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Er spricht Millionen aus der Seele Tim Mälzer bricht bei „Markus Lanz” in Tränen aus

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Bei der Talkshow von Markus Lanz kämpft TV-KochTim Mälzer mit den Tränen.

Köln – Deutschland ringt um den richtigen Weg in der Corona-Krise. Am heutigen Mittwoch beraten Bund und Länder weitere Lockerungsschritte, doch die Lage bleibt vorerst dramatisch.

Deutschlands Betriebe melden für über zehn Millionen Menschen Kurzarbeit an – und damit fast für jeden dritten Beschäftigten in Deutschland. Besonders die Gastronomie trifft es mit voller Wucht. Dort ist sogar für neun von zehn Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet worden.

Star-Koch Tim Mälzer zu Gast bei „Markus Lanz”

Am Dienstagabend war TV-Koch Tim Mälzer zu Gast bei Markus Lanz (ZDF, 23.40 Uhr). Und er hat dieser mit am stärksten betroffenen Branche nicht nur ein Gesicht gegeben – denn hinter den 10,14 Millionen Namen stecken Menschen, die jetzt weiter bangen müssen.

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Er hat mit seinem Tränenausbruch gleich zu Beginn der Sendung wohl jene Gefühle ausgedrückt, die derzeit wohl Millionen Menschen in Deutschland haben. Unsicherheit, Angst, Furcht um die Zukunft.

Es war eine längere Erklärung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der ins Studio zugeschaltet war, welche dem Hamburger Star-Koch die Tränen in die Augen trieb.

Heil erklärte Moderator Markus Lanz, wie die Aussichten und Perspektiven für viele Arbeitnehmer derzeit aussehen. Wie groß die Krise derzeit ausfällt. Er erklärte, dass wir für etwa anderthalb Jahre mit dem Virus leben müssen.

„Kann ich raus?“: Tim Mälzer bricht bei Lanz in Tränen aus

Als sich Markus Lanz anschließend Tim Mälzer zuwandte, der im Studio neben ihm saß, und ihn nach seiner Situation fragte, brachen die Dämme. Er schwieg, starrte vor sich hin, Tränen flossen über das Gesicht, nach nur einem Wort, das er begonnen hatte. „Ich kann gerade nicht“, stammelte der Hamburger. „Kann ich raus?“ Es ist selten, dass man den redseligen, fröhlichen Tim Mälzer so fassungslos und sprachlos sieht.

Hubertus Heil, der den Tränenausbruch via Videoschalte verfolgte, ergänzte, dass er diese Situation leider in letzter Zeit oft erleben muss. Dass Menschen Angst haben um ihre Existenz. „Herr Mälzer, es ist uns nicht egal, das ist mir ganz wichtig zu sagen“, erklärte der Arbeitsminister.

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Tim Mälzer sieht seine Existenz und die seiner Kollegen bedroht.

„Ich kann die Sehnsucht verstehen, dass man wissen will, wie es weiter geht. Ich bin ja kein kalter Hund.“ Er selbst würde auch alles am liebsten wieder öffnen – „aber es geht um den Schutz der Gesundheit“.

Allmählich fing sich Mälzer wieder, fand die Worte wieder. „Es ist nur so schwer, weil sich diese Krise für mich so langsam definiert“, erklärt er weiter. „Wir reden ja nicht über mich. Sondern über eine ganze Branche.“

Zwei Betriebe zahlungsunfähig: Tim Mälzer leidet unter der Corona-Krise

Tim Mälzer selbst betreibt im Hamburger Schanzenviertel die „Bullerei“, in der auch die Vox-Sendung „Kitchen Impossible“ aufgezeichnet wird. Er besitzt ein weiteres Restaurant in der Hansestadt, Restaurants in Frankfurt und Düsseldorf. Während der Covid-19-Pandemie organisierte er eine Demonstration auf dem Hamburger Rathausmarkt, um auf die Not der Gastronomie aufmerksam zu machen.

„Jetzt sind meine Läden dicht, ich muss sie selber subventionieren. Wenn einem das erst so vorgeführt wird, dann ist das so krass“, erklärt Mälzer weiter. Dann geht er auf die Probleme ein: Das Konzept Kurzarbeit würde einfach zu kurz reichen, „60 Prozent ist nichts für Mitarbeiter der Gastronomie“, sagt er.

