Experte Warum es richtig ist, dass Ältere Astrazeneca bekommen und Jüngere nicht

Astrazeneca

Laut Empfehlung der Impfkommission in Deutschland (Stiko) sollen Menschen unter 60 Jahren nicht mehr mit dem Astrazeneca-Präparat, hier bei der Vorbereitung einer Impfung in Frankreich, geimpft werden.

Berlin – Die Unsicherheit in der Bevölkerung um den Corona-Impfstoff Astrazeneca wächst. Während die EU-Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers weiter empfiehlt, rät die Impfkommission in Deutschland (Stiko) zu einem geänderten Umgang mit dem Mittel.

  • Astrazeneca: Nutzen überwiegt auch für Jüngere
  • Impfkommission rät trotzdem von Astrazeneca für Jüngere ab
  • Neun Menschen starben im Zusammenhang mit Impfung

Bund und Länder waren am Dienstag (30. März 2021) einer Empfehlung der Stiko gefolgt, das Astrazeneca-Mittel in der Regel nur noch Menschen über 60 verabreichen zu lassen. Grund dafür waren 31 gemeldete Verdachtsfälle einer Hirnvenenthrombose. Davon verliefen neun Fälle tödlich.

So will die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland den Impfstoff nicht mehr an Jüngere verimpfen lassen. Prof. Rüdiger von Kries, Mitglied der Stiko, untermauert dies.

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Impfkommission: Junge Menschen sollen nicht mehr mit Astrazeneca geimpft werden

Im Gespräch mit „Bild” erklärt von Kries, dass vor allem jüngere Menschen von Komplikationen betroffen sein können, weil Jüngere eine stärkere Immunantwort nach der Impfung haben.

Ältere würden – nach heutigem Wissensstand – generell weniger auf den Impfstoff reagieren. Demnach sei auch die Gefahr für Komplikationen bei älteren Menschen „deutlich geringer”.

„Der genaue Mechanismus” sei zwar noch „unklar”. Jedoch würden im Zusammenhang mit dieser Impfkomplikation Blutplättchen zum Platzen gebracht. Es entstehe ein Mangel, wodurch das Blut verklumpt und Thromben entstehen.”

Dabei würden spezifische Antikörper eine entscheidende Rolle spielen. Und je stärker das Immunsystem reagiert, desto mehr Antikörper werden gebildet.

Bei über 60-Jährigen überwiege laut Aussage des Experten der Nutzen einer Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff, weil sie ein generell höheres Risiko haben, an Covid19 zu sterben. Bei den Jüngeren ist das Risiko, an Covid zu sterben, geringer. Daher sei es „richtig, wenn wir ihnen die Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff nicht empfehlen”.

Astrazeneca: Knapp 3 Millionen Deutsche haben Erstimpfung erhalten

Der Experte stellte darüber hinaus klar, dass Thrombosen auch im Zusammenhang mit anderen Impfstoffen entstehen könnten. Aber: „Es sind nicht mehr als erwartet. Insbesondere gibt es auch den gefährlichen Mechanismus von zu wenigen Blutplättchen und Thrombosen nicht.“

Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts haben mit Stand Donnerstag (1. April 2021) 2,85 Millionen Personen eine Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Präparat erhalten, ein zweites Mal geimpft wurden lediglich knapp 2000 Menschen.

Allerdings sind hier auch die über 60 Jahre alten Geimpften eingerechnet – für sie gilt die Empfehlung für eine Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin nicht.

Impfung mit Astrazeneca: Nutzen überwiegt auch für Jüngere

Die Wahrscheinlichkeit, nach der Impfung mit Astrazeneca eine Sinusvenenthrombose zu entwickeln, liegt bei 0,00109 Prozent.

Auch wenn laut Einschätzung des Impfstoffexperten und Virologen Prof. Klaus Stöhr selbst bei unter 60-Jährigen das Nutzen-Risiko noch zu Gunsten des Astrazeneca-Impfstoffes ausfällt, stellt er die berechtigte Frage: „Es gibt alternative Impfstoffe. Warum dann nicht die Impfstoffe anders verteilen, wenn damit das Restrisiko noch weiter gesenkt werden kann?“

Davon abgesehen glaubt Prof. von Kries nicht, dass der Astrazeneca-Impfstoff für alle, die sich freiwillig damit impfen lassen möchten, freigegeben werde.

„Das halte ich für nicht realistisch, denn so viel Astrazeneca haben wir nicht. Wenn wir nun umschichten, reicht es aus, um die über 60-Jährigen damit zu impfen”, so der Experte. (jba, mit dpa) 

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