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Corona bei Kindern Drosten mit brisanten Befunden – Ärzte wegen Krankheit beunruhigt

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Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, forscht intensiv am Coronavirus.

Berlin/London – Es ist eine der großen Fragen im Zuge der Corona-Pandemie: Welche Ansteckungsgefahr geht von Kindern aus? Die Datenlage dazu ist bisher dünn und widersprüchlich – nun gibt es eine erste Analyse in Deutschland. Sie dürfte die Debatte über die Öffnung von Schulen und Kitas beeinflussen.

Kinder sind der Analyse in Deutschland zufolge in der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Forscher warnen aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland.

Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht, berichtet das Team um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité in einer vorab veröffentlichten und noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie.

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Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zeigten in vielen Ländern Wirkung, schreiben die Forscher. Mit Lockerung der Kontaktbeschränkungen gebe es vermehrt auch Diskussionen darüber, inwieweit die Schließung von Schulen und Kindergärten zu diesem Erfolg beigetragen hat – und wie sich eine Wiedereröffnung auf die Ausbreitung des Virus auswirken könnte. Bisher sei unklar, inwieweit Kinder das Virus an andere weitergeben.

Corona: Wie infektiös sind Kinder? Untersuchung ist derzeit schwierig

Die Untersuchung dieser Frage sei schwierig, gerade weil die Schulen früh geschlossen wurden und weil das Virus vor allem in der Anfangsphase der Epidemie vor allem von erwachsenen Reisenden weitergegeben wurde. Zudem hätten Kinder oft keine oder nur leichte Symptome und würden deshalb seltener getestet.

Das Team um Drosten hatte nun in Proben von 3712 Infizierten, die zwischen Januar und 26. April in einem Berliner Testzentrum untersucht wurden, die Menge an Sars-CoV-2-Viren bestimmt. Sie fanden keinen Unterschied in der Viruslast zwischen verschiedenen Altersgruppen. Bei der Beurteilung der Ansteckungsgefahr in Schulen und Kindergärten müssten die gleichen Annahmen zugrunde gelegt werden, die auch für Erwachsene gelten, schreiben die Forscher.

Drosten mit Einschränkung: Weitreichende Untersuchung derzeit nicht möglich

Es gebe Argumente, denen zufolge Kinder weniger ansteckend seien als Erwachsene, erläutern die Wissenschaftler auch. Etwa, dass sie meist keine Symptome haben und deshalb weniger husten, und weil sie weniger Atemluft ausstoßen. Auf der anderen Seiten seien sie aber körperlich und sozial viel aktiver.

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Drosten schränkte im NDR-Podcast ein, dass die Studie wegen ihres Ansatzes nur indirekte Hinweise geben könne: Untersuchungen zu Übertragungen von und durch Kinder direkt etwa in Schulen oder Kitas seien derzeit wegen der Schließungen gar nicht möglich.

Auch hätte die Zahl einbezogener Kinder noch größer sein können, so der Virologe. Aber positiv getestete Kinder seien sehr selten, unter anderem weil in Deutschland vor allem Patienten mit Symptomen getestet werden. Kinder hätten häufig milde oder keine Symptome.

Drosten: Kinder und Erwachsene haben offenbar unterschiedlich großes Ansteckungsrisiko

Unter Berufung auf eine „Science“-Studie berichtete Drosten im NDR auch davon, dass Kinder und Erwachsene offenbar ein unterschiedlich großes Ansteckungsrisiko haben: Kinder seien – stark vereinfacht gesagt – nur ein Drittel so anfällig wie Erwachsene dafür, infiziert zu werden, bilanzierte der Wissenschaftler. Er gab jedoch zu bedenken, dass sich das vielleicht durch das Verhalten wieder ausgleiche – etwa weil Kinder untereinander viel intensivere Kontakte hätten.

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Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, betonte am Donnerstag, dass Kinder für die Ausbreitung wohl dieselbe Rolle spielten wie Erwachsene. „Sie können angesteckt werden, sie können das Virus ausscheiden und andere anstecken“, sagte er. Dabei spiele ihr Sozialverhalten eine größere Rolle als bei Erwachsenen. Kinder seien weniger gut darin, sich an Abstandsregeln zu halten.

Britische Ärzte warnen vor schweren Covid-19-Verläufen bei Kindern

Derweil berichtet das britische Fachblatt „HSJ” von merkwürdigen und schwerwiegenden Symptomen bei Kindern. Ärzte warnen vor ungewöhnlichen, neuen Symptomen, mit denen Kinder derzeit auf Intensivstationen behandelt werden mussten, heißt es. Bislang zählen sie nicht nur Risikogruppe bei Covid-19, denn in den meisten Fällen verläuft die Krankheit milder als bei Erwachsenen.

Matt_Hancock_UK

Doch laut Fachblatt sind Ärzte beunruhigt, weil einige an Corona erkrankte Kinder schwere Multi-System-Entzündungen mit grippeähnlichen Symptomen zeigten. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock äußerte sich besorgt über die Fälle und sagte, dass es sich dabei um Anzeichen eines neuen Corona-assozierten Syndroms bei Kindern handeln könne, das dringend untersucht werden müsste. Die Beschwerden würden offenbar durch eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst. Deshalb wurde eine Warnung an Ärzte in Großbritannien diesbezüglich herausgegeben.

Entzündliche Krankheiten bei Kindern: Ähnliche Fälle in anderen Ländern

Auch in Frankreich sind vermehrt entzündliche Krankheiten bei Kindern festgestellt. worden, ebenso in Spanien, Italien und der Schweiz. Es gibt auch schwere Verläufe bei Kindern in Deutschland: Laut einer Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie liegen derzeit 114 gemeldete Covid-19-Fälle in Kinderkliniken in Deutschland – 14 davon auf der Intensivstation. Ein Kind ist verstorben.

Laut britischen Gesundheitsbehörden ähneln die Befunde an das Kawasaki-Syndrom. Bei den Kindern traten Bauchschmerzen, Magen-Darm-Symptome ebenso häufig wie Herzentzündungen auf.

Kinder- und Jugendarztpräsident weist die Warnungen zurück

Von den gemeldeten Erkrankungen seien auch – aber nicht ausschließlich – Kinder betroffen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, heißt es. Es gebe noch „viele Fragen“ und nicht ausreichend Beweise, heißt es seitens des französischen Gesundheitsministers Olivier Véran. Der Minister rief Ärzte und Wissenschaftler in allen Ländern auf, auf derartige Fälle zu achten.

Der Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach hat Warnungen vor einer womöglich durch Covid-19 verursachten gefährlichen neuen Infektionskrankheit bei Kindern als haltlos zurückgewiesen. „Die Berichte stiften unnötige Verwirrung, es gibt keinen Grund zur Panik”, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) der „Neuen Osnabrücker Zeitung”. (dpa/mg)

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