Damit würden die hohen Mieten in den Städten von den Menschen nicht gezahlt werden können, auch der Zeitraum für Kurzarbeit reiche nicht aus. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent reiche als Werkzeug einfach nicht aus. „So langsam fehlt mir da die Perspektive“, erklärt der Sternekoch.

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Er selber könne vielleicht noch in zwei, drei Jahren im TV auftreten, würde schon irgendwie Alternativen finden. „Aber die Welt besteht nicht aus Tim Mälzers“, erklärt er. „Die Gastronomie aus dem Land, die ist bedroht. Da herrschte schon vor der Krise das Prinzip der Selbstausbeutung. Für die bedeutet die Krise das Aus.“

Der Koch fragt direkt Hubertus Heil, welches Konzept er jetzt fahren solle als Restaurantbetreiber. „Was ist sinnvoll?“

„Markus Lanz”: Existenz von Gastronomen bedroht

Heil betete die politischen Maßnahmen herunter, die jetzt angedacht sind: weitere Hilfen und Konzepte, über die am Mittwoch gesprochen wird. Arbeitsschutz. Erhöhung der Kurzarbeit. Doch Mälzer blieb unzufrieden: Er erklärte, dass ihm der Fahrplan fehle. Ein richtiges Ziel, das die Regierung herausgibt. Für ihn würde es sich einfach nicht lohnen, das Restaurant nur teilweise aufzumachen. So könne er laufende Kosten nicht zahlen, auch seine Mitarbeiter nicht.

Doch auch Heil kann ihm den großen Masterplan für die Restaurants nicht liefern. „Ich sage Ihnen aber, Herr Mälzer, ich war mal bei Ihnen essen. Und ich würde sehr gerne wieder dort hin.“

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kann die Angst nicht nehmen. Im Gegenteil: Neuere Studien aus Wuhan zeigen, wie gefährlich Innenräume sind. Auch nachdem ein Infizierter Stunden später den Raum verlassen hat, könne man sich infizieren. Der Virus halte sich bis zu sieben Stunden im Raum, verteilt sich über Klimaanlagen. „Deshalb sind Restaurants besonders gefährdete Räume.“

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Doch Mälzer sucht nach Lösungen, will sich der Krise nicht hingeben. Er holt ein Face Shield aus der Tasche, setzt es sich auf. „Ist das eine Option fürs Restaurant?“, fragt er. „Man kann essen, man kann sogar die Mimik des Gegenübers sehen.“

Bei „Markus Lanz“: Harte Worte von Karl Lauterbach

Doch Lauterbach nimmt auch hier die Hoffnung: Es schütze vor Tröpfcheninfektion, nicht aber vor Aerosolen. „Sie sind wie eine Luftwolke und gehen auch unter das Visier“, erklärt er.

Und fügt an: „Ganz ehrlich, Herr Mälzer: Restaurants sollten nicht geöffnet werden. Sie könnten sonst zu Brandbeschleunigern werden.“ Es seien diese Orte gewesen, die die Pandemie zu Beginn vorangetrieben habe. Lauterbach findet: Ein Teilbetrieb der Restaurants, der derzeit so wenig lukrativ ist, müsse subventioniert werden.

Es sind bittere Worte für Mälzer. Er kam, um eine Lösung zu finden. Und bekam die Gewissheit, dass eben vieles ungewiss ist. „Ganz ehrlich: Ich weiß, dass Restaurants, Clubs und Bars ein Luxus in unserer Gesellschaft sind. Anders als Supermärkte.“

Doch dem Koch fehlten die klaren Ansagen. „Wenn ich nach dem Warum frage, gibt es nur die Moral als Antwort: Du bist verantwortungslos, für viele Tote verantwortlich. Es gibt keine richtige Debatte. Ich finde: Wenn das so ist, dann verbietet uns die Gastronomie ganz für eine lange Zeit. Nicht dieses Hin und Her. Dann schließe ich meinen Laden und mache ihn nicht mehr auf.“

Auch damit spricht der Koch wohl vielen anderen Unternehmern aus der Seele. „Ich will einfach Ehrlichkeit. Dafür verspreche ich euch: Ich gebe nicht auf. Ich kämpfe.“   

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