Auseinandergelebt Unsere Beziehung ist seit Jahren mühsam und langweilig

Irgendwie haben wir uns sehr auseinandergelebt.

Irgendwie haben wir uns sehr auseinandergelebt.

Hallo Beatrice,

mein Problem ist folgendes: ich bin seit knapp acht Jahren mit meinem Freund (30) zusammen. Für mich war er mal DIE große Liebe. Inzwischen sind einige Jahre vergangen und wir haben vor einem halben Jahr geheiratet. Das hat sich aber anscheinend als riesiger Fehler herausgestellt.

Vielleicht wäre alles aber auch ohne Eheschließung so gekommen.

Ich habe so lange darauf gewartet, dass ich dann einfach JA gesagt habe, ohne nochmal darüber nachzudenken, ob unsere Beziehung noch so ist, wie sie mal war.

Als wir uns kennenlernten, waren wir beide noch Studenten. Wir haben uns in seinem Land, wo ich als Austauschstudentin war, kennengelernt. Dann ist er zu mir nach Deutschland gekommen, hat die Sprache gelernt und studiert jetzt hier.

Inzwischen arbeite ich seit zwei Jahren und bin durch den Job auch oft unterwegs. Leider muss ich mich auch zu Hause um alles kümmern. Alles, was Rechnungen, die Wohnung, Reparaturen usw. betrifft, liegt in meinen Händen.

Er schiebt es immer darauf, dass er ja nicht so gut deutsch könne. Manchmal musste ich sogar mit ihm zum Prüfungsamt an der Uni, weil er bei wichtigen Dingen immer will, dass ich mitkomme.

Irgendwie haben wir uns sehr auseinandergelebt.

Es gibt keine Zärtlichkeiten, oder nur wenige, wir reden nicht mehr so lange wie früher, er will nicht mal meine Hand auf der Straße halten. Ich habe mich total vernachlässigt gefühlt und das auch öfter gesagt. Er meinte dann nur, dass bilde ich mir nur ein und er liebe mich. 

Hinzu kommt als Problem, dass er kaum zur Uni geht, sich nie wirklich ernsthaft um das Studium kümmert und sich dann wundert, dass er durch alle Prüfungen fällt. Er jobbt nebenbei ein bisschen und so haben wir auch nie Geld, um einfach mal ein Wochenende weg zu fahren.

Ich hatte so langsam das Gefühl, dass ich mich entwickle, erwachsen werde, und er auf der Stelle tritt.

Mein Mann hatte auch keine Freunde hier in Deutschland und wenn er nichts mit mir unternahm, machte er gar nichts. Meist hat er ständig geschlafen (oft auch, wenn ich da war).

Trotzdem dachte ich immer, dass ich ihn doch schließlich liebe, er war doch DER Richtige gewesen und wir müssten nur ein bisschen an der Beziehung arbeiten, dann ginge das schon. Ich wollte einfach nicht aufgeben. 

Die ganze Unzufriedenheit mit der Beziehung war mir auch nicht so sehr bewusst, bis ich auf einer längeren Dienstreise war. Es hat so viel Spaß dort gemacht, es war wie eine andere Welt. Ich fing an, mir aus der Entfernung Gedanken über unsere Beziehung zu machen und sah, dass wir ja gar nicht mehr glücklich waren und das unser Leben total langweilig geworden war.

Dann habe ich mich auf der Dienstreise in einen anderen verliebt. Das war nicht geplant. Wir haben uns geküsst, aber wir hatten keinen Sex, weil ich ja schließlich verheiratet bin und so weit wollte ich einfach nicht gehen.

Leider hat mein Mann davon erfahren (er hat heimlich meine E-Mails gelesen). Ich habe dann lange mit ihm gesprochen und ihm auch gesagt, dass ich mich sehr vernachlässigt und gelangweilt gefühlt habe.

Natürlich habe ich ihn sehr verletzt und das tut mir auch leid. Ich habe mich bei ihm oft entschuldigt und wollte ihm so viel Zeit geben, wie er will, in der Hoffnung wir hätten noch eine Chance.

Inzwischen aber läuft alles durcheinander.

Die Sache ist jetzt knapp drei Monate her. Mal will er sofort die Scheidung, dann wieder nicht. 

Mal will er sich ändern, aber nach drei Tagen will er mich wieder verlassen, weil ich keinen Sex wollte (ein anderes Problem, das wir schon seit Jahren haben).

