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Peter Brugger„Das Gefühl, Konzerte zu spielen oder sie zu besuchen, kann keine Maschine ersetzen“

Seit 30 Jahren sind sie eine Band und überstanden gemeinsam eine große Krise (von links): Sänger und Gitrarrist Peter Brugger, Sänger und Schlagzeuger Florian Weber und Bassist, Keyboarder und Sänger Rüdiger Linhof. (Bild: BR/Raphael Kast)

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Seit 30 Jahren sind sie eine Band und überstanden gemeinsam eine große Krise (von links): Sänger und Gitrarrist Peter Brugger, Sänger und Schlagzeuger Florian Weber und Bassist, Keyboarder und Sänger Rüdiger Linhof. (Bild: BR/Raphael Kast)

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Die Sportfreunde Stiller feiern Jubiläum: Seit 30 Jahren ist die Band aus Germering nun schon aktiv. Zum Jubiläum spendiert der BR den Indie-Rockern eine ausführliche Dokumentation. Auf was sich Fans im Sommer noch freuen können und wie er über die WM in den USA denkt, verrät Sänger und Gitarrist Peter Brugger im Interview.

Seit 30 Jahren gibt es die Sportfreunde Stiller, und fast ebenso lange singen die drei Indie-Rocker aus Germering bei München auch über den Sport: Mit „54, 74, 90, 2006“ schrieben sie die Hymne zum deutschen Fußball-Sommermärchen. Ihre aktuelle Single „Ti Amo Italiano“ aus dem neuen Album „Happy Birthday“ (ab 12. Juni im Handel) wählte die ARD Anfang des Jahres zu ihrem offiziellen Olympiasong. Und trotzdem: Darauf reduzieren lassen will sich die Band nicht. Mit der geplanten Fußball-WM 2026 in den USA tut sich der Sportfreunde-Stiller-Sänger Peter Brugger wie viele schwer. Im Interview, das bereits im Januar stattfand, spricht der 53-Jährige über seine Bedenken. Gleichzeitig wirft er einen Blick zurück auf die Höhen und Tiefen aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte, die in der ARD-Doku „Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand“ ab Donnerstag, 28. Mai, in der ARD Mediathek, sowie am Freitag, 12. Juni um 23.30 Uhr, im Ersten, noch einmal aufgerollt wird.

teleschau: Die Sportfreunde Stiller feiern 2026 ihr 30-Jahre-Jubiläum. Wie fühlt sich das an?

Peter Brugger: Das ist eine seltsame Mischung aus ungläubigem Staunen, irgendwie auch Stolz, dass wir es so lange gepackt haben, und Freude, dass wir immer noch eine Band sind, die auch Bock hat, neue Sachen zu machen. Wir sind ja nicht nur da, um unser Zeug zu verwalten, sondern wir schreiben neue Lieder, wir machen eine neue Platte in diesem Jahr. Das fühlt sich einfach total stimmig und gut an.

teleschau: Hätten Sie je gedacht, dass die Band so lange bestehen bleibt?

Brugger: Natürlich nicht. Wir haben uns immer relativ kurzfristige Ziele gesetzt: Am Anfang war es mal ein Konzert spielen, dann mal aus München rausfahren, mal auf Tour gehen, mal eine Platte machen, dann vielleicht mal eine Platte bei einem großen Label machen. So haben wir uns von einem Schritt zum nächsten gedacht und gehofft und gearbeitet. Man denkt nicht weiter. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, mit 50 machen wir noch als Band zusammen Musik, dann hätte ich der Person den Vogel gezeigt. Wir waren damals Anfang 20, Menschen über 50 waren Freunde von unseren Eltern und für uns somit kulturell gar nicht existent (lacht).

„Je mehr Zeit vergangen war, desto schwerer ist es uns gefallen, diesen Neustart zu wagen“, sagt der Sportfreunde-Stiller-Gitarrist Peter Brugger (links) im Interview über ihre mehrjährige Pause ab 2016: „Irgendwann hat uns der Gedanke beschlichen, dass es das nicht gewesen sein kann.“ (Bild: BR/Leah Ruprecht)

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„Je mehr Zeit vergangen war, desto schwerer ist es uns gefallen, diesen Neustart zu wagen“, sagt der Sportfreunde-Stiller-Gitarrist Peter Brugger (links) im Interview über ihre mehrjährige Pause ab 2016: „Irgendwann hat uns der Gedanke beschlichen, dass es das nicht gewesen sein kann.“ (Bild: BR/Leah Ruprecht)

teleschau: Was ist Ihr nächstes großes Ziel?

