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„Es ist wie ein Tod” Opfer erzählen im ZDF ihre unfassbaren Tinder-Geschichten

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Lucie weiß: Tinder kann süchtig machen. „Man kann in einer Viertelstunde 50 Kandidaten nach links wischen”, erklärt sie in der ZDF-Reportage. „Das ist wie eine Droge. Du willst immer mehr!”

Köln – In Zeiten von Dating-Apps verschwinden potenzielle Partner oft genauso schnell wieder, wie sie aufgetaucht sind. Eine ZDF-Reportage versuchte am Dienstagabend, dem Phänomen „Ghosting” auf den Grund zu gehen.

  • ZDF geht am Dienstagabend „Ghosting” auf den Grund
  • Opfer erzählen dort ihre unfassbaren Geschichten, die sie etwa auf Tinder erlebt haben
  • Ist die Liebe flüchtig geworden?

Wer sich heutzutage auf Partnersuche begeben möchte, muss dafür nicht einmal die eigenen vier Wände verlassen. Gerade in Zeiten von immer wiederkehrenden Lockdowns und Social Distancing hat sich Online-Dating für viele als willkommene Möglichkeit erwiesen, trotz Pandemie neue Menschen kennenzulernen.

Auf der wohl erfolgreichsten Dating-App, Tinder, funktioniert dies, indem man per Wisch nach rechts oder links entscheidet, ob ein anderer Nutzer als potenzieller Partner infrage kommt – oder eben nicht.

So weit, so unkompliziert, könnte man also meinen. Dabei sind Plattformen wie Tinder maßgeblich an der Entstehung des Begriffes „Ghosting” („Vergeisterung”) beteiligt. Soll heißen: Eine Person, die man datet, verschwindet plötzlich von der Bildfläche. Am Dienstagabend zeigte eine TV-Reportage, was hinter dem Begriff steckt und mit welchen zum Teil verheerenden Folgen Betroffene fertigwerden müssen.

Reportage-Reihe „37°” auf ZDF widmet sich dem Thema „Ghosting”

Von einem Tag auf den anderen erhält man weder auf Nachrichten noch Anrufe eine Antwort – die Person hat sich scheinbar in einen schlichtweg nicht mehr greifbaren Geist verwandelt.

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Lucie erklärt in der ZDF-Reportage: „Ich finde, die verletzendste Form Menschen loszuwerden, ist Ghosting, dass man sich von einem auf den anderen Moment nicht mehr meldet, den anderen auslöscht.”

In einer neuen Ausgabe der Reportage-Reihe „37°” gingen die Filmemacher Tina Soliman und Torsten Lapp diesem Phänomen auf den Grund. Sie lassen in den Film, der nun auch in der ZDF-Mediathek zu finden ist, Menschen zu Wort kommen, die alle ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem wortlosen Abschied gemacht haben.

„Ghosting”: Ist die Liebe flüchtig geworden?

„Im realen Leben bin ich noch nie geghostet worden! Das ist mir nur mit meiner Tinder-Beziehung passiert”, berichtete etwa die 53-jährige Katja. Die Werbetexterin war ein Jahr lang mit ihrem Partner zusammen, bevor dieser wie aus dem Nichts den Kontakt zu ihr abbrach.

„Es ist eigentlich wie ein Tod – einfach weg”, erzählt sie. Katjas Geschichte ist bei weitem kein Einzelfall: Mehr als 80 Prozent der jüngeren Nutzer haben bereits schmerzhafte Erfahrungen gemacht mit dem Ghosting, heißt es im Film. Denn: Nicht nur das Dating, sondern auch das Verlassen sei einfacher geworden.

Ist die Liebe also durch die Popularität von Dating-Apps flüchtiger geworden? Ein Zusammenhang scheint auf jeden Fall zu bestehen, wenn Frauen wie Lucie von ihren Erfahrungen mit Plattformen wie Tinder berichten.

Lucie über Tinder: „In einer Viertelstunde 50 Kandidaten nach links wischen”

„Man kann in einer Viertelstunde 50 Kandidaten nach links wischen”, erklärt Lucie. „Das ist wie eine Droge. Du willst immer mehr!” Aus Angst, der bessere, perfekte Partner könnte sich jederzeit hinter dem nächsten Swipe verbergen, wage man es nicht mehr, eine verbindliche Beziehung einzugehen. Ghosting sei „die verletzendste Form, Menschen loszuwerden”, sagt sie. „Das hat einfach niemand verdient, einfach weggeworfen, so entsorgt zu werden.”

Dabei leiden Menschen, die ohne Erklärung verlassen werden, oft noch monatelang unter der Ungewissheit. Nussin zum Beispiel wurde depressiv, nachdem ihr Freund sie auf allen Plattformen blockiert hat. „Man meidet Menschen. Und man hat Angst vor Annäherung. Nähe bedeutet für mich mittlerweile Bedrohung”, erzählt sie. „Das muss man erst mal verkraften.”

Ghosting-Opfer im ZDF: „Mich einfach zu löschen ist ein existentieller Angriff”

Bis heute versucht sie zu verstehen, wie es zu dem Ausbleiben einer letzten Nachricht kommen konnte: „Sich nicht zu erklären und mich einfach zu löschen, ist feige. Es ist besser zu sagen, wenn man nicht interessiert ist. Damit hätte ich leben können. Aber mich einfach zu löschen ist ein existentieller Angriff.” Sie habe „sehr gezweifelt”, berichtet sie nun: „an meiner Person und wie ich bin”.

Der „37°”-Film von Tina Soliman und Torsten Lapp erzählte von schmerzlichen, teilweise auch unfassbaren Erfahrungen. Der Beitrag stellte das Prinzip Online-Dating zwar nicht grundsätzlich infrage, doch für die meisten Zuschauer warf er fraglos ein völlig neues Licht auf das „Wisch und weg”-Phänomen der Liebe in modernen Zeiten. (tsch)