufsehen und eine große Reichweite zu gewinnen. Zudem sind die Nutzer auf den sozialen Netzwerken eher interessiert, wenn ein Thema mit Leidenschaft behandelt und präsentiert wird, als wenn es trocken vorgetragen wird.   

So spricht sie zum Beispiel in einigen Videos darüber, wie Frauen beim Sex besser zum Orgasmus kommen können, in einem anderen erklärt sie die Unterschiede von Erregung und Lust oder sie klärt darüber auf, wie Männer beim Sex länger durchhalten können. 

Was sagen Freunde und Familie zu Videos von Gianna Bacio? 

In ihrem Familien- und Freundeskreis erregen ihre Videos gar kein so großes Aufsehen, wie man denken würde. Sie selbst sagt: „Meine Familie weiß zum Teil wahrscheinlich gar nicht, was ich da so mache.“ 

Gianna Bacio beschreibt, dass sie eine sehr große Familie habe. Ihr selbst sei es aber auch gar nicht so wichtig, ob ihr enger Umkreis die Videos anschaut. Teilweise ist die TikTokerin auch mal froh in ihrem privaten Umfeld nicht über das Thema sprechen zu müssen.

„Ich schäme mich für keine Videos, die ich gemacht habe“ 

Gianna Bacio steht zu ihren Videos und bereut keins, dass sie veröffentlicht hat.

Sie sagt zwar, dass es Themen gebe, die sie besonders stark emotional berühren wie zum Beispiel „Sexuelle Gewalt“, „toxische Beziehung“ oder das Thema „toxische Männlichkeit“. Nach ihrer Aussage hätten diese Themen eventuell auch anders von ihr angegangen werden können: „Wahrscheinlich würde ich teilweise diese Videos heute anders drehen.“ 

Jedoch erklärt die Buchautorin, „dass diese Schärfe, die dann teilweise solche Videos hatten, auch was für sich hatten, weil das eben total natürlich aus mir sprach“. 

Gianna Bacio über die verschiedenen Reaktionen im Netz 

Die Influencerin erhält auf ihre Videos unterschiedliche Reaktionen, sowohl positive als auch negative. „Es gibt allerdings Themen, welche besonders heftige Reaktionen hervorrufen, was ich unglaublich spannend finde”, wie sie beschreibt. Viele fühlen sich direkt persönlich angegriffen, weil sie denken, es würde um ihre persönliche Sexualität gehen.  

Besonders Themen wie „Männlichkeit“ oder „Erektionsprobleme“ stoßen auf zum Teil heftige Gegenreaktionen und einige Follower denken, sie müssten sich verteidigen.  

Allerdings findet Gianna Bacio, dass die Entstehung von Problemen oder „Herausforderungen“, wie sie es lieber nennt, in der Sexualität etwas ganz Normales sei und der konstruktive Umgang damit etwas Gutes für sich bringen kann. 

Zwischen „Hatern“ und „Dickpics“ – wie Gianna Bacio damit umgeht 

Hater-Kommentare oder anzügliche Nachrichten gehören leider auch zu ihrer Welt als „Aufklärerin“. Im Netz redet sie offen über sogenannte „Dickpics“ (ungefragte Penis-Bilder, die versendet werden) oder „Nacktbilder“, die ihr geschickt werden.

Da stellt sie klar: „Das ist meine persönliche Grenze, und wenn das missachtet wird und mir trotzdem Dickpicks geschickt werden, dann bringe ich die halt zur Anzeige!“ 

Auch das Blockieren von Menschen auf Instagram oder TikTok ist mittlerweile gang und gäbe bei der Influencerin, wenn Menschen die Grenze nicht respektieren.  

Hater-Kommentare versucht sie sich nicht weiter anzunehmen. „Ich lese über viele Hater-Kommentare hinweg, gerade welche die Äußerlichkeiten betreffen. Da bin ich inzwischen so, dass die hier rein und da wieder raus gehen.“  

Wie „die Aufklärerin“ zu Tabuthemen steht 

Gianna Bacio selbst sagt, dass es keine Tabus rund um das Thema Sex für sie gebe, jedoch stellt sie eine klare Grenze auf, wenn es um ihr eigenes Schlafzimmer geht.  