Brugger: Im Moment stecken wir in einem Haufen Arbeit. Wir sind gerade dabei, die Platte fertig zu machen. Die soll ja im Sommer rauskommen, deshalb rennt die Zeit. Dann stehen wir seit einem Jahr für eine ARD-Doku vor der Kamera, wir machen parallel dazu einen Podcast, eine fette Tour steht an ... Wir leben einfach in den Tag hinein und schauen, dass uns gute Ideen kommen.

„Social Media hat gefühlt alles verändert“

teleschau: Sie sprachen von der ARD-Doku. Worauf dürfen sich Ihre Fans hier freuen?

Brugger: Das ist eine gute Frage, weil ich da auch sehr gespannt darauf bin. Wir wurden ein Jahr lang von Kameras und Mikrofonen begleitet. Das war auch ein Gewöhnungsprozess am Anfang: Wie kann ich ich sein, wenn mir eine Kamera ins Gesicht gehalten wird? Aber mit der Zeit wurde das einfach normal, und wir haben die Kamera komplett vergessen. Das ist auch meine Hoffnung, dass da ein Bild von uns vermittelt wird, wie wir halt sind. Was dieser strange, lustige und aber auch tolle Mix von uns Dreien bewirkt. Denn das finde ich an unserer Band so spannend, dass wir drei komplett unterschiedliche Typen sind, die aber trotzdem auf einer Wellenlänge unterwegs sind.

teleschau: 2026 produzieren Sie Ihr neues Album selbst, erstmals ohne große Plattenfirma. Wie darf man sich das als musikalischer Laie vorstellen?

Brugger: Im kreativen Prozess macht das für uns eigentlich gar keinen großen Unterschied. Wir drei arbeiten zusammen, wir bringen unsere Ideen ein, arbeiten zuerst zu dritt und suchen uns dann wie früher Produzenten, mit denen wir weiter an den Liedern arbeiten, sie aufnehmen und fertig produzieren. Im Vergleich zu vor zehn Jahren hat sich das ganze Business sehr gewandelt.

Zusätzlich zu der Dokumentation „Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand“ wird es zum Bandjubiläum auch den sechsteiligen Podcast „1LIVE Ikonen: Sportfreunde Stiller“ (ab Donnerstag, 28. Mai, in ARD Sounds) geben.  (Bild: 2006 Getty Images/Sean Gallup)

Copyright: 2006 Getty Images/Sean Gallup

Zusätzlich zu der Dokumentation „Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand“ wird es zum Bandjubiläum auch den sechsteiligen Podcast „1LIVE Ikonen: Sportfreunde Stiller“ (ab Donnerstag, 28. Mai, in ARD Sounds) geben. (Bild: 2006 Getty Images/Sean Gallup)

teleschau: Inwiefern? Wo sehen Sie die größten Veränderungen?

Brugger: Social Media hat gefühlt alles verändert. Vieles findet heute in den einzelnen Bubbles statt. Wenn du früher ein Lied zu MTV oder ins Radio gebracht hast, war die Chance groß, dass es viele Leute erreicht. Heutzutage läuft es einfach anders: Es sind Lieder von Bands total groß, von denen ich nie etwas gehört habe, die aber Tausende Follower haben. Das ist der große Unterschied, und das mussten wir lernen und sind auch immer noch dabei, das zu lernen.

„Das Gefühl, Konzerte zu spielen, kann keine Maschine ersetzen“

teleschau: Wie blicken Sie in die Zukunft der Musikbranche, insbesondere mit Blick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz?