Dann überlegt er wieder neu und bemüht sich sehr, aber nur zwei Tage. Dann gibt es wieder Krach und er will sich trennen.

Ich habe ihn gefragt, ob wir uns nicht auf Zeit trennen sollten, vor allem räumlich. Ich dachte, so könnten wir uns wieder neu entdecken und langsam wieder Vertrauen und Liebe finden. Das will er aber nicht. Er sagt: ganz oder gar nicht.

Inzwischen bin ich mir selbst nicht mehr sicher, ob ich ihn überhaupt noch liebe. Wenn er nicht da ist, vermisse ich ihn manchmal ein bisschen, aber ich genieße auch die Freiheit und die Chance mein langweiliges Leben endlich zu verändern.

Wenn er dann da ist, streiten wir schnell und auf Sex habe ich absolut keine Lust.

Hat denn unsere Beziehung überhaupt noch eine Chance?
Wenn ja, wie kommen wir aus diesem Teufelskreis heraus?
Wie können wir uns klar werden, was wir wirklich empfinden?

Ich habe ihm gesagt, ich bräuchte noch Zeit, aber er meint, ich hätte schließlich schon einige Wochen Zeit gehabt, als er in seiner Heimat war. Das müsse reichen, sonst sei eben für immer und ewig Schluss.

Im Moment will er mich sowieso nie wieder sehen, weil er denkt, ich würde mich nochmal mit dem Anderen treffen, dabei habe ich den Kontakt abgebrochen und ihm das auch gesagt. Aber ich will mit meiner Familie in den Urlaub fahren und ich will ihn nicht dabei haben, weil ich endlich mal ausspannen will und eben weg von allem, kein Beziehungsstress und keine komplizierten Gespräche, kein Streit und keine Tränen.

Das versteht er natürlich nicht, sondern denkt immer nur, ich will ihn betrügen.

Sophie (32)

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Liebe Sophie,

ich halte es für richtig, dass du diesen Urlaub ohne ihn machst, denn es ist sehr wichtig, dass du Abstand von allem gewinnst, um dir über deine Gefühle und Entscheidungen klar werden zu können. Im Grunde bräuchtest du sogar noch mehr Beziehungspause als nur ein paar Wochen.

Ich hab das Gefühl, er ist jetzt nur mit seinen eigenen verletzten Gefühlen beschäftigt und nimmt sich die Freiheit heraus, mit dir umzuspringen, wie er grade will - aber dir will er diese Freiheit nicht zugestehen, und zwar weil DU ja die GROSSE SÜNDERIN warst, die mit einem anderen angebändelt hat. Dabei trägt er genauso viel Schuld daran wie du. Es wird Zeit, dass er endlich mal Verantwortung übernimmt - auch für sein Beziehungsverhalten. Nichts in eurer Beziehung kommt von ungefähr, auch nicht dein Mangel an Lust. Der hängt u.a. sicher damit zusammen, dass er sich oft nicht wie ein Mann benimmt (der stark ist und für sich selbst einsteht), sondern wie ein hilfloses Kind. Wie soll eine gestandene Frau so ein Kind begehren??!

Wie auch immer: Du brauchst Zeit für dich, und das muss er respektieren und akzeptieren, auch wenn er sich vor Angst fast in die Hosen macht. Ich denke, ein großer Teil seiner Verlustangst rührt daher, dass er, wenn er dich verliert, sich um alles selber kümmern muss, und sicherlich wäre es finanziell auch nicht leicht für ihn. Aber er ist 30, meine Güte, in dem Alter sollte ein Mann eigenständig und unabhängig sein können.

Die Frage ist auch: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit nach acht (!) Jahren, dass er sich so verändert, dass die Beziehung für dich befriedigend wird? Es sei denn, du verlegst dich darauf, das meiste allein zu unternehmen, aber so eine Beziehung will man ja auch nicht, ne?

Wenn er sagt, „ganz oder gar nicht“, ist das seine Einstellung. Du musst dich nicht danach richten. Du musst dich nicht scheiden lassen, aber ich hielte es für gut, wenn ihr getrennte Wohnungen bezieht und du dich nicht mehr um seine Angelegenheiten kümmerst - damit er endlich Verantwortung für sich selbst übernimmt. Das ist eure einzige Chance, dass die Beziehung irgendwann mal wieder klappen könnte.

Liebe Grüße

Beatrice Poschenrieder

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