„Die Aufklärerin“ beschreibt: „Ich würde wahrscheinlich damit nur die Neugier bei einigen Menschen stillen, aber es hilft einem persönlich, in der eigenen Sexualität, ja nicht weiter. Was hast du davon, wenn du jetzt weißt, was ich selbst treibe?“ 

Persönliche Befindlichkeiten tun hier für sie nichts zur Sache. 

Warum es Gianna Bacio so wichtig ist über die Sexualität aufzuklären 

Die Tiktokerin und Autorin beschreibt, dass die Sexualität der intimste und verletzlichste Lebensbereich sei und viele Unsicherheiten mit sich bringt. Allerdings kann daraus auch viel für sein eigenes Körperbewusstsein oder für die Partnerschaft gewonnen werden.

Gianna Bacio erklärt, dass sich zuerst die Frage gestellt werden sollte, wofür Sex eigentlich steht.  

Die Sexualität stehe dafür, Intimität und Bindung zu schaffen. Ohne Sex können Menschen leben, jedoch nicht ohne Bindung und Nähe. Man sollte sich also eher damit befassen, die Sexualität zu einem Bereich werden zu lassen, der stimmig für einen selbst ist und Lebensenergie schaffen kann, so Gianna Bacio.  

„Die Aufklärerin“ versucht das Themengebiet also tiefgründiger anzugehen und stellvertretend für viele darüber zu sprechen.  So soll es anderen leichter fallen, sich ebenfalls darüber auszutauschen: „Ich mache schon mal die Tür auf und ihr könnt nachkommen.“  

Auch heute fällt die Äußerung der eigenen Bedürfnisse noch schwer 

Die Sexualpädagogin erklärt, dass die Äußerung mit Verlustängsten oder Altlasten einhergeht. Menschen haben Angst, von ihrem Partner verlassen zu werden. Die eigenen Bedürfnisse sind meist auch mit Scham besetzt.

„Gerade für Frauen ist es schwierig ihre Bedürfnisse zu äußern, da sie jahrhundertelang unterdrückt wurden und noch viel aufzuarbeiten haben, da hängen noch viele Altlasten mit“, erklärt Gianna Bacio.  

Sie beschreibt, dass dies von emotionalen Verstrickungen komme. Wenn diese jedoch einmal durchbrochen werden und ein neutralerer Blick darauf gewonnen wird, lässt die Angst nach und eigene Bedürfnisse können offener geäußert werden. 

Wann Selbstliebe entstehen kann  

Zum Thema Selbstliebe erklärt Gianna Bacio, wie diese für sich selbst gewonnen werden kann. Selbstliebe entstehe, sie komme aus einem heraus, wenn in sich hineingehorcht wird und sich Fragen gestellt werden, wie „Was sind meine eigenen Bedürfnisse?”, „Was macht mich aus?“ und „Was sind meine Werte?“. 

Die Autorin erklärt, dass diese Fragen jedoch von vielen vernachlässigt werden und man sich eher fragt, was das Umfeld von einem hält oder denkt. „Wir sind so in unserem äußeren Umfeld verstrickt, dass wir es kaum schaffen, da mal auf uns selbst zu gucken“, äußert sich die Sexualpädagogin. 

Gianna Bacio nennt folgende Tipps für den Weg zur Selbstliebe: 

  • Zeit mit sich selbst verbringen und einen Blick nach innen wagen 
  • Auf sich selbst hören und Dinge verändern, wenn man Gedanken hat wie “Das ist nicht das, was ich gerade will“ oder „Die Lebensweise stimmt gerade nicht mit den Werten überein, die ich eigentlich vertrete“ 
  • Darauf hören, was die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse sind 

Die Selbstliebe wird dann von selbst entstehen, wenn der Blick auf sich selbst gerichtet wird und nicht darauf, wie man anderen gefällt. 

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