Brugger: Ich tu mir im Moment in vielen Bereichen schwer, zu sagen, wird schon alles gut, möchte aber trotzdem weiterhin an das Gute glauben. Ich möchte darauf vertrauen, dass die Menschen schon erkennen, was echt und vom Menschen gemacht ist und nicht von Maschinen oder von Künstlicher Intelligenz. Aber natürlich schwingt bei dem Thema immer auch eine große Unsicherheit mit, denn wir wissen ja alle nicht, wohin es am Ende noch führen wird. Ich lasse es einfach auf mich zukommen. Was unsere Band betrifft, glaube ich, dass es immer über live geht, den direkten Draht zu den Leuten zu gewinnen. Das war bei uns seit jeher so. Das Gefühl, Konzerte zu spielen oder sie zu besuchen, kann keine Maschine ersetzen, und daraus ziehen wir als Menschen sehr viel.

teleschau: Ein Ende der Konzertbranche befürchten Sie also nicht?

Brugger: Nein. Allerdings verschiebt sich gerade viel: Sehr große Nummern haben im Moment sehr großen Zulauf, während sich kleine Bands oft schwertun. Das finde ich sehr schade, weil wir auch aus den kleinen Clubs kommen und wissen, wie geil Livekonzerte dort sind. Deshalb hoffe ich, dass diese Szene nicht zugrunde geht und dass die jungen Leute auch wieder Bock haben rauszugehen. Man hört ja immer, dass die jungen Leute seit Corona anders feiern, dass sie nicht mehr ausgehen, sondern sich lieber zu Hause treffen. Ich hoffe sehr, dass sie die Ausgeh-Kultur wieder für sich entdecken.

„Inzwischen finde ich es stark, dass wir eine Krise überwunden haben“

Ende 2016 legten die Sportfreunde Stiller eine mehrjährige Pause als Band ein.  (Bild: Universal Music/ Sebastian Madej)

Copyright: Universal Music/ Sebastian Madej

Ende 2016 legten die Sportfreunde Stiller eine mehrjährige Pause als Band ein. (Bild: Universal Music/ Sebastian Madej)

teleschau: Was war Ihr persönlicher Höhepunkt in all den Jahren?

Brugger: Ich glaube, das eindrücklichste Erlebnis war unser Auftritt auf der Fußball-WM-Party am Brandenburger Tor 2006. In dem Moment war uns schon klar: Okay, wir sind jetzt Teil einer Geschichte geworden, die wahrscheinlich lange in Erinnerung bleibt. Für uns als Band war das MTV Unplugged Konzert auch sehr bedeutend, die Zusammenarbeit mit den vielen anderen Musikern, weil es die Band so geöffnet und uns auch musikalisch vorangebracht hat. Inzwischen finde ich es aber auch stark, dass wir eine Krise überwunden haben und nach dem Auseinanderdriften doch wieder zusammengefunden und den Wert dessen erkannt haben, was wir an uns gegenseitig schätzen.

teleschau: Sie spielen auf Ihre fast sechs Jahre lange Pause ab 2016 an. Wie findet man nach so langer Zeit wieder zusammen?

Brugger: Das wussten wir zunächst auch nicht. Je mehr Zeit vergangen war, desto schwerer ist es uns gefallen, diesen Neustart zu wagen. Irgendwann hat uns der Gedanke beschlichen, dass es das nicht gewesen sein kann. Wir beschlossen dann: Hey, lass uns mal treffen, ohne dass wir aufarbeiten, was so war, und lass uns mal wieder ein paar Lieder zusammen spielen. Da wurde uns dann ziemlich schnell klar: Das tut uns so gut, und das Sportfreunde-Gefühl ist sofort wieder da! Lasst uns einfach versuchen, wieder zusammenzukommen und neue Musik aufnehmen. Das größte Learning aus dieser Zeit war, sein eigenes Ego lieber mal hinten anzustellen, und die anderen Meinungen und Egos zu respektieren, weil sonst funktioniert es nicht. Das gelingt uns inzwischen ganz gut. (lacht)

„Von der Abwechslung kann sich jede und jeder überraschen lassen“

„Wir haben uns immer relativ kurzfristige Ziele gesetzt“, erklärt Peter Brugger im Interview: „Am Anfang war es mal ein Konzert spielen, dann mal aus München rausfahren, mal auf Tour gehen, mal eine Platte machen, dann vielleicht mal eine Platte bei einem großen Label machen. So haben wir uns von einem Schritt zum nächsten gedacht und gehofft und gearbeitet.“  (Bild: 2022 Getty Images/Alexander Hassenstein)

