Robert Habeck bei Lanz Klare Ansage zur „One Love“-Binde: „Würde es darauf ankommen lassen“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (rechts) war aus Berlin bei „Markus Lanz“ zugeschaltet. Journalist Thomas Kistner lauschte seinen Ausführungen zur „One Love“-Binde.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (rechts) war aus Berlin bei „Markus Lanz“ zugeschaltet. Journalist Thomas Kistner lauschte seinen Ausführungen zur „One Love“-Binde.

Sollte Manuel Neuer die „One Love“-Binde tragen oder nicht? Dazu vertrat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei „Markus Lanz“ eine klare Meinung.

Die FIFA demonstrierte ihre vermeintliche Macht - und der DFB beugte sich dem Druck. Das Verbannen der sogenannten „One Love“-Kapitänsbinde aus den WM-Stadien in Katar und das Einknicken des größten Fußballverbands der Welt aufgrund von angedrohten sportlichen Sanktionen war in den vergangenen Tagen Gegenstand hitziger Diskussionen.

Bei „Markus Lanz“ ging die Debatte am Dienstagabend (22. November 2022) weiter und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wurde mit der Frage konfrontiert, was jetzt in Sachen Kapitänsbinde zu tun sei. „Jetzt muss man die Binde tragen“, lautete seine Schlussfolgerung. „Bietet sich an, oder?“

Robert Habeck mit WM-Ansage und verschmitztem Lächeln

Er sei weder Medienberater des DFB noch Manuel Neuer, sondern ein „Politiker, der versucht, seinen Job richtig zu machen“. Allerdings würde Habeck doch gerne wissen, ob die FIFA beziehungsweise die Schiedsrichter gegen die Anti-Homophobie-Geste wirklich so durchgreifen würden.

Alles zum Thema Markus Lanz

„Ich würde es vielleicht darauf ankommen lassen“, so der Grünen-Politiker. Gastgeber Markus Lanz bezeichnete das als „kleines anarchisches Momentum“, Robert Habeck reagierte daraufhin mit einem verschmitzten Lächeln.

Der Grünen-Politiker erinnerte auch an die WM in Russland vor vier Jahren. Damals habe es lediglich eine „kleine leichte Debatte“ gegeben, obwohl der erste Angriff auf die Ukraine – gemeint war offenbar die Annexion der Krim – noch nicht weit zurückgelegen habe. Inzwischen gebe es laut Habeck keine unpolitische Wirtschaftsentscheidung, keine unpolitische Energiepolitik und folgerichtig auch keinen unpolitischen Sport mehr.

Habeck: „Wäre interessiert zu sehen, was der Schiedsrichter macht“

„Dann fragt man sich natürlich auch: Wie würde man in der Situation agieren?“, so der Bundeswirtschaftsminister zur Binden-Frage. Habeck könne da nicht für andere sprechen, „aber ihrer Debatte folgend liegt auf der Hand, was naheliegt“. Zudem ordnete er noch einmal die Größe eines möglichen Protests ein. Es sei nur eine Binde, keine „elaborierte Last-Generation-Protestform, und ich wäre interessiert zu sehen, was der Schiedsrichter macht“.

Wie umgehen mit den FIFA-Drohungen? Golineh Atai, Markus Lanz, Thomas Kistner und Robert Habeck (von links) waren im Großen und Ganzen einer Meinung.

Wie umgehen mit den FIFA-Drohungen? Golineh Atai, Markus Lanz, Thomas Kistner und Robert Habeck (von links) waren im Großen und Ganzen einer Meinung.

Dann wurde es doch noch kritisch: Denn im Anschluss konfrontierte Lanz den Wirtschaftsminister mit einem angeblich ikonischen Bild (Lanz: „ikonografisch“): Habecks Verbeugung bei seinem Katar-Besuch im März. Allerdings wurde die Thematik Moral und Katar – die sich hier angeboten hätte – dann weitgehend ausgespart, das Gespräch drehte sich viel mehr um die deutsche Gasversorgung.

Die Bundesregierung habe laut Habeck „ein paar Sachen politisch richtig“ gemacht, daraufhin merkte Lanz an, dass die EU und Deutschland den teuren Gaskauf „auf dem Rücken des globalen Südens“ vollzogen hätten. Habeck gestand ein, dass auch Deutschland dazu beigetragen habe, die Spekulationsblase auf dem Weltmarkt anzuheizen.

SZ-Journalist bei Lanz: „Infantino läuft an der Leine mit“

In der ersten Hälfte des ZDF-Talks thematisierte Lanz mit SZ-Sportjournalist Thomas Kistner sowie der ZDF-Korrespondentin in Kairo, Golineh Atai, die aktuelle Weltmeisterschaft, die Binden-Diskussion und das Gebaren der FIFA im Allgemeinen. Schonungslos rechnete Kistner dabei mit deren Präsident Gianni Infantino ab. Als „Sprechdurchfall“ bezeichnete der Journalist dessen Rede (“Heute fühle ich mich schwul“), die teils irritiert bis fassungslos aufgenommen wurde. Wahrscheinlich habe Infantino vom Friedensnobelpreis geträumt.

Lanz wollte wissen, ob sich die FIFA wirklich mit dem DFB, seines Zeichens größter Fußballverband der Welt, anlegen würde. Kistner versuchte, Infantinos Motive darzulegen: „Was im Westen abgeht, in Europa abgeht, interessiert den überhaupt nicht.“ Vielmehr bekäme der FIFA-Präsident „Schulterklopfen aus allen Seiten“, denn sein „Wahlvolk“ sitze woanders. „Vor allem steht er natürlich in Katar in der Pflicht.“

Der Funktionär führe praktisch nur die Regeln und Befehle aus, die direkt von Katar kämen. „Infantino läuft da an der langen, vielleicht sogar sehr kurzen Leine mit“, erklärte Thomas Kistner. Infantino wohnt inzwischen sogar im Emirat – auch aufgrund von Ermittlungen in seiner vorherigen Heimat, der Schweiz?

Zumindest zeitlich bestehe ein Zusammenhang. Infantino habe seinen Wohnort gewechselt, „in einer Zeit, in der der Boden heiß wurde in der Schweiz“. Nie zuvor sei laut Kistner ein FIFA- oder IOC-Präsident an die jeweilige Veranstaltungsstätte gezogen. „Das ist völliger Unfug“, zumal Katar etwa mit dem Bau der Stadien zeitlich nicht in Verzug geraten war. Nun werde direkt durch ihn durchgesetzt, „was von der Herrscherfamilie rausgeht“.

Hier schließt sich der Kreis: Denn Kistner glaubte, dass auch das kurzfristige Verbot der „One Love“-Binde einvernehmlich mit der katarischen Regierung beschlossen wurde – „wie immer aus dem Hinterhalt“. (tsch)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.