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Wie Ramelow sich Ärger einhandelte Neue App „Clubhouse” setzt auf umstrittene Methode

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Eine Nutzerin der Social-Media-App Clubhouse zeigt ihr Smartphone mit der Audio-Anwendung. In den virtuellen Räumen können die User einem Audio-Chat anderer Clubhause-Anwender zuhören oder sich aktiv an dem Gespräch beteiligen. 

Köln – Mit ihr handelte sich Bodo Ramelow reichlich Ärger ein, weil er munter drauflos plauderte: Die neue App „Clubhouse” sorgt seit einiger Zeit für mächtig Wirbel. Eine App, die auf eine umstrittene Methode setzt und Ramelow auch gleich die Grenzen dieser neuen Kommunikationsform aufzeigte.

  • Die App „Clubhouse” wird derzeit zu einem riesigen Social-Media-Trend
  • Auch Bodo Ramelow hat sich von dem Trend anstecken lassen und handelte sich Ärger ein
  • „Clubhouse” will indes expanideren und soll künftig auch auf Android-Systemen laufen

Promis wie Drake, Paris Hilton und Oprah Winfrey haben sie, auf Twitter ist sie bei Tagen in den Trending-Charts und bei den App-Downloads hat sie nun sogar Telegram überholt: Die neue App Clubhouse.

Überall liest man von der neuen Social-Media-App, um die heiß begehrten Einladungen ist ein regelrechter Hype entstanden. Ein Hype, den auch Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow neugierig machte, wie er dem RND sagte. Auch er hat es ausprobiert und direkt für viel Wirbel gesorgt mit seinen sehr freimütigen Äußerungen.

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Clubhouse: Gespräch mit Bodo Ramelow um „Candy Crush“ und „Merkelchen“

In dem Gespräch am Freitag in der App hab es sich um Familienpizza gedreht, Heidi Klum, Filme. Und irgendwann lockerte sich offenbar auch Ramelows Zunge: Er erzählte, während der stundenlangen Sitzungen „Candy Crush“ zu spielen und nannte Angela Merkel „das Merkelchen“.

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Bodo Ramelow (Die Linke), hier nach einem Pressestatement am 19. Januar 2021 in Erfurt, hat sich für die Aussagen in der Clubhouse-Talkrunde entschuldigt.

Das Problem: Unter den Zuhörern war auch ein Journalist, der anschließend über die Äußerungen berichtete. Dabei ist direktes Zitieren und vorherige Zustimmung laut Geschäftsbedingungen von Clubhouse verboten. Ist das realistisch, wenn ein Spitzenpolitiker salopp über eine Sitzung spricht? Ramelow jedenfalls kritisierte, viele Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen. Er entschuldigte sich.

Clubhouse: Was steckt hinter dieser neuen App?

„Die Betreiber müssen erst mal begreifen, welchen Hype sie da in Deutschland ausgelöst haben, und ihre Konsequenzen daraus ziehen“, sagte er RND. „Wenn ich da meinen Regierungssprecher mitbringen muss, dann ist Clubhouse für Politiker tabu.“

Doch was steckt dahinter und was macht die App so einzigartig?

Vergangene Woche Montag (18. Januar) verdrängte die Audio-Anwendung, die bislang nur für das iPhone verfügbar ist, jedenfalls den populären Messengerdienst Telegram in Deutschland von Platz zwei der Liste der am häufigsten heruntergeladenen Gratis-Anwendungen im App-Store von Apple. Auf Platz 1 liegt der Messenger Signal.

Clubhouse: Was steckt hinter der neuen Social-Media-App?

Clubhouse ist eine Audio-App, bei der die Anwender Gesprächen wie bei einem Live-Podcast zuhören oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen können. Im Gegensatz zu Netzwerken wie Twitter kann man Beiträge nicht schriftlich kommentieren oder „Likes“ vergeben.

Dabei gibt es drei wichtige Rollen: 

  • Moderatoren: Sie leiten die Diskussionen, indem sie Usern das Wort erteilen und sie so zu Sprechern machen. Umgekehrt können sie User jedoch auch wieder von der Bühne entfernen.
  • Sprecher: Als Sprecher können User aktiv an der Diskussion teilnehmen und sich in der Gruppe äußern.
  • Zuhörer: Noch keinen Mut, Moderator oder Sprecher zu werden? Kein Problem, denn als Zuhörer können User einfach mithören, was es zu dem Thema aktuell zu sagen gibt. Jeder, der einem Raum beitritt, kann die aktuelle Diskussion live verfolgen. Wer per Knopfdruck seine Hand hebt, zeigt den Moderatoren, dass er ebenfalls etwas sagen will. 

Zum Marketing-Konzept der Clubhouse-Macher gehört eine künstliche Verknappung. Die App wird bislang nur für iOS angeboten, die Macher kündigten aber schon einige Android-Version an. Das kündigten die beiden Firmengründer Paul Davison und Rohan Seth am Sonntag in einem Blogeintrag an.

Clubhouse: Woher bekommt man eine Einladung für die App?

Doch auch die meisten iPhone-Besitzer, die Clubhouse installiert haben, müssen noch warten, um die App überhaupt nutzen zu können. Sie benötigen eine Einladung von einem aktiven Clubhouse-Anwender.

Auf Twitter gibt es bereits unzählige Beiträge von Nutzern, die auf der Suche nach einer der begehrten Einladungen sind. User, die es in die App geschafft haben, bieten die Einladungen mittlerweile sogar auf Online-Plattformen zum Kauf an. 

Clubhouse: Trotz Hype gibt es Kritik am Datenschutz 

Doch bei all dem Hype gibt es auch bereits Kritik an der neuen App, denn: Für die virale Verbreitung setzt Clubhouse auf eine umstrittene Methode, die bereits Grundlage des rasanten Wachstums von WhatsApp war.

Nachdem man die App installiert und die Einladung aktiviert hat, verlangt die App Zugriff auf sämtliche Einträge im Kontakte-Adressbuch des verwendeten iPhones.

Diese Praxis wurde bei WhatsApp von Datenschützern in Europa heftig kritisiert, weil die Anwender eigentlich zuvor jeden einzelnen Kontakt um Erlaubnis fragen müssten, bevor die persönlichen Daten auf Server in den USA übertragen werden. (mei/mg/dpa)

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