Copyright: 2022 Getty Images/Alexander Hassenstein

„Wir haben uns immer relativ kurzfristige Ziele gesetzt“, erklärt Peter Brugger im Interview: „Am Anfang war es mal ein Konzert spielen, dann mal aus München rausfahren, mal auf Tour gehen, mal eine Platte machen, dann vielleicht mal eine Platte bei einem großen Label machen. So haben wir uns von einem Schritt zum nächsten gedacht und gehofft und gearbeitet.“ (Bild: 2022 Getty Images/Alexander Hassenstein)

teleschau: Unter dem Künstlernamen Peter Balboa waren Sie dennoch auch solo aktiv und schrieben den Titelsong der Doku „Einer wie keiner“ zu Thomas Müller bei Prime. Wollen Sie die Solokarriere künftig weiterverfolgen?

Brugger: Ach, nee. Ich habe schon immer mal wieder Ideen, die nicht so richtig in die Sportfreunde-Welt passen. Die werde ich auch in Zukunft sicher immer mal wieder verfolgen. Konkrete Pläne für eine Solo-Karriere habe ich aber nicht.

teleschau: Das Bandjubiläum feiern Sie 2026 mit einer Tour zu Ehren von „30 wunderbaren Jahren“. Worauf dürfen sich die Fans dabei freuen?

Brugger: Das wird natürlich eine super Tour! (lacht) Das wird, glaube ich, die beste Tour, die wir jemals gemacht haben. Wir werden das Beste aus den 30 Jahren rausziehen und ein paar neue Sachen hinzufügen. Wir haben schon immer sehr unterschiedliche Konzerte gespielt: mal mit Gastmusikern, mal ohne, mal krachig laut, mal unplugged ... Von der Abwechslung kann sich jede und jeder überraschen lassen.

„Wir haben Bock auf Leichtigkeit, auf Power und auf Nach-Vorne-Gehen“

teleschau: Ihre aktuelle Single heißt „Ti Amo, Italiano“. Was verbindet Sie als Band mit Italien?

Brugger: Die Liebe zu Italien ist schon lange bei uns allen gegenwärtig, seit wir das erste Mal über den Brenner gefahren sind: In Italien ist das Licht ganz anders, da geht einem einfach das Herz auf. Ich war nach meinem Schulabschluss zum Italienisch lernen in Italien. Die Sprache haben wir auch immer mal wieder in unsere Songs einfließen lassen. Jetzt kam die Idee, Deutsch und Italienisch einander gegenüberzusetzen: Wie klingt Deutsch und wie klingt das Italienische im Vergleich dazu? Da merkt man dann: Das Italienische ist einfach viel weicher und melodiöser. Es klingt einfach viel größer und schöner.

„Die Liebe zu Italien ist schon lange bei uns allen gegenwärtig, seit wir das erste Mal über den Brenner gefahren sind“, schwärmt Sänger Peter Brugger (rechts) im Interview: „In Italien ist das Licht ganz anders, da geht einem einfach das Herz auf.“ (Bild: BR/Ingo Pertramer)

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„Die Liebe zu Italien ist schon lange bei uns allen gegenwärtig, seit wir das erste Mal über den Brenner gefahren sind“, schwärmt Sänger Peter Brugger (rechts) im Interview: „In Italien ist das Licht ganz anders, da geht einem einfach das Herz auf.“ (Bild: BR/Ingo Pertramer)

teleschau: Wird es auf dem neuen Album weitere sprachliche Experimente geben?

Brugger: Nein, das ist eigentlich bisher das einzige Lied mit Italien-Bezug. Wir hatten schon immer mal englische Floskeln oder so in unseren Songs, aber größtenteils wird das Album wieder in deutscher Sprache gehalten sein. Als wir angefangen haben, unsere Lieder zu schreiben, hatten wir sehr viele politische Ideen, dann ist uns aber irgendwann aufgefallen: Boah, das ist so schwere Kost, darauf haben wir nicht so richtig Bock. Als wir uns das dann von der Seele geschrieben hatten, kamen leichtere Lieder wie „Ti Amo, Italiano“ daher. Da haben wir dann gemerkt: Okay, das ist eigentlich der Vibe, auf den wir Bock haben. Denn wir haben Bock auf Leichtigkeit, auf Power und auf Nach-Vorne-Gehen.

„Damals waren wir dann plötzlich die Fußball-Band“

teleschau: Viele Ihrer Songs sind bis heute gern gespielte Party- und auch Wiesn-Hits. Wie fühlt sich das an, wenn man im Bierzelt sitzt und sich quasi selbst zuhört?

Brugger: Das ist nach all den Jahren immer noch skurril. Ich schau mir das dann an und denk mir so: Wie krass! Ich erinnere mich noch an den Moment, in dem der Song entstanden ist, und jetzt ist er so groß.

teleschau: Manche Musiker weigern sich, ihre größten Hits noch live zu spielen, weil sie nicht darauf reduziert werden wollen. Wie ist das bei Ihnen?

Brugger: Ich kenne das Gefühl von unserem Fußball-Song: Damals waren wir dann plötzlich die Fußball-Band. Aber das sind wir nicht. Mittlerweile hat sich das aber auch gelegt. Wir haben so viele Hits und sind zum Glück kein One Hit Wonder.

„Ich versuche jeden Tag, mich nicht mit Trump zu beschäftigen“

teleschau: Die Fußball-Hymne „54, 74, 90, 2006“ feiert dieses Jahr Jubiläum. 2026 ist auch wieder ein WM-Jahr. Planen Sie einen neuen Fußball-Song?

Brugger: Nein. Wir haben das Lied erst kürzlich wieder bei einem Konzert gespielt, und ich muss sagen: Das hat sehr viel Spaß gemacht! Es wird ja auch immer skurriler mit den Jahreszahlen. Die bauen wir ja immer noch ein: In diesem Jahr heißt der Song „54, 74, 90, 14, 26“. Das birgt schon ein ganz schönes Verhaspel-Potenzial. (lacht) Diese Entscheidungsfreiheit macht inzwischen Spaß: Wenn wir Bock haben, spielen wir den Song, wenn nicht, lassen wir es.

teleschau: Die WM findet heuer in den USA statt. Wie behalten Sie in Zeiten wie diesen Ihre Zuversicht?

Brugger: Ich versuche jeden Tag, mich nicht mit Trump zu beschäftigen. Es ist unglaublich, wie er es schafft, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Man muss sich mal vorstellen, dass er es sogar schafft, dass man sich nicht mehr mit den Gräueltaten Putins beschäftigt. Ich finde es ätzend, sch..., und es nervt mich total! Am liebsten würde ich Social Media abschalten und quasi keine Nachrichten mehr schauen oder nur noch Nachrichten schauen, in denen es nicht um ihn geht. Denn dieser Narzissmus, der dahintersteckt, ist ein Zeichen unserer Zeit. Das ist so ungesund und tut uns allen nicht gut. Mir tun die Menschen in den USA auch leid, die ihn nicht gewählt haben. Und ich hoffe einfach zutiefst, dass diejenigen, die ihn gewählt haben, checken, was sie da gemacht haben. Und dass die Demokratie überlebt, hoffe ich auch sehr. Mir geht es immer am besten, wenn ich das Thema beiseiteschiebe und mich auf mein persönliches Umfeld konzentriere. Und zu der Fußball-WM da drüben: Diese eklige Aktion von Gianni Infantino mit diesem erfundenen Friedenspreis ist einfach ätzend! Den Fußball, der das herrlichste Spiel der Welt ist und so viele Menschen glücklich macht, zu so was zu benutzen, ist einfach ekelhaft. Ich wünschte mir, dass alle Länder die WM boykottieren, aber das ist mehr als unwahrscheinlich.

teleschau: Um das Gespräch positiv abzuschließen: Was sind Ihre Wünsche für 2026?

Brugger: Ich habe einen politischen Wunsch, dass die Menschen in Deutschland sich von der Partei, die enge Beziehungen zu MAGA und zu Russland pflegt und klar demokratiefeindlich ist, abwenden und pro Demokratie wählen. Und im Privaten und mit der Band erhoffe ich mir einfach ein fulminantes und euphorisches, tolles Bandjahr mit wunderbaren Konzerten, mit toller neuer Musik und ein geiles Frühjahr und einen geilen Sommer mit tollen Festivals. (tsch)

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